Darum gehts
- US-Präsident Donald Trump fordert Kontrolle über Grönland
- Das Schmelzen der Eiskappen macht Insel wirtschaftlich und strategisch noch wertvoller
- Eisfreie Arktis könnte Welthandel und militärisches Gleichgewicht grundsätzlich verändern
Für US-Präsident Donald Trump (79) ist der menschgemachte Klimawandel «Betrug». Unbestritten: Die Durchschnittstemperaturen um den Nordpol steigen seit Jahrzehnten, das Eis in der Arktis schmilzt zunehmend. Die Fläche und Dicke des Meereises nehmen ab, und Experten glauben, dass die Arktis noch in diesem Jahrhundert im Sommer fast eisfrei sein könnte.
Trump bezeichnet die Einverleibung der Nordatlantik-Insel Grönland als «absolute Notwendigkeit». Er will die Kontrolle darüber notfalls mit militärischer Gewalt sicherstellen. Ein Bericht der «Washington Post» zeigt nun, dass unter anderem das Schmelzen der Eiskappen in der Arktis bei den Überlegungen des US-Präsidenten eine Rolle spielen könnte. Das Phänomen könnte Grönland in wirtschaftlicher sowie strategischer Hinsicht noch wertvoller machen.
«Neues Feld für Wettbewerb»
Einerseits werden unter der dicken Eisdecke Bodenschätze wie Gold, Erdöl und Uran vermutet. Es geht jedoch auch um die Erschliessung neuer Transportwege, wie Joseph Majkut, Direktor des Programms für Energiesicherheit und Klimawandel am Center for Strategic and International Studies (CSIS) gegenüber der «Washington Post» erklärt. «Die Befreiung der Arktis vom Meereis, zumindest saisonal, wird ein völlig neues Feld für wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Wettbewerb schaffen.»
Sollte die Arktis dereinst im Sommer eisfrei werden, könnte das den Welthandel grundsätzlich verändern. Die strategische Bedeutung der maritimen Engpässe zwischen Grönland, Island und Grossbritannien sowie zwischen Grönland, Spitzbergen, der Bäreninsel und dem Nordkap würde aus handelspolitischer und militärischer Sicht zunehmen.
Strafzölle für acht europäische Länder
Trump begründet seine Forderung einer Annexion von Grönland mit der Sicherheit für die Region und die US-Bevölkerung und macht eine Bedrohung durch Russland und China geltend. Die europäischen Länder, die sich gegen seine Machtansprüche widersetzen, belegte er am Samstag mit neuen Zöllen – 10 Prozent ab dem 1. Februar und 25 Prozent ab dem 1. Juni.
Die betroffenen acht Staaten schreiben in einer gemeinsamen Erklärung: «Als Alliierte der Nato sind wir der Stärkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse.» Eine von Dänemark koordinierte militärische Erkundungsmission – offenbar ein Affront für Trump – habe als Übung gedient und für niemanden eine Bedrohung dargestellt.
Ins Visier von Trump geraten sind Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, die Niederlanden und Finnland. «Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands», heisst es in ihrer Erklärung weiter. Man sei bereit, in einen Dialog einzutreten, auf Grundlage der «Prinzipien der Souveränität und territorialen Integrität».