Darum gehts
- Ryanair-CEO fordert Alkoholverbot an Flughäfen wegen häufiger Zwischenfälle an Bord
- Ryanair leitet regelmässig Flüge wegen Fehlverhaltens von Passagieren um
- Doku deckt schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair, wie fehlende Versicherungen, auf
Ein kühles Bier in der Flughafenbar vor dem Abflug gehört für viele Menschen zu Ferienreisen dazu. Ryanair-CEO Michael O’Leary ist das aber ein Dorn im Auge. Seine Fluggesellschaft müsse im Durchschnitt fast einen Flug pro Tag wegen Fehlverhaltens an Bord umleiten. Vor zehn Jahren sei es noch einer pro Woche gewesen, sagt er in einem Interview mit «The Times».
«Es wird zunehmend zu einer echten Herausforderung für alle Fluggesellschaften.» O’Leary fordert deshalb ein Alkoholverbot an Flughäfen, zumindest am frühen Morgen. «Ich verstehe nicht, warum in Flughafenbars um fünf oder sechs Uhr morgens noch jemand bedient wird. Wer braucht denn um diese Zeit Bier?»
In der Schweiz sind die zeitlichen Verkaufseinschränkungen für Alkohol kantonal geregelt. Einschränkungen gibt es laut dem Bundesamt für Gesundheit in der Westschweiz und im Kanton Basel-Stadt. In anderen Ländern unterliegen Lokale, die Alkohol ausschenken, einer Öffnungszeitenbeschränkung. In Teilen Grossbritanniens darf Alkohol nur während der genehmigten Lizenzzeiten verkauft werden. Flughafenbars sind davon jedoch ausgenommen.
Seltsame Ideen zum Geldsparen
Es ist nicht das erste Mal, dass O’Leary mit einer skurrilen Idee auf sich aufmerksam macht. Um die Flüge seiner Budget-Airline so günstig wie möglich zu halten, wollte er 2010 etwa die WCs ausbauen. In den Boeing-737-800-Jets von Ryanair sind drei Schüsseln eingebaut. Zwei davon wollte O’Leary entfernen lassen. «Wir nutzen ohnehin nur sehr selten alle drei WCs an Bord», erklärte er damals. Ein Jahr zuvor hatte der CEO laut «The Week» vorgeschlagen, die Nutzung der WCs an Bord kostenpflichtig zu machen.
Um Geld zu sparen, hatte O’Leary schon seine Flugbegleiter dazu motiviert, Gewicht zu verlieren. Mit dieser Gewichtsreduzierung des Flugzeugs wollte er Treibstoff sparen. Auch hatte der CEO einmal vorgeschlagen, die Sitze in seinen Maschinen durch Stehplätze zu ersetzen.
Kritik an der Billig-Airline
Ungeachtet der Sprüche des CEOs sorgt die Billig-Airline immer wieder für Aufsehen. Insbesondere die Arbeitsbedingungen stehen in der Kritik. Eine Doku aus dem Jahr 2024 deckte Missstände auf. So müssen etwa Crew und Piloten ihre Versicherung selbst zahlen, wie «Focus» berichtete.
In einem Interview mit dem «Spiegel» erzählte eine ehemalige Flugbegleiterin von schlechten Arbeitsbedingungen bei Ryanair. Nach Ablauf ihrer Probezeit sei ihr fristlos gekündigt worden. Als offizieller Grund wurden neun Krankheitstage angegeben. Die Flugbegleiterin vermutete jedoch, dass man sie schlichtweg loswerden wollte.
Wegen schlechter Arbeitsbedingungen streikte das Ryanair-Bodenpersonal im Sommer letzten Jahres in Spanien.