Der Fall «Jane Doe»
Fakultät stösst Misstrauensvotum gegen Uni-Leitung an

An der Cornell University in den USA wächst der Druck auf die Führung: Nach den Vergewaltigungsvorwürfen einer Studentin gegen sieben Kommilitonen und einer Zivilklage steht nun ein Misstrauensvotum der Fakultät wegen des Umgangs mit dem Fall an.
Kommentieren
1/5
Der Fall «Jane Doe»: Proteste erhöhen den Druck auf die Universitätsleitung. Der Fakultätssenat eröffnet ein Misstrauensvotum.
Foto: Spencer Platt

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 2024 wirft Jane Doe sieben Cornell-Studenten Vergewaltigung vor.
  • Die Staatsanwaltschaft sah 2024 zu wenig Beweise.
  • Nun droht der Universitätsleitung ein Misstrauensvotum.
Pauline_Bouillon_Redaktorin News _Blick_3.jpg
Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Es ist einer der aufsehenerregendsten Justizskandale an US-Elite-Universitäten: Eine Studentin wird mutmasslich von sieben Kommilitonen vergewaltigt – doch Behörden und Uni wiegeln ab. Jetzt bringt der Fall «Jane Doe» die Cornell-Führung ins Wanken: Die Fakultät fordert per Misstrauensvotum den Rücktritt der Uni-Spitze. Blick fasst die Ereignisse zusammen.

Hintergründe zum Fall

19. Oktober 2024 – Die Horror-Nacht: Jane Doe, so das Pseudonym des mutmasslichen Opfers, geht zu einer Party der Chi-Phi-Bruderschaft. Laut Klage setzen die Täter sie mit Alkohol, Ketamin und Cannabis ausser Gefecht. Danach sollen mehrere Studenten die Frau stundenlang sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Insgesamt nennt sie sieben Namen.

In einem Snapchat-Chat soll währenddessen eine Nachricht gefallen sein, die weitere Mitglieder aufforderte, zu kommen. Ausserdem wurde ein Foto von Doe in den Gruppenchat geschickt. Die Klage enthält Screenshots dieses Chats.

Nach dem Vorfall

21. Oktober 2024 – Die Entschuldigung: Ein mutmasslicher Täter schreibt Doe per Messenger: «Wollte mich nur entschuldigen, wie alles letzte Nacht lief.» Einen Tag später geht Doe zum Universitätsarzt. Sie hat sich einen Harnwegsinfekt zugezogen.

November 2024 – Die Anzeige: Doe stellt klar, dass 90 Prozent der Handlungen gegen ihren Willen geschahen, und geht zur Campus-Polizei. Die Befragung findet weitere zehn Tage später statt.

Warum gab es zunächst keine Anklage?

In der Befragung der Campus-Polizei gibt Doe laut CBS an, hart geschlagen worden zu sein. Sie betont: «Ich kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass ich vergewaltigt wurde.»

Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten stellt das Verfahren 2024 ein – angebliche Beweisnot. Später erklärt er: Entscheidende Chat-Protokolle und Interview-Transkripte lagen seiner Behörde gar nie vor.

Doe habe in ihrer Aussage nicht erwähnt, unter Drogen gesetzt oder von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein. Neu veröffentlichte Berichte zeichnen ein anderes Bild. Doe gab an, unter dem extremen Einfluss von Substanzen gewesen zu sein. Sie habe sich unwohl gefühlt und keine klaren Entscheide mehr fällen können.

Cornells Reaktion

Cornell suspendiert das Chi-Phi-Chapter und die sieben beschuldigten Studenten vorläufig. Anschliessend untersucht die Universität die Vorwürfe in einem Verfahren mit 50 Interviews und 32 Zeugen. Daraufhin verhängt sie unterschiedliche Sanktionen, darunter Ausschlüsse und mehrsemestrige Suspendierungen. Auch Chi Phi schliesst die Beschuldigten aus der Bruderschaft aus.

Der Fall eskaliert

September 2026 – Doe gibt nicht auf: Sie zieht vor ein Zivilgericht. Der Druck wird riesig, die Vorwürfe schlagen international Wellen. Unter dem Slogan «I am Jane Doe» rollt eine weltweite Protestwelle durch die sozialen Medien. Der Slogan macht klar: Sexuelle Gewalt kann jeden treffen.

Der Fakultätssenat zieht mit dem Misstrauensvotum die Reissleine. Dabei geht es vor allem um den Umgang der Universität mit dem Fall und die Frage, ob sie ausreichend transparent und korrekt gehandelt hat.

Das Misstrauensvotum richtet sich gegen die Universitätsleitung, nicht gegen die sieben beschuldigten Studenten. Eine strafrechtliche Schuld der Beschuldigten ist bislang nicht gerichtlich festgestellt.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen