Darum gehts
- Sieben Cornell-Studenten sollen Jane Doe vergewaltigt haben
- Sie berichtet von Drogen an einer Chi-Phi-Party
- Nach Kritik am Uni-System prüft New York den Fall neu
Ein Fall aus den USA sorgt seit Tagen für Schlagzeilen – sowohl in den Onlineportalen dieser Welt als auch in den sozialen Medien. Sieben Studenten der Cornell University in New York werden beschuldigt, 2024 eine Kommilitonin vergewaltigt zu haben.
Der Fall wirft nicht nur Fragen über die Ereignisse selbst auf, sondern auch über das System, das sich mit solchen Verbrechen auseinandersetzt.
Jetzt geraten Studentenverbindungen ins Visier
Durch den Fall geraten nun auch Studentenverbindungen ins Visier. Die mutmasslichen Täter sollen der Chi-Phi-Bruderschaft angehört haben. Alles begann im Oktober 2024. Das Opfer, damals 20 Jahre alt, geht zu einer Party der Bruderschaft.
Laut Klage setzten die Täter sie mit Alkohol, Ketamin und Cannabis ausser Gefecht. Danach sollen mehrere Studenten die Frau stundenlang sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Insgesamt nennt die Studentin sieben Namen.
Die junge Frau schilderte die mutmassliche Vergewaltigung ausführlich in einer 120-seitigen Aussage vor der Campus-Polizei. Die Behörden reichten jedoch nur eine stark gekürzte, sechsseitige Zusammenfassung an die Staatsanwaltschaft weiter – in der das Wort «Vergewaltigung» fehlte.
So funktioniert das System
Das System, das an amerikanischen Universitäten solche Fälle verwaltet, steht nun massiv in der Kritik. US-Unis sind dazu verpflichtet, eigene interne Ermittlungen bei sexueller Belästigung einzuleiten. Kritiker werfen dem System jedoch schon länger vor, dass Übergriffe oft lediglich administrativ behandelt werden.
Zudem unterscheidet sich das universitäre Verfahren von der Strafverfolgung. Bei der aktuellen Klage handelt es sich um eine Zivilklage auf Schadenersatz. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren kann hingegen nur von der Staatsanwaltschaft und der lokalen Polizei eingeleitet werden.
Unis stehen massiv in der Kritik
Als die Studentin den Vorfall im November 2024 bei der Campus-Polizei anzeigte, wurden die Ermittlungsergebnisse an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die Staatsanwaltschaft lehnte es damals jedoch ab, Anklage zu erheben. Als Begründung wurden Unstimmigkeiten in den Zeugenaussagen sowie das Fehlen von Nachweisen für «physische Gewaltanwendung» genannt.
Weiter sollen die Universitätsmitarbeiter Befragungen unsachgemäss – teils während Autofahrten – durchgeführt haben und versäumten es offenbar, forensisch wichtige Fragen zur Einwilligungsfähigkeit unter Drogen- und Alkoholeinfluss zu stellen.
Umfrage lässt Böses erahnen
Mittlerweile wird der Fall neu aufgerollt. Die Generalstaatsanwältin von New York hat die Ermittlungen übernommen und prüft den Fall neu.
Der Fall hat die Diskussion über den Umgang mit sexueller Gewalt in Studentenverbindungen erneut angestossen. Seit Jahren gibt es immer wieder Demonstrationen gegen das entsprechende Gesetz und es wird ein besserer Schutz für Studentinnen gefordert. Laut einer Befragung der Cornell University gaben über 35 Prozent der Studentinnen an, bereits unaufgeforderte sexuelle Kontakte unter Anwendung von Gewalt, Drohung oder Ausnutzung erlebt zu haben.
Dieser Artikel ist zuerst auf Onet.pl erschienen. Die polnische Nachrichtenplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.