Darum gehts
Wer hätte gedacht, dass der Tod des rechten Aktivisten Charlie Kirk (†31) die republikanische Partei derart erschüttern würde? Seit der Ermordung des amerikanischen Polit-Aktivisten ist bei Trumps Hardcore-Fans kein Stein mehr auf dem andern.
Hauptakteure im internen Parteikrieg sind zwei weibliche Alphatiere, die öffentlich aufeinander losgehen: Kirks Witwe Erika (37) sowie die Verschwörungstheoretikerin und Polit-Kommentatorin Candace Owens (36). Der Disput, der neu offen und vor laufenden Kameras geführt wird, bringt Donald Trump (79) zunehmend in die Bredouille.
Seit Charlie Kirk am 10. September in Utah bei einem öffentlichen Auftritt erschossen wurde, ergreift Owens jede Gelegenheit, um Erika Kirk zu kritisieren. So zweifelt sie an der offiziellen Version des Attentats. Vielmehr glaubt sie, dass Kirk für einflussreiche Geldgeber zu unbequem geworden und deshalb aus dem Weg geschafft worden sei. Sie beschuldigt Erika Kirk, die Hintergründe zu kennen, aber zu verschweigen und ihre Trauer nur vorzutäuschen.
Vorwürfe von allen Seiten
Nebst weiteren Vorwürfen bezichtigt sie Erika Kirk auch des Betrugs zum Nachteil von Turning Point USA. Diese rechtsgerichtete Jugendorganisation war von Charlie Kirk gegründet worden und wird heute von Erika Kirk geführt. Beweise habe sie zur Genüge, behauptet Owens in TV-Sendungen, vorgelegt hat sie keine.
Auch andere rechte Influencer dreschen immer heftiger auf Erika Kirk ein. Sie sei eine Spionin, schimpft zum Beispiel der rechtsextreme Nick Fuentes (27). In Kommentaren schreiben viele Anhänger der «Make America Great Again»-Bewegung, dass es ihr nur darum gehe, sich im Namen ihres Mannes zu profilieren.
«Hört auf!»
Nun eskaliert der Konflikt öffentlich. Mit theatralischer Rhetorik und Tränen in den Augen wehrt sich Erika Kirk gegen die Anschuldigungen, die gegen sie erhoben werden. In jeder Sendung wiederholt sie seit einer Woche die gleichen Worte. «Im Namen Gottes: Hör auf!» Das ist nicht zufällig. Es ist der Titel des Buchs, das von ihrem Mann geschrieben worden war und das sie vor einer Woche veröffentlicht hat (Original: «Stop, in the Name of God»). Es ist somit bestes Product-Placement.
Kirks Witwe wirkt bei ihren Auftritten erschöpft. Immer wieder erhalte sie Mord- und Entführungsdrohungen, sagt sie in Interviews. Groll hege sie keinen, meint die katholisch aufgewachsene Frau. Auf die Frage, was sie ihren Kritikern sagen würde, meint sie nur: «Ihr seid krank. Ich bete, dass Gott euch rettet.»
Kirks Anhänger werfen Owens vor, mit Lügen Kasse machen zu wollen. Für ihre verschwörerischen Posts, die bis zu 40 Millionen Klicks erreichen, soll sie jeweils bis zu mehreren Hunderttausend Dollar verdienen.
Gräben brechen offen auf
Nach Kirks Ermordung hatte man damit gerechnet, dass der Tod die Republikaner zusammenschweissen würde. Daraus wurde nichts. Vielmehr zerfleischen sich die Trump-Anhänger seither selber. Philipp Adorf, Republikaner-Experte an der Universität Bonn, sagt gegenüber Blick: «Der aktuelle Streit macht deutlich, wie stark sich Teile der politischen Rechten in verschwörungsideologische Deutungsmuster hinein radikalisiert haben.»
Charlie Kirk war es als Galionsfigur gelungen, die bereits vorher vorhandenen Spannungen innerhalb der Republikaner zu überdecken und Junge für die Partei zu begeistern. Ohne Kirk wird nicht nur die Rekrutierung von neuen Parteimitgliedern zum Problem. Adorf: «Ohne Kirk sind die Gräben nun offen aufgebrochen.»
Trump in der Klemme
Die innere Zerfleischung der Partei könnte für Trump zum Problem werden. Bereits hat die Begeisterung für Trumps Politik in der gesamten republikanischen Wählerschaft spürbar nachgelassen. Adorf: «Wenn nun auch der harte Kern meint, dass Trump nach Kirks Ermordung nicht entschlossen genug gegen vermeintlich linke Netzwerke vorgegangen sei, droht dies die Mobilisierungsbereitschaft dieser Gruppe weiter zu untergraben.»
Und auf Mobilisierung sind die Republikaner weiterhin angewiesen. In weniger als einem Jahr finden die Zwischenwahlen statt. Verlieren die Republikaner da, wankt ihre Mehrheit im Kongress. Ein Verlust dieser Mehrheit wäre für Trump nicht nur eine Blamage, es würde ihm auch das Regieren deutlich erschweren.
Trumps Sympathien sind klar: Mit der Ehrung von Kirks Vermächtnis zeigt er indirekt Unterstützung für Erika Kirk. Direkt in die Fehde greift der US-Präsident jedoch nicht ein. Lieber lässt er die Parteibasis selber streiten, weil er mit einer klaren Parteinahme einen grossen Teil seiner engsten Anhängerschaft verärgern würde.