Darum gehts
- Tillis bereut Hegseths Bestätigung und fordert Rücktritt.
- Viele Republikaner schweigen laut ihm aus Primary-Angst.
- Iran-Krieg und Midterms könnten Trumps Kontrolle über die Republikaner testen.
Es ist herbe Kritik, die aus dem konservativen Mainstream in der Partei von US-Präsident Donald Trump (80) kommt. Thom Tillis (66) stimmte im Januar 2025 für die Bestätigung von Trumps Kriegsminister Pete Hegseth (46). Heute bezeichnet der republikanische Senator aus dem Bundesstaat North Carolina diese Entscheidung in seinem neuen Buch «How to Lose Friends and Antagonize Presidents» (zu Deutsch: «Wie man Freunde verliert und Präsidenten gegen sich aufbringt») als seinen grössten politischen Fehler und verlangt Hegseths Rücktritt.
Hier rechnet nicht irgendwer mit der Trump-Administration ab. Bei Hegseth war die Bestätigung denkbar knapp, auch dank Tillis' Stimme ist der frühere Moderator überhaupt im Amt. Sein Zerwürfnis mit Trump und dessen Personal legt den aussenpolitischen Konflikt innerhalb der Republikanischen Partei offen.
Zoff mit Trump wegen «One Big Beautiful Bill»
Tillis' Zweifel an Hegseth wuchsen schnell. Im Juli 2025 bezeichnete der frühere IBM-Manager den Verteidigungsminister als «überfordert», was die Leitung einer grossen Organisation anging, später warf er ihm impulsive Entscheidungen und die Verdrängung erfahrener Militärs vor. Hegseth umgebe sich nur noch mit «Ja-Sagern», ätzte der frühere Speaker des Repräsentantenhauses.
Parallel kam es auch mit Trump zum Bruch. Tillis lehnte Trumps «One Big Beautiful Bill» ab, ein zentrales Gesetzesvorhaben des US-Präsidenten. Trump drohte daraufhin, einen Konkurrenten in einer parteiinternen Vorwahl zu unterstützen. Kurz darauf erklärte Tillis, nicht mehr anzutreten.
Jetzt, wo er nicht mehr an den Mechanismus der politischen Disziplinierung gebunden ist, kann Tillis frei reden. Er behauptet laut Auszügen aus seinem Buch, mindestens 30 weitere Republikaner zu kennen, die privat Vorbehalte gegen Trump geäussert hätten, öffentlich aber freundlich über ihn sprechen würden.
In einem am Wochenende veröffentlichten Interview mit CBS beschreibt Tillis den Mechanismus ebenfalls ziemlich unverblümt: Republikanische Senatoren wissen, dass Trump sie in der parteiinternen Primary angreifen kann. Deshalb schweigen sie – und ziehen bei Trumps Kurs mit. Es gebe einige, die den Druck des Präsidenten nicht ertragen wollten, so Tillis.
Iran-Krieg macht aussenpolitische Bruchlinie sichtbar
Die Aussagen deuten darauf hin, dass die wesentliche Trennlinie innerhalb der Partei nicht zwischen Befürwortern und Gegnern Trumps verläuft. Öffentlich äussern sich fast alle Abgeordneten loyal. Der entscheidende Unterschied liegt vielmehr in der eigenen Wiederwahlperspektive: Abgeordnete, die auf die Unterstützung der Maga-Basis angewiesen sind, vermeiden öffentlichen Widerspruch, während Politiker ohne erneute Kandidatur unabhängiger agieren können.
Tillis ist selbst ein Musterbeispiel dafür: Solange seine Wiederwahl auf dem Spiel stand, balancierte er. Jetzt, wo er nicht mehr kandidiert, spricht er offen.
Tillis entstammt dem klassischen konservativen Mainstream der Republikaner: Waffenrechte, Abtreibungsgegnerschaft, kleiner Staat, Haushaltsdisziplin. Trump hat diese Positionen nicht aus der Partei verdrängt. Aber er hat ein neues, oft wichtigeres Kriterium etabliert: persönliche Loyalität. Dazu kommen «America First», Protektionismus, eine starke Exekutive und der Maga-Kulturkampf.
Am Iran-Konflikt zeigen sich unterschiedliche Positionen innerhalb der Republikaner. Ende September stimmte Tillis zusammen mit den Senatoren Susan Collins (73), Lisa Murkowski (69) und Rand Paul (63) sowie der demokratischen Fraktion für eine Begrenzung von Trumps Kriegsvollmachten. Zeitgleich fordern republikanische Abgeordnete in umkämpften Wahlkreisen ein rasches Ende des militärischen Engagements. Die Vorbehalte gegen den aussenpolitischen Kurs kommen dabei aus verschiedenen Flügeln der Partei.
«Blutbad» bei den Midterms?
«America First» hat die alte republikanische Aussenpolitik zwar verdrängt – aber noch keine neue geschaffen. Das führt zu erheblichen Spannungen – und Pete Hegseth sitzt genau auf der Bruchlinie.
Die Republikaner sind also womöglich weniger geschlossen, als sie aussehen. Doch das ist kein Zeichen dafür, dass Trump die Kontrolle über seine Partei verliert. Im Gegenteil: Dass viele Kritiker erst dann offen widersprechen, wenn sie keine Vorwahl mehr fürchten müssen, zeigt, wie fest sein Griff auf die Partei weiterhin ist.
Der Iran-Krieg und ein von Tillis prognostiziertes «Blutbad» bei den Midterms könnten dieses Machtgefüge allerdings ins Wanken bringen. Verlieren die Republikaner deutlich, stellt sich für viele von ihnen eine neue Frage: Ist Widerspruch gegen Trump für die politische Karriere tatsächlich gefährlicher als bedingungslose Loyalität?