Darum gehts
- Ein Hausbesetzer lebt in der Wohnung eines Rentners auf Mallorca
- Er kaufte die Wohnungsschlüssel nach eigenen Angaben für 1000 Euro auf dem Schwarzmarkt
- «Diario de Mallorca»: 442 besetzte Wohnungen stehen auf Mallorca und Nachbarinseln zum Verkauf
Dieser Fall lässt einen fassungslos zurück: Ein Hausbesetzer hat sich auf Mallorca in der Wohnung eines Rentners (70) breitgemacht. Der Übeltäter macht sich die lasche spanische Gesetzgebung zunutze. Das berichtet «Diario de Mallorca». Die Zeitung hat mit beiden Beteiligten gesprochen.
«Sie schützen die Hausbesetzer und lassen die Eigentümer schutzlos zurück. Das ist eine einzige Schande», wirft der Besitzer der Liegenschaft der spanischen Justiz vor. Er fühlt sich «im Stich gelassen».
916 Franken für Schlüssel zu fremder Wohnung
Auch gegen den Eindringling, der sich selbst als mittellos bezeichnet, erhebt er Vorwürfe. Der Mann habe «beliebig viel Schwarzgeld» und fahre einen PS-starken Audi. Der Wohnungsbesetzer verhalte sich zudem, als geniesse er «völlige Straffreiheit».
Umgekehrt wirft der mutmassliche Besetzer dem Rentner im «Diario» «einen Haufen Lügen» vor. «Es stimmt, dass ich die Schlüssel der Wohnung für 1000 Euro auf dem Schwarzmarkt gekauft habe», bestätigt er. «Aber ich gehöre keiner Besetzer-Mafia an.» Er habe die Wohnung besetzt, weil er aus Armutsgründen keinen anderen Ausweg gefunden habe.
Werden Eigentümer benachteiligt?
Die spanische Wohngesetzgebung macht Hausbesetzern die Einnistung in fremden Wohnungen leicht. Hat sich jemand in einer fremden Wohnung breitgemacht, muss er lediglich 48 Stunden unentdeckt bleiben. Eine polizeiliche Sofortintervention ist anschliessend ausgeschlossen.
Stattdessen müssen die Eigentümer den Weg über ein Gericht gehen. Bis in jüngster Vergangenheit dauerte es dann mehrere Monate oder Jahre, bis der oder die Besetzer die Wohnung verlassen mussten.
Hausbesetzungen werden wie Kavaliersdelikte behandelt
Hausbesetzungen gelten in Spanien als «minderschweres Delikt» und werden wie ein kleiner Ladendiebstahl behandelt. Das hat gravierende Folgen: Allein auf Mallorca sind nach Informationen von «Diario de Mallorca» 442 Wohnungen, die auf Mallorca und Nachbarinseln zum Verkauf stehen, besetzt.
Die spanische Regierung hat das Problem mittlerweile erkannt. Im April 2025 verabschiedete man das sogenannte Anti-Okupa-Gesetz, das schnellere Räumungsverfahren über beschleunigte Prozesse erlaubt. So lassen sich gerichtliche Räumungen in verkürzten Verfahren innerhalb von weniger als 15 Tagen durchsetzen, wenn das Eigentum eindeutig nachgewiesen wird.
Im Fall auf Mallorca legte der Besetzer der Polizei einen Vertrag vor, den er angeblich mit einer Sicherheitsfirma abgeschlossen haben soll, mit einem Datum, das mehr als 48 Stunden vor dem Zeitpunkt lag, als der Eigentümer die Besetzung bemerkte. Die beiden Streithähne werden sich wohl vor Gericht wiedersehen.
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