Darum gehts
- Lindsay Clancy soll am 24. Januar 2023 ihre drei Kinder getötet haben
- Sie litt an postpartaler Psychose, eine seltene Erkrankung
- 13 Medikamente wurden ihr verschrieben, Urteil steht noch aus
Der Mordprozess gegen Lindsay Clancy (36) in den USA macht weltweit Schlagzeilen. Die Geschworenen hören erschütternde Details über die Mutter, die ihre drei kleinen Kinder getötet haben soll. Es handelte sich um Cora (5 Jahre alt), Dawson (3 Jahre alt) und Callan (8 Monate alt).
Clancys Anwälte räumen die Tötungen ein, argumentieren jedoch, sie sei wegen ihrer psychischen Erkrankung nicht strafrechtlich verantwortlich. Sie litt unter einer bipolaren Störung und einer Wochenbettpsychose, die laut dem kanadischen Centre for Addiction and Mental Health in etwa ein bis zwei Fällen pro 1000 Geburten auftritt.
Eine Wochenbettpsychose kann extreme Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen und Verwirrtheit hervorrufen. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall, der eine Debatte über die psychische Gesundheit von Müttern ausgelöst hat.
Wie kam es zur Tat?
Während ihr Mann Essen und Medikamente holte, soll Clancy am 24. Januar 2023 die drei gemeinsamen Kinder mit Fitnessbändern erdrosselt haben. Anschliessend sprang sie aus einem Fenster im zweiten Stock rund sechs Meter in die Tiefe.
Wie begann Clancys Abstieg?
Nach der Geburt ihres dritten Kindes im Mai 2022 zeigten sich bei Lindsay Clancy erste Anzeichen von Angstzuständen. Laut CNN beschrieb ihr Ehemann Patrick sie zunächst als gewohnt organisiert, doch dieser Zustand erodierte schnell. Bis zum November 2022 steigerten sich die Symptome zu massiver Schlaflosigkeit und tiefer Depression. Clancy suchte aktiv Hilfe, was jedoch in einer beispiellosen medikamentösen Odyssee mündete. Insgesamt wurden ihr laut Gerichtsakten 13 verschiedene Medikamente verschrieben.
Psychose oder geplante Tat?
Die psychiatrische Einordnung ist der Dreh- und Angelpunkt des Prozesses. Die Reproduktionspsychiaterin Lauren Osborne betonte im Gespräch mit CNN, dass die postpartale Psychose, an der Clancy litt, streng genommen eher als Stimmungsstörung denn als rein psychotische Störung zu klassifizieren sei. Unbehandelt führt eine Wochenbettpsychose laut CNN zu einem 4 Prozent höheren Risiko für Infantizid und einem 5 Prozent höheren Risiko für Suizid.
Vor Gericht sagte Clancys Therapeutin Latiesha Dukes gemäss ABC News aus, dass Clancy zwar Sorgen wegen einer Benzodiazepin-Abhängigkeit geäussert habe, jedoch in den Sitzungen keine offensichtlichen Zeichen von Manie oder Psychose gezeigt habe.
Genau das ist das Tückische an der Wochenbettpsychose: Symptome wie Depersonalisierung oder Wahnvorstellungen können für Aussenstehende unsichtbar bleiben. Die Patientin kann in einem Moment völlig klar erscheinen und im nächsten den Bezug zur Realität verlieren.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach rund 70 Zeugen steht die Beweisführung der Staatsanwaltschaft vor dem Abschluss. Danach ist die Verteidigung am Zug. Ein genauer Termin für das Urteil steht noch nicht fest.
Bei einer Verurteilung wegen Mordes ersten Grades droht Clancy in Massachusetts lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung. Wenn die Geschworenen sie wegen fehlender strafrechtlicher Verantwortlichkeit freisprechen, wäre sie nicht automatisch frei: In diesem Fall könnte sie in einer staatlichen psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.