Hier wird eine Geran-2-Drohne abgeschossen
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Video zeigt:Hier wird eine Geran-2-Drohne abgeschossen

Neue Geran-Varianten
Wie Russland seine Angriffsdrohnen tödlicher macht

Russlands Drohnenentwicklung schreitet voran: Geran-4 und Geran-5 sind schneller, bewaffnet und vernetzt. Sie bedrohen ukrainische Helikopter und Flugzeuge und erschweren die Luftverteidigung durch ihre strategisch ausgeklügelte Technologie.
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Drohnen sind eine der effektivsten Waffen der Russen im Krieg gegen die Ukraine.
Foto: x

Darum gehts

  • Russland setzt modernisierte Geran-Drohnen gezielt gegen ukrainische Flugzeuge und Helikopter ein
  • Geran-4 und Geran-5 erreichen bis 500 Stundenkilometer bzw. 1000 Kilometer Reichweite
  • Geran-Drohnen nutzen Mesh-Modems, erschweren Abwehr durch vernetzte Steuerung und Datenübertragung
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Daniel MacherRedaktor News

Russlands Drohnenkrieg gegen die Ukraine entwickelt sich rasant weiter. Während frühere Modelle schon bekannt sind, bereiten nun neue Geran-Varianten Sorge. Sie sind schneller, grösser – und zunehmend auch gegen Flugzeuge und Helikopter gerichtet. Über die Geran-2- und Geran-3-Drohnen hat Blick bereits ausführlich berichtet. Ein kurzer Rückblick:

Die Geran-2 basiert auf der iranischen Shahed-136 und bildet seit Langem das Rückgrat der russischen Drohnenangriffe. Sie wird von einem Propeller angetrieben und trägt einen Sprengkopf von bis zu 90 Kilogramm. Mit etwa 180 Kilometern pro Stunde ist sie aber vergleichsweise langsam. Von Helikoptern aus können die Ukrainer sie mit Maschinengewehren oder Kanonen abschiessen, wie ein Video auf X zeigt. Die Geran-3 war der erste Technologiesprung: Jet-Antrieb, höhere Geschwindigkeit und grössere Reichweite.

Gefährliches Massenprodukt

Ihr Zweck ist klar: Russland setzt sie in grossen Stückzahlen ein, oft in Schwärmen, um die ukrainische Luftabwehr zu überlasten und teure Abfangraketen gegen billige Drohnen zu erzwingen. Mit ihren Schwärmen zwingen Geran-2 und Geran-3 ukrainische Flugabwehrsysteme wie die S-300 oder Osa-Panzerung, permanent einsatzbereit zu sein – ein strategischer Effekt, der weit über die reine Sprengkraft hinausgeht.

Einzelne Hinweise deuten zudem darauf hin, dass Russland bereits bei der Geran-2 mit zusätzlicher Bewaffnung experimentiert haben könnte. In sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen von Geran-2-Drohnen, die offenbar Luft-Luft-Raketen vom Typ R-60 sowie Infrarot-Scheinwerfer trugen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Beobachter vermuten, dass solche Systeme dazu dienen könnten, ukrainische Helikopter beim Abschuss der Drohnen zu bedrohen.

Die Geran-2-Drohne

Geran-4 – die bewaffnete Jagddrohne

Die Geran-4 markiert dennoch eine neue Qualität im russischen Drohnenprogramm. Sie ist jetgetrieben, erreicht Geschwindigkeiten von 350 bis 500 Stundenkilometern und gilt als erste bekannte Jet-Drohne, die gezielt mit Luft-Luft-Raketen vom Typ R-60 eingesetzt wird. (Luft-Luft-Raketen sind lenkbare Waffen für den Luftkampf: Sie werden von Flugzeugen abgefeuert und sind darauf ausgelegt, andere Flugziele in der Luft zu treffen.)

Eine solche Drohne wurde kürzlich von der Ukraine abgeschossen. Fotos zeigen eindeutig den Lufteinlass des Triebwerks sowie die Raketenmontage unter dem Rumpf.

Die R-60 ist eine Kurzstreckenrakete mit Infrarot-Suchkopf und einer Reichweite von sieben bis acht Kilometern. Der Bediener muss das Ziel per Kamera erfassen und die Rakete gezielt abschiessen. Damit geraten Helikopter, Transportflugzeuge und sogar Kampfflugzeuge ins Visier – also genau jene Systeme, die bislang zur Drohnenabwehr eingesetzt wurden. Die Geran-4 kann ihre Geschwindigkeit nutzen, um sich Helikoptern aktiv zu nähern, ihnen auszuweichen und aus günstiger Position zuzuschlagen.

Geran-Drohnen – gesichert vs. vermutet

Gesichert

Geran-2: Propellerdrohne auf Basis der Shahed-136, massenhaft im Einsatz.
Geran-3: Jet-Antrieb, deutlich schneller als Geran-2.
Geran-4: Jetgetriebene Drohne, nachweislich mit R-60-Luft-Luft-Raketen ausgerüstet.
R-60: Infrarotgelenkte Kurzstreckenrakete mit bis zu 8 km Reichweite.
Vernetzung: Geran-Drohnen werden zunehmend über Mesh-Modems vernetzt.

Vermutet

Einzelne Geran-2 könnten testweise mit R-60-Raketen und Infrarot-Scheinwerfern ausgerüstet worden sein.
Ob diese Variante regulär eingesetzt wird, ist nicht bestätigt.

Geran-3-Drohne
Defense Express)

Gesichert

Geran-2: Propellerdrohne auf Basis der Shahed-136, massenhaft im Einsatz.
Geran-3: Jet-Antrieb, deutlich schneller als Geran-2.
Geran-4: Jetgetriebene Drohne, nachweislich mit R-60-Luft-Luft-Raketen ausgerüstet.
R-60: Infrarotgelenkte Kurzstreckenrakete mit bis zu 8 km Reichweite.
Vernetzung: Geran-Drohnen werden zunehmend über Mesh-Modems vernetzt.

Vermutet

Einzelne Geran-2 könnten testweise mit R-60-Raketen und Infrarot-Scheinwerfern ausgerüstet worden sein.
Ob diese Variante regulär eingesetzt wird, ist nicht bestätigt.

Geran-5 – grösser, weiter, vielseitiger

Die Geran-5 ist die bislang grösste bekannte Variante. Rund sechs Meter lang, mit einem leistungsstarken Turbojet ausgestattet, kann sie bis zu 1000 Kilometer weit fliegen. Damit lässt sie sich tief aus dem russischen Hinterland starten und kann nahezu jeden Punkt der Ukraine erreichen.

Experten sehen in der Geran-5 keine reine Kamikaze-Drohne mehr, sondern eine flexible Plattform: mehr Treibstoff, grössere Nutzlast sowie Platz für zusätzliche Sensoren oder Bewaffnung. Mögliche Einsatzszenarien reichen von gezielten Angriffen auf kritische Infrastruktur bis hin zu Attacken auf bewegliche militärische Ziele. Die grosse Reichweite erschwert es der ukrainischen Luftabwehr zusätzlich, Startorte vorherzusehen oder rechtzeitig zu reagieren.

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Vernetzte Drohnen – die stille Eskalation

Unabhängig vom Modell treibt Russland die Vernetzung seiner Drohnen voran. Trümmerfunde deuten darauf hin, dass Geran-Drohnen mit sogenannten Mesh-Modems ausgestattet werden. Jede Drohne kann dabei Steuerbefehle und Videodaten weiterleiten – es entsteht eine fliegende Funkkette.

Dadurch können die Drohnen auch bei gestörter Funkverbindung operieren, über Zielgebieten kreisen und bewegliche Ziele angreifen. Solche Waffen machen es ukrainischen Luftverteidigern besonders schwer, Angriffe frühzeitig zu erkennen oder zuverlässig abzuwehren.

Während Geran-2 und Geran-3 lange als bekannte Massenwaffen galten, deuten neue Hinweise darauf hin, dass Russland bereits bei diesen Modellen mit zusätzlicher Bewaffnung experimentierte. Mit Geran-4 und Geran-5 erreicht diese Entwicklung nun jedoch eine neue Stufe: schneller, bewaffnet, vernetzt – und zunehmend gezielt gegen ukrainische Helikopter und Flugzeuge gerichtet.

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