Drohne legt Südpiste in Leipzig lahm
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Bombenroboter im Einsatz:Drohne legt Südpiste in Leipzig lahm

Sicherheitexperten warnen – Sprengstoff-Drohne in Leipzig muss auch Schweiz Sorgen bereiten
«Wir sehen hier eine neue Gefahrenqualität»

In der Nacht auf Mittwoch wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff versehene Drohne gefunden. Auch in der Schweiz wurden Drohnen schon über mehrfach über kritischer Infrastruktur wie Militäranlagen gesichtet. Experten sehen wachsenden Handlungsbedarf.
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In der Nacht auf Mittwoch wurde am Flughafen in Leipzig eine mit Sprengstoff versehene Drohne gefunden.
Foto: IMAGO/EHL Media

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Am Flughafen Leipzig wurde eine Sprengstoff-Drohne nahe eines ukrainischen Flugzeugs entdeckt
  • Schweizer Politiker warnen vor ähnlichen Gefahren für kritische Infrastruktur in der Schweiz
  • Sicherheitsexperten sehen eine neue Gefahrenqualität

Haarscharf entging der zweitgrösste Frachtflughafen Deutschlands in Leipzig/Halle in der Nacht auf Mittwoch einem Terroranschlag. In unmittelbarer Nähe zu einem ukrainischen Frachtflugzeug wurde eine mit Sprengstoff versehene Drohne entdeckt. Trotz der hochmodernen Sensorik des Flughafens war es ihr möglich, nahezu unbemerkt an den Sicherheitsvorrichtungen vorbeizukommen.

Die Einsatzkräfte der Bundespolizei schafften es noch rechtzeitig, das Objekt zu entschärfen und eine Katastrophe zu verhindern. Laut «Bild» handelte es sich bei der Drohne um eine professionelle Anfertigung. Ob den Tätern unrechtmässig weitergegebene Informationen zu der Drohnenabwehrtechnik des Flughafens vorlagen, sei derzeit Teil der Ermittlungen.

«Das kann auch in der Schweiz passieren»

Schweizer Politiker aus allen Parteien reagieren äusserst besorgt auf den Vorfall in Leipzig. Ob Spionage oder Sabotage: «Für relativ wenig Geld können mit handelsüblicher Technologie grosse Schäden verursacht, der Flugverkehr lahmgelegt und erhebliche Unsicherheit ausgelöst werden», sagt SVP-Nationalrat Werner Gartmann (57, SG) zu Blick. «Von einem flächendeckenden und jederzeit einsatzbereiten Schutz unserer kritischen Infrastrukturen kann heute aber keine Rede sein.» 

«Was in Leipzig passiert ist, kann auch in der Schweiz passieren», so SP-Ständerätin Franziska Roth (60, SO). Für die Sicherheitspolitikerin zeigt der Vorfall «die reale Gefahr des hybriden Krieges». Es würde reichen, wenn ein feindlich gesinntes Land oder eine Terrorgruppe jemanden auf ein AKW, Spital oder eine Energiezentrale ansetzen würde. Dann wäre der GAU nicht weit.

Zuständigkeiten nicht klar geregelt

Auch hierzulande nahmen Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur wie Militäranlagen, Spitälern, Flughäfen oder Kraftwerken in letzter Zeit zu. Aber was im Ernstfall zu tun wäre, ist nicht geklärt. Darf man eine Drohne einfach abschiessen? Falls ja: Wer? Die Polizei, die Flugsicherung Skyguide oder doch die Armee? Und wie? Das ist heute in der Schweiz nicht klar. Die Zuständigkeiten für den Schutz des Luftraumes sind im Ernstfall nicht klar geregelt.

Im Juni hat das Parlament entschieden, dass diese offenen Fragen geklärt werden müssen. Dennoch sagt Ständerätin Andrea Gmür (62, LU): «Ich befürchte, dass wir viel zu wenig gerüstet sind.» «Wir dürfen keine weitere Zeit verlieren», sagt Gmür mit Blick auf die Armeeaufrüstung. Sensorik an gefährdeten Anlagen, elektronische Störmittel oder auch Abfangdrohnen sind laut Gartmann weitere Möglichkeiten.

«Wir sehen hier eine neue Gefahrenqualität»

Die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations (ECFR) bestätigt Blick auf Anfrage, dass der Fall am Flughafen von Leipzig der erste ist, bei dem Sprengstoff an einer Drohne festgestellt wurde. «Sprengstoff macht eine Drohne ungleich gefährlicher für Flugzeuge, daher sehen wir hier tatsächlich eine neue Gefahrenqualität.»

Von dieser Bedrohung ist laut der Expertin auch die Schweiz nicht ausgenommen. Insbesondere Missbräuche durch kriminelle Organisationen könnten auch hier vorkommen.

«Eine neue Dimension»

Auch Ivo Capaul vom Center for Security Studies der ETH Zürich sieht in der Sprengstoffdrohne vom deutschen Flughafen eine neue Gefahrenqualität. Gegenüber Blick erklärt er: «Sprengstoff an einer Drohne bringt eine zusätzliche, kinetische Dimension in die Situation hinein.» In so einem Fall sei die Bedrohungslage verschärft.

«Generell betrachtet ist der Schutz vor Drohnen an kritischen Infrastrukturen wie Flughäfen, Kraftwerken oder militärischen Anlagen keine einfache Aufgabe», sagt Capaul. In einem ersten Schritt müsse man über die nötigen Erkennungssysteme, zum Beispiel Radar oder Kameras, verfügen, um die Flugobjekte zu bemerken. Diese könnten anschliessend mit Abwehrsystemen gezielt vom Himmel geholt werden. «Bei diesem Vorgehen besteht jedoch immer die Gefahr, dass Drohnenteile über bewohntem Gebiet abstürzen oder gar explodieren können.»

Das sagen die Flughäfen Genf und Zürich

Auf Anfrage von Blick teilt der Flughafen Genf mit, dass bereits ein umfassendes Konzept in Bezug auf solche Situationen erarbeitet worden sei. Zuletzt sei dieses vor dem Hintergrund des G7-Gipfels im Juni erneut überarbeitet und Sicherheitsmassnahmen weiter verstärkt worden. Der Flughafen sei sich der zunehmend hybriden Bedrohungen bewusst und arbeite eng mit der Sicherheitsbrigade für den Luftraum der Genfer Kantonspolizei zusammen.

Auch der Flughafen Zürich gibt an, gemeinsam mit seinen Sicherheitspartnern über definierte Abläufe im Umgang mit Drohnensichtungen und möglichen Drohnenvorfällen zu verfügen. Zudem sei bereits Anfang 2025 ein Drohnendetektionssystem eingeführt worden.

Genauere Angaben machen die beiden Flughäfen aus Sicherheitsgründen nicht.

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