Darum gehts
- 2011 attackierte ein Mann in München eine Studentin, jetzt in Haft
- DNA-Spur von 2011 wurde 2024 identifiziert, Täter erhielt 27 Monate
- 58 Jahre alter Cold Case in England durch DNA-Technik 2025 gelöst
Fast 15 Jahre nach einem nächtlichen Horror in München sitzt der Täter nun hinter Gittern. Es war die Nacht zum 2. Oktober 2011: Eine damals 21-jährige Studentin war nach der Arbeit in einer Kneipe. Auf dem Weg nach Hause attackierte sie plötzlich ein Unbekannter von hinten. Er packte sie brutal, drückte sie zu Boden, begrapschte sie und versuchte, ihre Hose zu öffnen, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Sie wehrte sich verzweifelt und konnte sich erst durch Schläge in seinen Unterleib befreien.
Die junge Frau rannte nach Hause, legte sich ins Bett und ging am nächsten Morgen zur Uni – trotz des Vorfalls in der Nacht zuvor. Erst als sie sich einer Kommilitonin anvertraute, entschied sie sich, zur Polizei zu gehen. Beschreiben konnte sie den Täter jedoch nicht: Er trug eine Mütze und eine Kapuze. Die Polizei konnte jedoch DNA-Spuren von ihrer Kleidung sichern, doch einen Treffer in der Datenbank gab es nicht – der Fall wurde zu einem Cold Case.
Ziege wird ihm zum Verhängnis
Der groteske Durchbruch kam 2024: Ein 40-Jähriger namens Almiro D.* wurde in einem Münchner Vorort angezeigt, weil er eine Ziege sexuell missbraucht haben soll. Die dort gesicherten DNA-Spuren schlugen Alarm – sie passten exakt zur Spur vom Studentenfall aus dem Jahr 2011. Plötzlich war das Puzzle komplett. Am Landgericht München stand D. vor Gericht. Die Richterin hielt die sexuelle Nötigung für zweifelsfrei erwiesen: zwei Jahre und drei Monate Haft ohne Bewährung.
Doch der Fall aus München ist nicht der einzige, der mithilfe von DNA-Spuren gelöst wurde. Auch die folgenden zwei Verbrechen konnten mit dieser Methode noch Jahre später aufgeklärt werden:
England: Verurteilt nach 58 Jahren – der älteste Triumph
Bristol 1967: Die 75-jährige Louisa Dunne wird in ihrer Wohnung vergewaltigt und erdrosselt. Tausende Fingerabdrücke und Verdächtige werden geprüft – vergebens. Der Fall ruht fast 60 Jahre. 2025 knackt moderne Forensik den Code: Spermaspuren auf ihrem Rock stimmen mit der DNA von Ryland Headley (92) überein, dessen Profil aus einem anderen Vergewaltigungsfall in der Datenbank gespeichert war. Eine Jury verurteilt den betagten Täter – Grossbritanniens ältester gelöster Cold Case und ein Symbol für unermüdliche Justiz.
Koblenz: US-Touristin – 32 Jahre später
Sommer 1994: Die 24-jährige Amerikanerin Amy L.** spaziert ahnungslos zum Rhein, als ein Täter sie brutal missbraucht und erdrosselt. Der Fall wird zum Rätsel. 2024 belebt neue Technik die Ermittlungen: Männliche DNA an der Innenseite ihrer Jeans führt zu einem 81-Jährigen, der freiwillig eine Probe abgegeben hatte – ein perfekter Treffer. 2026 nehmen Ermittler den Mann in seinem Seniorenheim fest. Nach Jahrzehnten der Ungewissheit kann die Familie aufatmen.
Düsseldorf: Professor ermordet – 42 Jahre später
1984 dringt der damals 21-jährige mutmassliche Täter in die Düsseldorfer Wohnung eines Psychologie-Professors und alleinerziehenden Vaters von drei Kindern ein und tötet ihn brutal. Der Professor erleidet 24 Stichwunden. Doch die Spurenlage ist zu dünn, der Fall bleibt ungelöst. Jahrzehnte später verlangen die Behörden vom inzwischen 62-jährigen Mann, der mittlerweile in Italien lebt, eine DNA-Probe. Laut Ermittlern passt sie zu Spuren an der Leiche des Professors und an einem Tuch im Schlafzimmer. Diese Spuren konnten damals noch nicht ausgewertet werden. Die Ermittler sind sich nun sicher, den Täter gefunden zu haben. Ein Urteil steht jedoch noch aus.
* Name nicht bekannt
** Name bekannt