Darum gehts
- Ende Februar starben zwei Personen bei einem Tram-Unfall, 50 weitere wurden verletzt
- Der Tram-Fahrer gab gegenüber Behörden an, an einer vasovagalen Synkope gelitten zu haben
- Neue Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft führen zu genaueren Ermittlungen
Ein Tram-Unfall Ende Februar sorgte weltweit für tiefe Bestürzung. Die Tragödie, welche sich an der Via Vittoria Veneto in Mailand abspielte, kostete zwei Menschen das Leben. Mehr als 50 weitere wurden verletzt. Nun gibt es neue Hinweise, wie das Tram der Linie 9 entgleisen und in ein Restaurant krachen konnte.
Wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» schreibt, wird in einem laufenden Verfahren gegen den 60-jährigen Tramfahrer Pietro M.* ermittelt – unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Was die Staatsanwaltschaft dabei enthüllt hat, lässt an der bisherigen Geschichte des langjährigen ATM-Mitarbeiters zweifeln.
Verletzung am linken Zeh soll zu Schwächeanfall geführt haben
Laut eigener Aussage verlor Pietro M. die Kontrolle über das Fahrzeug aufgrund einer vasovagalen Synkope, einer kurzzeitigen Benommenheit, ausgelöst durch einen schmerzenden linken Zeh. Die Verletzung habe er sich zugezogen, als er eine halbe Stunde zuvor einem Rollstuhlfahrer aus dem Tram geholfen habe.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen jedoch Schockierendes: Maximal zwölf Sekunden vor dem Aufprall beendete der Tramfahrer ein fast vierminütiges Telefonat mit einem Kollegen. Telefonieren ist während des Betriebs strengstens verboten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass nicht ein spontaner Schwächeanfall, sondern Ablenkung zu der Katastrophe führte.
Die Verteidigung streitet diese These ab. Zwar bestreitet Pietro M. nicht, seinen Kollegen angerufen zu haben. Allerdings behauptet er, das Gespräch bereits sechs Minuten vor dem Aufprall beendet zu haben. Die Ermittlungen der örtlichen Polizei und Staatsanwaltschaft dauern zurzeit noch an.
* Name bekannt