Darum gehts
- Feuerwehrleute in Lille liefern sich Strassenschlachten mit der Polizei wegen Frust über Arbeitsbedingungen
- Brandschützer zündeten Barrikaden an, blockierten Strassenring und forderten Veränderungen
- 160 Stellen und 6,4 Millionen Franken fehlen allein im Département Nord
Es sind heftige Szenen, die der französische Journalist Luc Affret auf X verbreitet. In der nordfranzösischen Stadt Lille liefern sich Feuerwehrleute und Einsatzkräfte der Polizei eine wüste Keilerei. Mit Feuerlöschern sprühen die Brandbekämpfer die Polizisten ein. Die Polizei antwortet erst mit Tränengas und zieht sich daraufhin zurück.
Doch warum das Ganze? In Nordfrankreich sind die Feuerwehrmänner und -frauen unzufrieden. Laut Marc Lehoucq, Vertreter der örtlichen Feuerwehr-Gewerkschaft, fehlen den Feuerwehrleuten im gesamten französischen Département Nord von Dunkerque über Lille bis Maubeuge umgerechnet 6,4 Millionen Franken und 160 Stellen.
Feuerwehrleute zünden Barrikaden an
«Unter den Feuerwehrleuten herrscht grosse Unzufriedenheit. Budgetkürzungen hindern uns daran, unsere Arbeit ordnungsgemäss zu erledigen und Menschen effektiv zu retten. Wir sind hier, weil wir einen guten öffentlichen Dienst für die Bevölkerung wollen», schimpft der Gewerkschaftsvertreter im Gespräch mit dem Sender France 3.
«Wir sind in den Feuerwachen unterbesetzt und überlastet. Das verzögert das Eintreffen der Rettungskräfte. Wir wissen, dass wir in den vergangenen zehn Jahren anderthalb Minuten an einem Einsatzort verloren haben. Stellen Sie sich das Problem bei einem Herzstillstand oder einem Hausbrand vor», ergänzt er. Auch ein in den vergangenen Monaten diskutiertes Bartverbot hatte bei den Rettungskräften für Unmut gesorgt.
Knapp 700 der Retter versammelten sich am Donnerstag im Zentrum von Lille. Kurios: Dort zündeten die Männer und Frauen, die sonst fürs Löschen zuständig sind, eigenhändig Barrikaden bestehend aus Mülltonnen und brennbaren Materialien an. Zuvor hatten sie zu Hunderten den grossen Strassenring, der sich um die Stadt schlängelt, blockiert und dort Pyrotechnik und Reifen entzündet.
Neujahrseklat brachte Fass zum Überlaufen
Schon am Neujahrstag war es in Lille zu tumultartigen Szenen gekommen. Bei einem Neujahrsapéro hatten mehrere Feuerwehrleute eine Ansprache des Präsidenten des Departements, Christian Poiret (68), gestört. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift «Verachtete Feuerwehrleute» hoch. Als Poiret die Demonstranten bat, zu gehen, buhten sie ihn aus, woraufhin er drohte, die Feuerwehrleute zum Gehen zu zwingen. Der Neujahrseklat war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Am Donnerstag stürmten Dutzende wütende Feuerwehrleute in Feuerwehrmontur das Hauptquartier der regionalen Feuerwehr des Departements in Lille. Eine Unterredung mit dem Feuerwehrchef der Region hatte zuvor keine Einigung gebracht. Sie zerrten Büromöbel und Computer nach draussen und drohten, sie zu verbrennen.
Die Behörden boten den wütenden Verhandlungsführern schliesslich die Schaffung von 50 Stellen und die Erlaubnis zum Tragen von Bärten an. Das Versprechen setzt jedoch die Freigabe von Geldern durch die Behörden voraus. Wann die Freigabe erfolgt, werden die Demonstranten aufmerksam verfolgen.