Zu viel Einmischung?
Warum Grosseltern im Erziehungs-Dilemma stecken

Grosseltern sein war früher einfacher. Heute fühlen sich viele Senioren missverstanden und überfordert. Eine Grossmutter berichtet.
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Grosseltern kümmern sich gerne um ihre Enkel.
Foto: imago/photothek

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Grosseltern fühlen sich zunehmend in ihrer Rolle unsicher und eingeschränkt
  • Neue Herausforderungen: Erwartungen der Eltern kollidieren mit Grosselterntraditionen
  • Kindererziehung hat sich in 30 Jahren verändert, Anpassung dringend nötig
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Früher war die Rolle der Grosseltern klar definiert: Helfen, wenn nötig, die Enkelkinder verwöhnen und ein sicherer Hafen für die ganze Familie sein. Heute jedoch sagen viele Senioren, dass sich diese Rolle völlig verändert hat.

Statt Spontanität und Entspannung haben sie immer öfter das Gefühl, jedes Wort und jede Bewegung genau überlegen zu müssen, um ihre Eltern nicht zu verärgern.

«Ich muss sehr vorsichtig sein»

In einem solchen Umfeld ist die Betreuung der Enkelkinder nicht mehr nur eine Freude, sondern auch eine Herausforderung. Zwischen dem Wunsch zu helfen und dem Bedürfnis, nicht zu sehr einzugreifen, befinden sich Grosseltern oft in einem Dilemma. Genau davon erzählt Oma Snježana (68) aus Zagreb, wie «Blic.rs» berichtet. 

«Ich lasse meine Enkelin in der Wohnung meines Sohnes und meiner Schwiegertochter wohnen. Wenn ich zwischendurch ein bisschen aufräume, ist das nicht gut. Wenn ich nicht aufräume, ist es wieder nicht gut. Wenn ich mit dem Kind im Regen spazieren gehe, sagen sie, sie würde sich erkälten, und wenn wir nicht rausgehen, beschweren sie sich, dass sie jeden Tag frische Luft braucht. Ich muss sehr vorsichtig sein, was ich ihr zu essen gebe, und wehe, ich erhebe meine Stimme», so die Grossmutter.

Eigener Sohn schnauzte sie an

Vor Kurzem wurde sie gebeten, am Samstagabend auf ihre Enkelin aufzupassen. Daraufhin fragte sie die beiden, wohin sie denn gehen würden, und ihr Sohn schnauzte sie an, dass er sich da nicht so einmischen müsse.

«Als ich es versäumte, zu fragen, wie es ihnen am verlängerten Wochenende ergangen war, sagte er zu mir, dass ich mich nur um mich selbst kümmere.»

Grosseltern wie Snježana lernen, Veränderungen zu akzeptieren. Die Erziehungsmethoden haben sich stark verändert: Babys schlafen heute auf dem Rücken, die emotionale Entwicklung der Kinder steht stärker im Fokus, und Eingreifen wird selten toleriert.

«Man muss genau wissen, was von einem erwartet wird»

«Die goldene Regel lautet: Keine Ratschläge geben, wenn niemand danach fragt», betont auch Celia Dodd, die ein Buch über moderne Grosseltern geschrieben hat.

Doch selbst diese Regel ist schwer einzuhalten. Snježana hat gelernt, sich zurückzuhalten. «Ich sehe die Betreuung wie einen Beruf. Man muss genau wissen, was von einem erwartet wird.»

Diese Einstellung hilft ihr, den Herausforderungen zu begegnen und gleichzeitig die Freude an ihrer Enkelin zu bewahren. Eines hat sie dabei besonders gelernt: Die Zeit mit den Enkeln ist kostbar. «Meine ältesten Enkel sind jetzt in der Schule. Die Tage, an denen sie vor Freude sprangen, wenn ich sie abholte, sind vorbei», sagt sie. «Darum geniesse ich jede Minute mit meiner jüngsten Enkelin.»

Und sie weiss: «Es wird der Tag kommen, an dem die Enkel keine Betreuung mehr brauchen, aber hoffentlich immer noch gerne zu mir kommen.» So bleibt Snježana optimistisch. «Grosseltern müssen flexibel bleiben und sich auf ihre Enkel einlassen», sagt sie. «Wir sind viel anpassungsfähiger, als die jungen Leute denken.»

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier. 

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