Anastasia, wir haben dich einige wenige Tage vor Ausbruch des Iran-Kriegs in Dubai besucht. Wo bist du gerade und wie geht es dir?
Ich bin aktuell in Dubai und mir geht es so weit gut. Wir verfolgen die Nachrichten natürlich sehr nah und intensiv, aber ich probiere nichtsdestotrotz den Alltag normal weiterzuführen und mich nicht von Negativität beeinflussen zu lassen.
Wie hast du den Ausbruch des Iran-Konflikts vor Ort erlebt?
Ich war gerade in einem Immobilien-Sales-Center und hatte ein Kundenmeeting, als die Nachricht kam. Ähnlich wie bei der Pandemie war es eine schlimme Neuigkeit, aber was sie bedeutet, war mir zu diesem Moment noch nicht klar. Danach ging alles sehr schnell. Schnell haben sich viele Fake-News verbreitet, insbesondere auf Social Media. Ich habe gemerkt, wie viel Hass es gegenüber Dubai und den Menschen, die hier wohnen, gibt. Das hat mich sehr enttäuscht. Als wir unser Empfinden geäussert haben wurde uns unterstellt, dass wir gut über Dubai sprechen müssen. Das ist nicht so. Wenn ich etwas Schlechtes zu berichten hätte, dann würde ich mich gar nicht äussern.
Wie hat sich seither dein Alltag verändert?
Wir können den Alltag ganz normal weiterführen. Ausser wenn es einen Alarm gibt, dann sollte man sich an einen sicheren Ort begeben. Wie man sich verhält, ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die noch immer an den Strand gehen. Auch Touristen gibt es noch. Einfach weniger. Aber es ist bei Weitem keine Geisterstadt. Auf den Strassen hat es noch immer viel Verkehr und die Malls sind auch nicht leer. Das gibt einem auch Sicherheit.
Ich war jetzt zwei Wochen lang bei meiner Familie in der Schweiz. Als ich wieder nach Dubai zurückgeflogen bin, waren weder das Flugzeug noch der Flughafen leer.
Inwiefern beeinflusst der Iran-Konflikt deine berufliche Tätigkeit als Immobilienmaklerin und Selbstständerwerbende?
Mit unserer Agentur «La Voile» sind wir in den Bereichen Concierge Services, Firmengründungen und Immobilieninvestitionen tätig. Im Bereich Concierge Services verzeichnen wir deutlich weniger Buchungen, was vor allem mit der aktuellen Lage im Tourismus zusammenhängt. Bei den Firmengründungen hingegen bleibt die Nachfrage stabil. Unsere Kunden vertrauen auf die Struktur und für viele ergibt es nach wie vor Sinn, in Dubai zu gründen.
Im Immobilienbereich zeigt sich eine spannende Dynamik: Bei noch nicht fertig gebauten Immobilien gibt es attraktive Zahlungspläne. Gleichzeitig sehen wir bei bestehenden Immobilien Spontanverkäufe unter dem üblichen Marktpreis. Natürlich beobachte ich aber auch eine gewisse Zurückhaltung bei einigen Kunden, die zunächst abwarten möchten, wie sich der Markt weiter entwickelt. Am Ende ist es wie an der Börse: Die besten Chancen ergeben sich selten dann, wenn alles bereits auf dem Höhepunkt ist.
Fühlt sich Dubai für dich nun anders an?
Wenn ich sagen würde, dass man gar nichts merkt, wäre das gelogen. Es gibt weniger Touristen und man merkt es in jeder Branche. Nichtsdestotrotz will ich positiv und meinen Routinen treu bleiben. Wer weiss, vielleicht ergibt sich aus der aktuellen Situation gar die eine oder andere Möglichkeit.
Bleibt ihr in Dubai oder wie sieht euer Plan aus?
Anfang März bin ich zurück in die Schweiz geflogen, weil in Europa alle in Sorge um mich waren. Ich habe tagtäglich Nachrichten von Familie und Freunden erhalten. Zu sehen, dass man so geliebt wird, ist sehr schön, aber die europäischen Medien haben teils ein übertriebenes Bild gezeichnet. Vor Ort haben wir die Situation ganz anders erlebt.
Dennoch habe ich die zwei Wochen in der Schweiz sehr genossen. Es war schön, bei meiner Familie zu sein. Gleichzeitig bin ich froh, jetzt wieder zurück in Dubai zu sein. Ich habe vollstes Vertrauen, dass es wieder bergauf gehen wird. Die Frage ist nur: wann?
Das Video und die zugehörige Podcast-Folge der Blick-Auswanderer-Serie «Why Dubai?» zeigen wie Anastasia als Immobilien-Maklerin und Influencerin mit ihrem Partner in der Wüstenmetropole zwischen Luxus und Moral lebt.