Trumps neuer Zollhammer gegen Europäer
Wird das Davoser WEF zum Grönland-Gipfel?

Gerät Davos 2026 aus dem Ruder? US-Präsident Trump droht acht europäischen Ländern mit Zöllen wegen Grönland. Merz, Macron und Schoof sind vor Ort, Starmer unklar. Europa ist empört – aus Wirtschaftsgipfel wird wohl Zolldebatte.
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In Kürze macht sich US-Präsident Donald Trump an Bord von Airforce One auf den Weg in die Schweiz.
Foto: Julia Demaree Nikhinson

Darum gehts

  • US-Präsident droht acht europäischen Ländern mit Strafzöllen mangels Grönland-Einigung
  • Trump und mehrere betroffene europäische Spitzenpolitiker besuchen WEF 2026 in Davos
  • Geplante Zölle: 10 Prozent ab Februar, später bis zu 25 Prozent
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Davos steht vor einem turbulenten WEF. Eigentlich geht es um Wirtschaft, Klima und globale Zusammenarbeit – doch natürlich dominiert wieder Donald Trump (79) die Schlagzeilen. Der US-Präsident hat angekündigt, gestaffelte Zölle auf acht europäische Länder zu verhängen, sollte es keine Einigung über Grönland geben. Plötzlich rückt das arktische Eiland mitten in die Alpen.

Gleich mehrere der angesprochenen europäischen Staats- und Regierungschefs, denen Trump droht, werden in Davos sein: der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48) und der niederländische Premier Dick Schoof (68). Grossbritanniens Regierungschef Keir Starmer (63) ist gelistet, aber nicht definitiv bestätigt. Als zentrale Europa-Figur reist auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) an.

Empörtes Europa

Trump droht mit Strafzöllen von zunächst 10 Prozent ab Februar, später 25 Prozent, falls sie seinen Plan zur Übernahme Grönlands blockieren. 

Europa reagiert empört. Die EU-Spitze warnt vor einem Abwärtssog in den transatlantischen Beziehungen, Merz und Macron kritisieren die Drohungen als inakzeptabel. Auch Starmer spricht von völlig falschen Signalen. Die Botschaft ist klar: Trump bringt Davos aus dem geplanten Wirtschaftskurs in den Zolldiskurs.

Merz nahm Trumps Drohung «zur Kenntnis», Macron nannte die Drohung «inakzeptabel» und versprach eine «geschlossene europäische Reaktion». «Weder Einschüchterung noch Zölle beeinflussen uns – weder in Grönland noch anderswo», schrieb er auf X. Von der Leyen signalisiert Bereitschaft zu Gegenmassnahmen, falls Trump nicht einlenkt. Eine Krisensitzung in Brüssel soll schon heute Nachmittag die nächsten Schritte klären.

Gegenwehr auch in den USA

Auch Chuck Schumer (75), Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, kündigte an, die angedrohten Zölle stoppen zu wollen. «Die Demokraten im Senat werden ein Gesetz einbringen, um diese Zölle zu blockieren, bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren Verbündeten in Europa weiteren Schaden zufügen», teilte Schumer mit. Die törichten Zölle Trumps hätten die Preise bereits in die Höhe getrieben und der US-Wirtschaft geschadet.

Grönland überlagert Davos

In Davos werden Sicherheitsvorkehrungen massiv hochgefahren. Die Ankunft Trumps erfordert gepanzerte Fahrzeuge, scharfe Kontrollen und ein Sicherheitsdispositiv, das seinesgleichen sucht. Gleichzeitig wächst der Protest auf den Strassen: Demonstrierende aus der Schweiz, Deutschland und weiteren Ländern ziehen nach Davos, um gegen US-Zölle, Kapitalismus und Kriegspolitik zu demonstrieren.

Die WEF-Organisatoren versuchen, Ruhe zu bewahren. Co-Präsident und Blackrock-CEO Larry Fink (73) betont, dass verschiedene Stimmen am Forum wichtig seien. Der zweite Co-Chair, Roche-Manager André Hoffmann (67), spricht von Dialog statt Schockwirkung. Fakt ist: Die Diskussion um Grönland hat den Gipfel überlagert. Geplant waren Debatten über nachhaltige Wirtschaft, Technologien und Klimaziele – nun wird sich vieles um Zölle, Handelskonflikte und Trumps Machtspiel drehen.

Davos 2026 könnte zum Grönland-Gipfel werden. Nicht weil die Weltführer sich über das Klima streiten, sondern weil ein einzelner Präsident die Agenda mit Drohungen gegen Europa dominiert. Die wirtschaftliche Zukunft der Allianz USA-EU steht schon wieder auf dem Prüfstand – mitten in der Schweizer Winteridylle.

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