Darum gehts
- Nach den Midterms macht Donald Trump Stephen Miller zum Stabschef
- Der Migrationshardliner prägte Mauer und Massendeportationen
- Nun soll er Trumps Agenda mit wenig Widerstand durchsetzen
Was macht die Wahlniederlage bei den Midterms mit US-Präsident Donald Trump (80)? Statt seine Politik zu mässigen, befördert er als erste Reaktion einen Radikalen. Stephen Miller (41), Architekt hinter den amerikanischen Massendeportationen, erklärter Gegner liberaler Politik und absoluter Trump-Loyalist, ist neuer Stabschef im Kabinett Trump.
Miller ist kein gewöhnlicher Republikaner. Schon als Teenager legte er sich mit seinen liberalen Mitschülern an. Später fand er in Donald Trump den mächtigsten Verbündeten für seine politischen Überzeugungen. Nun übernimmt er als Stabschef die Schaltzentrale des Weissen Hauses. Millers Aufstieg kann als deutliches Signal gewertet werden: Trump ist mit seinem Umbau der USA noch nicht fertig. Was weiss man über seinen neuen Stabschef?
Stephen Miller, der Hassprediger
Er wuchs in Santa Monica in Kalifornien auf, nicht gerade eine erzkonservative Hochburg. Wie der australische TV-Sender ABC berichtete, fiel Miller bereits vor dem Studium an der Santa Monica High School mit rechter Ideologie auf. Die antiliberalen Ansichten Millers bewogen seine Mitschüler gar dazu, einen Kurzfilm über ihn zu drehen.
Dass an seiner Highschool Kondome an Minderjährige verteilt und mexikanische Feiertage zelebriert wurden, war ihm ein Dorn im Auge. Laut der Biografie «Der Hassprediger: Stephen Miller, Trump und die weisse nationalistische Agenda», verfasst von der Journalistin Jean Guerrero, soll er hispanischstämmige Lehrer, die sich mit Schülern auf Spanisch unterhielten, angeschrien haben. «Das ist Amerika! Wir sprechen Englisch!»
Über konservative Netzwerke und den republikanischen Senator Jeff Sessions (79) gelangte Miller nach seinem Studium in die Politik. Anfang 2016 diente sich Miller schliesslich Trump als Politikberater an. Seine Hauptaufgabe: die migrationspolitische Botschaft der MAGA-Bewegung prägen.
Beide Seiten profitieren voneinander. Die Politjournalistin Ashley Parker, die Trump seit Jahren beobachtet, beschreibt das Verhältnis der beiden in einem PBS-Beitrag aus diesem Jahr sinngemäss so: Bei der Migrationspolitik musste Miller Trump nicht nach rechts ziehen. Als Redenschreiber lieferte er Trump aber den intellektuellen Rahmen, das politische Fachwissen und eine ausformulierte Philosophie. Beispiel: Die Ankündigung, eine grosse Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten zu wollen, stammt aus einer Rede, die von Miller geschrieben wurde und von Trump bei der Republican National Convention im Sommer 2016 vorgetragen wurde.
Was Millers Migrationspolitik bedeutet
Heute ist Miller so mächtig wie noch nie. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern im Weissen Haus, die alle Präsidialverordnungen genehmigt, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Nicht selten soll Miller die Dekrete selbst ausgearbeitet haben und organisierte schon als Wiles' Stellvertreter wesentliche Teile ihrer Umsetzung.
Was Millers Migrationspläne für Menschen bedeuten können, lässt sich an zwei Beispielen aufzeigen. Ederson Galicia Alva war im Jahr 2018 erst drei Jahre alt, als ihn amerikanische Grenzbeamte von seiner Mutter trennten. Monatelang lebte er in einer staatlichen Einrichtung, bis Anwälte die Wiedervereinigung erreichen konnten. Das war in Trumps erster Amtszeit.
In Trumps zweiter Amtszeit wurden Mutter und Sohn erneut getrennt. Die Nachrichtenagentur AP hat die herzzerreissende Geschichte Alvas ausführlich rekonstruiert.
Auch die Geschichte von Kilmar Ábrego García ging 2025 durch die Medien. Er lebte mit seiner Familie im US-Bundesstaat Maryland. 2019 schützte ihn ein Gericht vor einer Abschiebung nach El Salvador. Die Trump-Regierung deportierte ihn im März 2025 trotzdem dorthin.
Das macht Stephen Miller so gefährlich
Er wurde in einem Hochsicherheitsgefängnis festgehalten. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs musste die Regierung seine Rückkehr ermöglichen. Im Juni 2025 kam er zurück in die USA, wo er wegen mutmasslicher Schleusung angeklagt wurde. Er bestreitet die Vorwürfe. Sein Fall blieb auch 2026 Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Miller verteidigte die Ausschaffung Garcías öffentlich.
Abseits der Migrationspolitik gehört Miller laut der Nachrichtenagentur Reuters zu den lautesten Stimmen der Regierung im Kampf gegen Diversitätsprogramme und Transgender-Rechte. All das zeigt: Was Miller für seine politischen Gegner gefährlich macht, ist seine Fähigkeit, seine Ideologie bürokratisch durchzusetzen.
Macht Miller Trump noch radikaler?
Mit der Ernennung zum Stabschef wandelt sich die Rolle Millers im Regierungsteam. Er ist nicht mehr nur der Ideologe, der politische Inhalte vorantreibt, sondern muss nun auch die verschiedenen Personen und Gruppierungen innerhalb der Trump-Regierung, die eigene politische Interessen verfolgen, koordinieren.
Seine Vorgängerin Susie Wiles war als disziplinierende Kraft bekannt. Miller steht für Entschlossenheit. Der durchsetzungsfähige Ideologe muss nun beweisen, dass er unterschiedliche Interessen ausgleichen kann. Womöglich hat Trump Miller auch gerade deshalb ernannt, weil er keinen ausgleichenden Stabschef mehr will, sondern einen, der seine politische Agenda mit möglichst wenig Widerstand vorantreibt.