Darum gehts
Bunkerbrechende Bomben im Iran, ein Diktator-Sturz in Venezuela und Drohungen gegen alle Seiten: Donald Trump (79) ist gleichzeitig an vielen kriegerischen Fronten beschäftigt. Vom Friedenspräsidenten, wie er sich immer wieder selbst bezeichnete, ist er weit entfernt. Die Umbenennung des Verteidigungsministeriums zum Kriegsministerium zeigt seine wahren Absichten.
Zurzeit kämpfen die Amerikaner an mindestens sieben Fronten. Nachdem Trump einen Militärschlag gegen das iranische Regime aus Mangel an Erfolgsaussicht in letzter Minute abgesagt hat, stellt sich die Frage: Hat sich der US-Präsident verzettelt?
Das sind die sieben Hauptfronten von Donald Trump:
Die Operation «Midnight Hammer» in der Nacht auf den 22. Juni 2025 war ein militärisches Meisterwerk. Mit Tarnkappen-Jets und bunkerbrechenden Bomben sprengten die Amerikaner zentrale Atomanlagen im Iran in die Luft. Die Jets waren unter Funkstille nonstop 37 Stunden in der Luft und legten 11’400 Kilometer zurück.
Bei den aktuellen Aufständen im Iran sind die Amerikaner zurückhaltender. Zwar kündigte Trump drohend an: «Hilfe ist unterwegs.» Ein Schlag gegen das brutale Regime wurde allerdings im letzten Moment abgesagt. Einerseits, weil das iranische Regime die angekündigten Hinrichtungen abgesagt hat. Und laut Militär-Analysten andererseits, weil die Aussicht auf einen Sturz der Mullahs zu klein gewesen wäre und ein Angriff US-Soldaten in Gefahr gebracht hätte.
Auch die Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro (63) war militärische Präzisionsarbeit. Mit Kampfjets griffen die Amerikaner am 3. Januar die Hauptstadt Caracas an, töteten rund 100 Leibwächter, Sicherheitskräfte und Zivilisten und schnappten Maduro im Schlafzimmer. In nur zweieinhalb Stunden war die Mission erfüllt. Die USA nehmen nun Einfluss auf die Regierung und wollen sich die Ölfelder unter den Nagel reissen.
In Mittelamerika liegt ein Filetstück, an das sich Trump heranmachen will: der wichtige Panamakanal, der heute zu weiten Teilen von Chinesen kontrolliert wird. Weil die Amerikaner den Kanal gebaut haben, will Trump ihn «zurück» haben. Eine Besetzung ist nicht ausgeschlossen.
Seit Wochen ist eine US-Armada im Karibischen Meer stationiert. In diesen Gewässern bombardieren Trumps Truppen einerseits Boote, auf denen vermutlich Drogen geschmuggelt werden. Andererseits entern die Amerikaner Tanker, die venezolanisches Rohöl transportieren.
Die Afrika/Nahost-Front, in der die Amerikaner Jagd auf Islamisten machen, ist in vier Gebiete unterteilt. In den vergangenen Monaten wurden Ziele in Syrien, Nigeria und Somalia unter Beschuss genommen. Luftangriffe gab es auch gegen die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen, nachdem diese Israel und Schiffe angegriffen hatten.
Im bald vier Jahre dauernden Krieg spielen die USA eine wichtige Rolle. Zwar greift Trump nicht selbst ein, aber er liefert Waffen, welche die Europäer bezahlen. Trump bemüht sich um einen Waffenstillstand, auch weil er sich an die Bodenschätze des Landes heranmachen will. Friede ist aber mangels Willen des Kreml-Herrschers Wladimir Putin (73) nicht in Sicht.
Diese Front könnte für Europa höchst ungemütlich werden. Nachdem Trump die Insel «unbedingt» will und eine militärische Mission nicht ausschliesst, haben europäische Länder Aufklärungssoldaten entsendet, um Präsenz zu markieren. Bei einer Besetzung würden die Europäer einer Konfrontation mit dem übermächtigen US-Militär wohl ausweichen. Eine Übernahme der Insel würde aber den bis vor Kurzem vereinten Westen definitiv in zwei Teile brechen.
Zwei Kriege gleichzeitig möglich
Die US-Armee ist die stärkste Militärmacht der Welt. Nicht nur wegen ihrer Grösse, sondern auch wegen ihrer modernen Technologie, der globalen Präsenz und Einsatzfähigkeit. Sie verfügt über 1,3 Millionen aktive Soldaten und über 900 Stützpunkte in über 70 Ländern.
Laut Strategieexperten können die amerikanischen Streitkräfte durchaus mehrere Interventionen gleichzeitig durchführen, solange sie begrenzt sind und keine Bodentruppen zum Einsatz kommen. Marcel Berni, Dozent für Strategische Studien an der ETH-Militärakademie: «Das US-Verteidigungsmodell sieht traditionell die Fähigkeit vor, mindestens zwei grössere Kriege parallel führen zu können – ergänzt durch kleinere Einsätze niedrigerer Intensität.» Die US-Armee verzettle sich nicht, solange die Einsätze klar priorisiert und logistisch voneinander entkoppelt würden.
Zeno Leoni, Strategieexperte am Department für Verteidigungsstudien des King’s College London, sieht das ähnlich. Zu den vielen Fronten sagt er: «Mit solchen schnellen Machtdemonstrationen kann Trump schnelle Ergebnisse erzielen, allerdings ohne operative Tiefe.» Diese Strategie diene vor allem dazu, um Gegner einzuschüchtern.
Die Grenzen der US-Armee
Allerdings ist die Power der US-Armee nicht unendlich. An ihre Grenzen stossen würde sie, wenn Trump an mehreren Orten ernsthafte Veränderungen auslösen möchte. Leoni: «Dann wäre eine grössere Anzahl von Truppen nötig. Das würde die US-Streitkräfte unter Druck setzen.»
Stratege Leoni erklärt, wo die Grenzen der US-Militärmacht wirklich liegen: Falls die USA drei Länder mit Bodentruppen besetzen wollten, könnten sie pro Land rund 100’000 Soldaten entsenden. Für eine längere Besatzung müsste die Anzahl wegen einer regelmässigen Rotation verdreifacht werden. «Eine solche Bindung würde aber die Position gegenüber China und Russland schwächen», sagt Leoni.
Für Berni geht es nebst der Truppenstärke auch um etwas anderes: die strategische Glaubwürdigkeit. Berni: «Je mehr Schauplätze gleichzeitig bespielt werden, desto schwieriger wird es, glaubhaft zu signalisieren, wo tatsächlich rote Linien verlaufen.»