Darum gehts
- Russlands Tu-160 White Swan fliegt über der Arktis, beunruhigt Nato
- Kreml erhöht Produktion wegen Verzögerungen bei Tarnkappenbombern
- November 2025: Elf-Stunden-Patrouille als Signal an den Westen
Hoch über der Arktis zieht ein weiss lackiertes Flugzeug seine Bahnen. Es handelt sich dabei um die russische Tupolew Tu-160 – auch bekannt als White Swan (Weisser Schwan). Die Tu-160 ist eines der grössten und schwersten Kampfflugzeuge weltweit und einer der wenigen Bomber, die mit vier leistungsstarken Triebwerken doppelte Schallgeschwindigkeit erreichen kann.
Der Jet entstand in den 1970er-Jahren während des Kalten Kriegs. Die Sowjetunion suchte damals nach einem Bomber, der mit den USA konkurrieren konnte und grosse Distanzen mit hoher Geschwindigkeit überwinden sollte.
Erst Reduktion, jetzt Aufrüstung
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Flotte schrittweise reduziert. Erst in den 2000er-Jahren wurde der Bomber nach und nach technisch erneuert. Nun scheint der weisse Jet wegen des Ukraine-Kriegs wieder ein wichtiger Teil der russischen Luftwaffe zu werden.
Wie Fachmedien, darunter das sicherheitspolitische Portal 19Fortyfive und die Plattform Army Recognition, schreiben, muss der Kreml wegen Verzögerungen bei seinen Tarnkappenbombern die Produktion des White Swan vorantreiben.
Anders als bei früheren Modernisierungen entstehen dabei vollständig neue Flugzeugzellen. Die Tu-160 hat zwei Schwenkflügel. Sie ist in der Lage, Marschflugkörper, Hyperschallwaffen und sogar Atomwaffen abzufeuern, wobei Letztere nur im Ernstfall geladen werden – die Tu-160 trägt sie nicht automatisch. Weiter kann der Bomber in grosser Höhe operieren und ist damit für die ukrainische Luftraumverteidigung schwer zu erreichen. Insgesamt kann der Jet 45 Tonnen Munition transportieren. Im Jet sitzen vier Besatzungsmitglieder, die in der Lage sind, die Maschine zu steuern.
Nato beobachtet sorgfältig
Dieses Potenzial dürfte die Nato beunruhigen. Das Bündnis beobachtet die Einsätze des White Swan sehr genau. Im November 2025 führte eine Tu-160 eine Elf-Stunden-Patrouille über den internationalen Gewässern der Arktis durch. In Nato-Berichten wurde diese Aktion vermerkt, berichtet Army Recognition.
Der Kreml erklärt zwar immer wieder, solche Flüge würden allein dem Training dienen und die Crews würden sich an die internationalen Luftfahrtgesetze halten – dennoch wird der Flug als klares Signal an die Nato gedeutet.
Immer wieder Flüge über der Arktis
Die Mission fügt sich ein in ein umfassenderes Muster russischer Kampfjet-Patrouillen über der Arktis, dem Nordatlantik, dem Pazifik, dem Schwarzen Meer und der Ostsee, die von Nato-Mitgliedern wie der Türkei, Norwegen und dem Vereinigten Königreich genau beobachtet werden, schreibt Army Recognition. So senden die Länder teilweise auch Jagdflugzeuge los, um die russischen Patrouillenflüge zu eskortieren.
Dennoch: Die russische Armee hat nach wie vor mit Engpässen zu kämpfen. Die Serienproduktion der Tu-160 wurde zwar rechtzeitig vor dem Ukraine-Krieg wieder aufgenommen – laut Fachmedien ist derzeit jedoch eine überschaubare Anzahl im Einsatz.
Klar ist: Die Aktivitäten der Tu-160 werden in nächster Zeit vom Westen genau beobachtet werden.