Darum gehts
- Ukrainischer Vorschlag für Heirat ab 14 Jahren löst Empörung aus
- Gesetzentwurf sah Ehe für 14-jährige schwangere Mädchen vor
- Krieg in der Ukraine verschärft die Demografie‑Krise
- Bevölkerung des Landes sank von 41 auf 36–39 Millionen seit Kriegsbeginn
Im Januar sorgte ein Vorstoss im ukrainischen Parlament Rada landesweit für Empörung. Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk (50) wollte, dass Mädchen bereits 14-jährig heiraten können. Wenn sie schwanger sind. Nach heftigen auch internationalen Reaktionen ruderte der Politiker zurück. Die Überlegung des Politikers: In Zeiten von Krieg gehen der Ukraine die Kinder aus.
Konkret ging es um den Gesetzentwurf Nr. 14394 vom 22. Januar 2026, eingebracht von Rada-Präsident Stefantschuk. Im geplanten neuen Zivilgesetzbuch war vorgesehen, dass Minderjährige ab 14 Jahren bei Schwangerschaft oder Geburt eines Kindes heiraten dürfen – allerdings nur mit Gerichtsbeschluss.
Ab 16 Jahren sollte eine Ehe ebenfalls gerichtlich möglich sein. Bislang liegt das Mindestalter in der Ukraine bei 18 Jahren, mit Ausnahmen ab 16.
Demografie-Warnungen
Als Argument führten Stefantschuk und Initianten die demografische Krise an: Der russische Angriffskrieg habe Millionen junger Menschen aus dem Land gerissen – durch Flucht, Verwundung oder Tod. Der Staat müsse neue Wege finden, Familien zu stabilisieren.
Internationale Analysen bestätigen den Trend: Millionen Geflüchtete, extrem niedrige Geburtenrate, hohe Kriegsverluste. Vor dem Krieg lebten rund 41 Millionen Menschen in der Ukraine. Heute sind es Schätzungen zufolge 36–39 Millionen – also mehrere Millionen weniger, vor allem wegen Flucht, Migration und Kriegsfolgen.
Die Demografie-Debatte wird in der Ukraine offen geführt: Dass sich die Bevölkerung bei anhaltendem Krieg in zehn Jahren drastisch reduzieren könnte – in einem Worst-Case-Szenario auf 10–15 Millionen Menschen.
Der Staat müsse die schrumpfende Bevölkerung langfristig «ersetzen», sagt etwa Tymofij Mylowanow (50), ehemaliger Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Handel und Landwirtschaft und Präsident der Kyiv School of Economics. Myalowanow deutete damit gezielte Zuwanderung, Familienförderung und Geburtenanreize an, nicht einzelne Gesetzesmassnahmen.
Schlupfloch für Pädophile?
Die Reaktionen auf Stefantschuks Gesetzesvorstoss fielen nicht nur in der Ukraine heftig aus, auch international – weil der Vorschlag Minderjährige schutzlos mache. Eine Ehe ab 14 würde Minderjährige voll handlungsfähig machen. Zentrale Schutzmechanismen gegen Ausbeutung könnten wegfallen. Nach hitzigen Diskussionen zog Stefantschuk den umstrittenen Passus diese Woche am Donnerstag zurück.
Der Entwurf in dieser Form ist damit vom Tisch. Für das ukrainische Wirtschaftsportal Kommersant ist das Thema jedoch keinesfalls erledigt: «Heirat statt Gefängnis: Wird die Heirat mit einer 14-Jährigen eine legale Lösung für Pädophile?», lautet ein Bericht zum umstrittenen Gesetzentwurf. Dieser hätte es ermöglicht, wird analysiert, dass Pädophile das Gesetz als legalen Ausweg missbrauchen könnten, indem sie das schwangere 14-jährige Opfer heiraten.
Klare internationale Linie
Mit einer 14-Jahres-Regel wäre die Ukraine deutlich von europäischen und Uno-Standards abgewichen. In der Schweiz liegt das Mindestheiratsalter bei 18 Jahren – einheitlich für Männer und Frauen seit der ZGB-Revision 1996, die Volljährigkeit von 20 auf 18 senkte. Minderjährige Ehen werden in der Regel nicht anerkannt.
Internationales Recht ist eindeutig: Unicef und der Europarat fordern 18 Jahre als absolutes Mindestheiratsalter. Kinderehen würden grundlegende Rechte verletzen und Zwangsverhältnisse begünstigen.
Für das ukrainische Wirtschaftsportal Kommersant bleibt das Thema