Russische Halbinsel erlebt «Schnee-Apokalypse»
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Häuser und Autos eingeschneit:Russische Halbinsel erlebt «Schnee-Apokalypse»

Notstand ausgerufen – und kein Ende in Sicht
Russische Halbinsel versinkt im Schnee

Die russische Halbinsel Kamtschatka liegt begraben unter meterhohen Schneebergen. In der Hauptstadt wurde ein Notstand ausgerufen. Bewohner sind eingeschneit und warten seit Tagen auf Lebensmittel. Und es stehen noch weitere Schneestürme bevor.
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Die russische Halbinsel Kamtschatka versinkt unter meterhohen Schneemassen.
Foto: IMAGO/SNA

Darum gehts

  • Kamtschatka erlebt Jahrhundertwinter mit meterhohen Schneemassen
  • Eingeschneite Bewohner klettern aus Balkonen, Versorgungsengpässe bei Grundnahrungsmitteln
  • 470'000 Quadratkilometer grosse Halbinsel mit 350'000 Einwohnern und extremem Klima
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Ein Durchkommen gibt es nur noch mit der Schaufel. Meterhoch türmen sich die Schneemassen. Strassen? Fehlanzeige. Unter dem Schnee liegen ganze Strassenzüge begraben, Hochhäuser versinken über mehrere Stockwerke im Schnee, Eingänge und Autos liegen begraben unter Bergen aus Schnee. Die russische Halbinsel Kamtschatka erlebt einen Jahrhundertwinter. Besonders betroffen: Die Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski.

Meteorologen sprechen von den schlimmsten Schneefällen seit 30 Jahren. Innert weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten. Die Region im äussersten Osten Russlands ist in der vergangenen Woche von einem massiven Schneesturm überrollt worden. Verkehr und öffentliches Leben sind lahmgelegt. Zwei Männer kamen in Petropawlowsk-Kamtschatski durch Schneelawinen von Dächern ums Leben. 

Eingeschneite Bewohner klettern aus Balkonen

Videos in den sozialen Medien zeigen, wie Menschen sich mit Schaufeln einen Weg durch die meterhohen Schneeverwehungen bahnen. Schulen haben geschlossen und führen zum Teil Fernunterricht durch. Viele, besonders ältere Menschen sind noch immer komplett eingeschneit, Zugänge sind verschüttet. Videos zeigen Bewohner, die von höhergelegenen Balkonen in die Schneewehen klettern müssen, um überhaupt ins Freie zu gelangen. 

Grund für den Jahrhundertwinter: Ein Zyklon vom Ochotskischen Meer brachte am 13. und 14. Januar enorme Schneemassen in die Region. Bereits seit einem Monat wird die russische Halbinsel immer wieder von starken Zyklonen heimgesucht, der jüngste brachte am 15. Januar weitere Schneemassen. Besonders belastend: Auch in den nächsten Tagen sind Schneestürme angekündigt. 

Tagelang ohne Grundnahrungsmittel

Die Stadtverwaltung hat inzwischen den Notstand ausgerufen. Gouverneur Wladimir Solodow hält am Montag eine Krisensitzung ab – denn die Klagen über Versorgungsengpässe häufen sich. Lieferautos könnten nicht mehr fahren, kleine Läden gingen daher leer aus. 

Menschen berichten in den russischen Medien, dass sie tagelang keine Grundnahrungsmittel mehr bekommen hätten. «Die Geschäfte sind geöffnet, aber Grundnahrungsmittel – Eier, Brot – sind ausverkauft, und bislang gibt es keine neuen Lieferungen», schilderte ein Anwohner der Zeitung «Gazeta».

Durch die spezielle Lage und besonderen geografischen Begebenheiten findet sich Kamtschatka immer wieder Extremen ausgesetzt. Blick erklärt dir, was die Region prägt. 

Gebiet

Im äussersten Osten Russland liegt die Halbinsel Kamtschatka zwischen dem Ochotskischen Meer, dem Pazifik und der Beringsee. Mit einer Fläche von etwa 470'000 Quadratkilometern ist Kamtschatka rund elf Mal grösser als die Schweiz (41'285 Quadratkilometer). Jedoch wohnen nur rund 350'000 Einwohner auf der Halbinsel, die meisten in der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski. 

Geologie

Die russische Halbinsel gehört zu den geologisch aktivsten Regionen der Erde. Zahlreiche Vulkane, dampfende Geysire und heisse Thermalquellen prägen die Landschaft. 160 erloschene und 29 aktive Vulkane liegen auf der Halbinsel. Kamtschatka liegt an einer Plattengrenze, wodurch die Region häufig von starken Erdbeben betroffen ist. So etwa auch im Juli 2025, als ein Seebeben der Stärke 8,8 einen Tsunami auslöste. 

Klima

20 Klimazonen lassen das Klima auf Kamtschatka unberechenbar werden und zwischen zwei Extremen schwanken. In den schneereichen Wintermonaten (Oktober bis Mai) fallen die Temperaturen teilweise unter Minus 35 Grad. Im kurzen Sommer (Juli bis September) klettert das Thermometer hingegen teilweise auf über 30 Grad. 

Heliskiing

Durch die hohen Schneemengen und Vulkangipfel habe sich die russische Halbinsel in den letzten Jahren zum Reiseziel für Extremsportler entwickelt, schreibt das Magazin «National Geographic». Per Helikopter werden Skifahrer zu den Gipfeln der Vulkane geflogen, wo sie sich im unberührten Tiefschnee auf lange Abfahrten stürzen können. Heliskiing sei jedoch nicht ohne Risiko und daher nur für erfahrene Extremsportler empfohlen, so «National Geographic». 2010 kamen zehn Touristen bei einem Heliskiing-Unglück ums Leben. 

Natur

Als grösstenteils unberührte Region mit endlosen Wäldern, Tundren und Gletschern ist Kamtschatka von einer reichen Tierwelt mit Braunbären, Riesenseeadlern und Millionen von Lachsen geprägt. 30 Prozent der Fläche werden von Naturschutzgebieten bedeckt. Sechs Schutzgebiete auf der Halbinsel sind als Unesco-Naturerbe unter dem Namen «Vulkane Kamtschatkas» zusammengefasst.

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