Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) warnte am Freitag, dass bis zu 20 Millionen Ukrainer gezwungen sein könnten, nach Europa zu fliehen, sollte sein Land an Russland fallen.
«Russland bringt uns um», sagte Selenski am Freitag auf einer Pressekonferenz während eines Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel und fügte hinzu, dass die Ukrainer aus ihrem Land «vertrieben» würden.
Bereits zu Beginn des Krieges lösten die Kampfhandlungen die grösste Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat halten sich derzeit über vier Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer mit vorübergehendem Schutzstatus in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf – die meisten davon in Deutschland, Polen und Tschechien.
Riesiges Haushaltsdefizit
Selenskis eindringliche Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine unter russischem Beschuss in einen brutalen fünften Kriegswinter geht. Neben den militärischen Herausforderungen steht das Land vor enormen finanziellen Belastungen. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds beläuft sich das Haushaltsdefizit der Ukraine im kommenden Jahr auf 30 bis 35 Milliarden US-Dollar – trotz der von Brüssel im Vorjahr zugesagten Kredithilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro.
Ziel von Selenskis Besuch in Brüssel war es, weitere finanzielle und militärische Zusagen zu sichern. Zwar gilt die EU als einer der wichtigsten Unterstützer Kiews, allerdings wird die Debatte innerhalb der Union durch eigene Herausforderungen überlagert. Dazu zählen hohe Energiekosten, geopolitische Verpflichtungen sowie Verhandlungen über den EU-Mehrjahreshaushalt im Umfang von zwei Billionen Euro.