Darum gehts
- Wohnanlage Wang Fuk Court in Hongkong in Flammen
- Elf Menschen festgenommen, drei wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung
- Über 800 Feuerwehrleute und 400 Polizisten im Einsatz
Es sind furchtbare Bilder: Die Wohnanlage Wang Fuk Court in Hongkong stand am Mittwoch in Flammen. Der Komplex umfasst acht Wohnhäuser mit je 32 Stockwerken und insgesamt knapp 2000 Wohnungen.
Die brennenden Hochhäuser erleuchteten die Nacht in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Einsatzkräfte kämpften gegen das Inferno. Videoaufnahmen zeigten Feuer und dichten Rauch. Nach Angaben von Hongkongs Regierungschef John Lee konnten um 18 Uhr Ortszeit (11 Uhr Schweizer Zeit) alle Brände an den Wohnblöcken wieder unter Kontrolle gebracht werden.
Verheerende Bilanz nach Brand in Hochhauskomplex
Über 800 Feuerwehrleute und 400 Polizisten waren im Einsatz. Dazu 140 Ambulanzen. Rund 900 Menschen suchten vorübergehend Unterschlupf in den von der Stadt eingerichteten Unterkünften.
Nach offiziellen Angaben hat das verheerende Feuer bisher mindestens 151 Todesopfer gefordert. 79 Menschen wurden verletzt. Weitere werden immer noch vermisst. Unter den Verletzten befinden sich zahlreiche Feuerwehrleute. Ein 37-jähriger Feuerwehrmann erlag seinen Verletzungen im Spital.
Am Donnerstag gab die Feuerwehr bekannt, dass ein Überlebender aus einem der Wohnblöcke gerettet werden konnte. Der Mann wurde aus dem 16. Stockwerk des Wohnblocks Wang Tai House gerettet.
Feuer breitete sich über Styroporverkleidungen an Lifts aus
Die Behörden leiteten eine Untersuchung ein und wollten dabei die Sicherheitsstandards des Bambus-Baugerüsts und der daran befestigten grünen Netze unter die Lupe nehmen. Das Arbeitsministerium teilte der «South China Morning Post» mit, dass es die Wohnanlage seit Juli letzten Jahres 16 Mal inspiziert habe, zuletzt am 20. November. Dabei habe man überprüft, ob die Gerüstnetze den Sicherheitsstandards entsprechen.
Vor nicht mal einer Woche habe das Arbeitsministerium den Auftragnehmer daran erinnert, geeignete Brandschutzmassnahmen zu treffen. Zudem seien unsichere Bedingungen für Arbeiten in der Höhe festgestellt worden, weshalb drei Verwarnungen ausgesprochen worden seien.
Erste Ermittlungen zeigten, dass sich auf jeder Etage leicht entflammbare Styroporverkleidungen an den Liftschächten befanden. Laut den Behörden habe sich das Feuer so innerhalb der Wohnblöcke schneller ausgebreitet und Wohnungen über die Flure hinweg in Brand gesetzt.
Elf Menschen festgenommen
In Interviews kritisieren mehrere Einwohner, dass sie keinen Feueralarm gehört hätten. Vor dem Wohnkomplex warteten am Donnerstag viele Menschen verzweifelt auf Nachrichten zu ihren Angehörigen. Ein Mann wandte sich an die Reporter: «Was war der Grund dafür, dass die Einheit innerhalb von nur 10 Minuten mit Rauch gefüllt war?» Und bemerkte: «Wie konnte das passieren? Die Menschen hatten keine Chance, lebend herauszukommen.»
Wie die Behörden mitteilten, nahm die Polizei drei Männer einer Baufirma wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung fest. Berichten der «South China Morning Post» zufolge durchsuchten Beamte auch Büroräume des Unternehmens. Am Freitag wurde bekannt, dass acht weitere Personen festgenommen. Ihnen wird Korruption im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten an den Wohnblöcken vorgeworfen.
«Sie werfen überall Zigarettenkippen weg»
Zum Zeitpunkt des Brandes fanden Renovierungsarbeiten im Komplex statt. Deswegen waren überall Baugerüste aus Bambus angebracht. Ein gefundenes Fressen für die Flammen. Sieben der acht Wohnblöcke mit mehr als 1900 Wohnungen waren laut «South China Morning Post» betroffen.
Die Brandursache ist noch unklar. Anwohner haben eine Vermutung. «Ich sehe ständig Bauarbeiter rauchen, und sie werfen überall Zigarettenkippen weg», berichtete einer der «South China Morning Post». Er und andere Anwohner hätten sich deswegen schon mehrmals beschwert. Es sei aber nichts unternommen worden.
Schwierige Löscharbeiten
Der Rettungseinsatz war schwierig: «Trümmer und Gerüstteile fallen herab und stellen eine Gefahr für unsere Einsatzkräfte dar», sagte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, gegenüber der «South China Morning Post». Es herrsche eine enorme Hitze in den Hochhäusern.
Noch acht Stunden nach Ausbruch des Brandes brannten Dutzende Wohnungen in mindestens drei Häuserblöcken. Die Wasserstrahlen der Feuerwehrleute schienen nur in der Lage zu sein, die Flammen bis in die mittleren Stockwerke der Häuser zu löschen. Die oberen Stockwerke erreiche das Wasser nicht, schrieb die «South China Morning Post». Erst Stunden später war das Feuer allmählich unter Kontrolle.