Darum gehts
- Vogelgrippe bedroht Antarktis-Tiere, Forscher warnen vor Artensterben
- Virus H5N1 kann «100 Prozent» der infizierten Tiere töten
- 2023 starben 1300 Humboldt-Pinguine, etwa zehn Prozent der Population
Der chilenische Tierarzt und Polarforscher Víctor Neira warnt gegenüber «Le Temps»vor der Vogelgrippe. Die Virusvariante H5N1 könne «100 Prozent» der infizierten Tiere töten.
Entdeckt wurde sie im April 2024 bei fünf Raubmöwen, inzwischen sind zahlreiche Arten infiziert. Bei seinen jüngsten Expeditionen fanden Neira und sein Team den Erreger bei Antarktiskormoranen, Dominikanermöwen, Adélie- und Eselspinguinen sowie bei Antarktischen Seebären. Viele dieser Tiere leben in kleinen Populationen, ein Ausbruch könnte ganze Arten bedrohen.
Rinderherden auch betroffen
Innerhalb von ein bis zwei Tagen kann die Krankheit fast alle Tiere in einem Gebiet töten. Die Gesamtzahlen einzelner Arten sind gering, etwa 20'000 Individuen bei Kormoranen oder Raubmöwen. Neira betont, dass jede weitere Ausbreitung das Risiko eines massiven Artensterbens erhöht. Schon 2023 starben in Chile rund 1300 Humboldt-Pinguine an der Vogelgrippe, das entsprach knapp zehn Prozent der dortigen Population.
Das Vogelgrippe-Virus H5N1 ist erstmals 1996 aufgetaucht und zirkuliert in Geflügelzuchtbetrieben und Rinderherden. 2020 ist die Zahl der Infektionen bei Vögeln exponentiell angestiegen, parallel dazu nahm auch die Zahl infizierter Säugetierarten zu, darunter Milchkühe. In der Antarktis könnte das Virus nun die fragile Tierwelt massiv bedrohen.