22 Milliarden Euro abgeschrieben
Stellantis-Chef Filosa wendet sich radikal von E-Autos ab

Stellantis-Boss Antonio Filosa investiert lieber in Verbrenner-Werke in den USA statt in Batteriefabriken in Europa. Dafür nimmt er auch einen rekordverdächtigen Milliardenabschreiber in Kauf.
Kommentieren
1/5
Stellantis-Chef Antonio Filosa (r.) war im Dezember bei US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus.
Foto: imago/MediaPunch

Darum gehts

  • Stellantis meldet 22 Milliarden Euro Abschreiber durch Abkehr von Elektromobilität
  • Chef Filosa kappt Pläne für zwei geplante Batteriewerke in Europa
  • Firma investiert 13 Milliarden Dollar in US-Verbrenner-Werke
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_1108.JPG
Gabriel KnupferRedaktor News

Die Abkehr von der Elektromobilität kommt den Stellantis-Konzern teuer zu stehen. Letzte Woche meldete Europas zweitgrösster Autokonzern (unter anderem Fiat, Opel, Chrysler, Jeep, Citroën und Peugeot) einen rekordverdächtigen Abschreiber von 22 Milliarden Euro (rund 20 Milliarden Franken). 

Alleine die Kehrtwende bei E-Autos auf dem US-Markt kostet Stellantis knapp 15 Milliarden Euro. Der neue Chef Antonio Filosa (52) hat sich voll der Agenda von Donald Trump (79) verschrieben.

Bei Trump im Weissen Haus

Im Dezember applaudierte er dem US-Präsidenten gemeinsam mit anderen Autochefs persönlich im Weissen Haus, als dieser über E-Autos herzog. Und statt in die Elektromobilität investiert Filosa in den USA 13 Milliarden Dollar in die Modernisierung von Verbrenner-Werken.

Der Hintergrund ist klar: Mit dem Wegfall der Förderung für Stromer ist in den USA aktuell mit E-Autos kein Geld zu machen. Für Autohersteller lohnt es sich dort dank Trump wieder, Benziner mit hohem Verbrauch herzustellen.

Batteriewerke gestrichen

Doch Filosas radikaler Bruch mit seinem Vorgänger Carlos Tavares (67) – einem Elektro-Turbo – geht weiter. In Europa verzichtet Stellantis auf den Bau zweier geplanter Batterie-Werke im deutschen Kaiserslautern und im italienischen Termoli.

Laut dem Fachblatt «Automobilwoche» hat es Stellantis auch in Europa nicht geschafft, erfolgreiche Stromer auf den Markt zu bringen. Gegenüber Marken wie VW, BMW und Renault ist Stellantis im Elektro-Segment stark unterrepräsentiert.

Dazu kommen massive Qualitätsprobleme im Batteriewerk des Konzerns in Nordfrankreich. Die Ausschussquote betrage laut Gewerkschaftern über 50 Prozent, so die «Automobilwoche». Offenbar ist das Werk ein Verlustgeschäft, das deutlich zu teuer und zu wenig produziert.

Exportmarkt fällt weg

Stellantis ist nicht der einzige Autokonzern, der den Speed überschätzt hat, mit dem die Elektromobilität hochgefahren wird. So musste beispielsweise der VW-Konzern wegen der Anpassung der Elektro-Strategie bei Porsche ebenfalls Milliarden abschreiben.

Doch bei Stellantis ist die Kehrtwende besonders drastisch. Und das ist kurzsichtig: Der volle Fokus auf Verbrenner in den USA wird den Konzernmarken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram in Zukunft einen wichtigen Exportmarkt verbauen. Denn in Europa ist die Elektrowende nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen