Residenz von Kreml-Chef im Visier?
Moskau übergibt USA «Beweismaterial» zu Drohnenangriff auf Putin

Propaganda-Verdacht aus Moskau: Russland präsentiert den USA angebliche Drohnen-Beweise für einen mutmasslichen Angriff auf Putins Residenz. Kiew und westliche Geheimdienste widersprechen. Dem Kreml wird vorgeworfen, eine Lüge zur Eskalation und Ablenkung zu nutzen.
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Foto: IMAGO/SNA

Darum gehts

  • Russland übergab den USA angebliche Beweise für ukrainischen Drohnenangriff auf Putin
  • Angriff soll am 29. Dezember 2025 in der Region Nowgorod stattgefunden haben
  • Wachsende Zweifel an russischer Version, auch Trump distanzierte sich von Kreml-Chef
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Russland hat den USA angebliches Beweismaterial übergeben, das einen mutmasslichen ukrainischen Drohnenangriff auf Präsident Wladimir Putin (73) belegen soll. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, seien auf einer abgeschossenen ukrainischen Drohne Navigationsdaten entschlüsselt worden, die eine Route in Richtung der Waldai-Residenz des Kreml-Chefs in der Region Nowgorod erkennen liessen. Der Angriff soll demnach am 29. Dezember 2025 stattgefunden haben, jedoch durch die russische Luftabwehr verhindert worden sein.

In einem von Moskau veröffentlichten Video ist der russische Geheimdienstchef Igor Kostjukow (64) zu sehen, wie er einem Vertreter des US-Militärattachés in Moskau eine Mappe mit Datenausdrucken und ein Bauteil der Drohne übergibt. Die Szene, inszeniert im Verteidigungsministerium, symbolisiert einen ungewöhnlichen Schritt diplomatischer Offenheit – oder, wie Kritiker sagen, eine gezielte propagandistische Geste. Kostjukow erklärte, die entschlüsselten Daten belegten «zweifelsfrei», dass die Ukraine einen Terroranschlag auf Putins Residenz geplant habe. Namen und Funktionen der US-Offiziellen nannte er nicht.

CIA: Ziel nicht Putin-Residenz

Kiew wies die Vorwürfe umgehend als «absurde Lüge» zurück. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR sprach von einer typischen russischen Informationsoperation, um eigene Angriffe auf ukrainische Regierungsgebäude zu rechtfertigen. Auch westliche Geheimdienste zeigten sich skeptisch: Nach Recherchen mehrerer US-Medien soll die CIA zu einer abweichenden Bewertung gelangt sein.

Demnach deuteten die von Russland präsentierten Flugdaten nicht auf Putins Residenz, sondern auf militärische Infrastrukturen westlich von Nowgorod hin. Eine Falschinterpretation oder bewusste Manipulation der Koordinaten könne nicht ausgeschlossen werden.

Nachträgliche Bearbeitung

Über die US-Botschaft in Moskau sei Präsident Donald Trump (79) über den Vorfall informiert worden. Der Kreml betonte, Putin habe Trump persönlich in einem Telefonat über den angeblichen Angriff unterrichtet. Moskau meldete zugleich, Russland bleibe an den von Trump initiierten Friedensgesprächen interessiert, wolle jedoch künftig eine «härtere Haltung» gegenüber Kiew einnehmen.

CIA-Quellen in Washington bezeichneten die russische Darstellung als «nicht glaubwürdig» und wiesen darauf hin, dass die veröffentlichten Videos und Navigationskarten Spuren nachträglicher Bearbeitung zeigen.

Inzwischen hat sich auch Trump von Putin distanziert – auf Truth Social zitierte und verlinkte er einen Leitartikel mit dem Titel, dass Russland dem Frieden in der Ukraine im Wege stehe.

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