Nach Trumps Vorstoss
Selenski bereit für Waffenruhe – Putin hält sich bedeckt

Eine von Donald Trump initiierte Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine soll bis 1. Februar gelten. Russland hält sich bedeckt, während Kiew Bereitschaft für eine Pause signalisiert. Verhandlungen in Abu Dhabi sollen am Sonntag fortgesetzt werden.
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Kremlsprecher Peskow bestätigte die Forderung nach einem Waffenstillstand, äusserte sich jedoch nicht zu Putins Reaktion.
Foto: MAXIM SHIPENKOV

Darum gehts

  • Trump bittet Putin um Waffenruhe bis 1. Februar für Gespräche
  • Putin reagierte nicht öffentlich, Kremlsprecher Peskow bestätigte Trumps Anfrage
  • Millionen Ukrainer leiden seit Wochen ohne Strom und Heizung
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Russland hält sich öffentlich zurück, ob es auf die Bitte von US-Präsident Donald Trump (79) um eine einwöchige Waffenruhe mit der Ukraine eingeht. Kremlsprecher Dmitri Peskow (58) bestätigte die Anfrage Trumps, äusserte sich jedoch nicht zu Putins Reaktion.

«Tatsächlich hat sich Präsident Trump mit einer persönlichen Bitte an Präsident Putin gewandt, für eine Woche bis 1. Februar auf Angriffe auf Kiew zu verzichten, um günstige Bedingungen für Gespräche zu schaffen», sagte Peskow der Nachrichtenagentur Interfax. 

Auf Nachfrage, ob Putin zugestimmt habe, antwortete Peskow: «Das versteht sich, es war eine persönliche Bitte von Präsident Trump.» Das geht aus einem von Westi des Staatsfernsehens in Moskau veröffentlichten Mitschnitt hervor.

Auch die Ukraine zeigt sich zu einer begrenzten Pause bereit: Präsident Wolodimir Selenski (48) sagte, ukrainische Angriffe auf russische Ziele würden eingestellt, solange Russland keine Energieanlagen angreift. Er betonte jedoch, dass direkte Gespräche mit Putin in Moskau derzeit unmöglich seien, und lud den russischen Präsidenten allenfalls nach Kiew ein, sollte dieser zustimmen.

Erste Nacht in Kiew blieb ruhig

Trump selbst hatte am Donnerstag erklärt, er habe Putin «persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kiew und die anderen Städte zu schiessen. Und er hat dem zugestimmt, und ich muss Ihnen sagen, das war sehr nett.» Weder Moskau noch Trump gaben jedoch bekannt, ab wann genau die Waffen schweigen sollen.

Die Nacht nach Trumps Ankündigung blieb zunächst ruhig, keine russischen Drohnen oder Explosionen wurden in Kiew gemeldet, wie «Bild» berichtet. Für die rund drei Millionen Einwohner der Hauptstadt war das eine Atempause – und ein Schimmer Hoffnung.

Ukrainer frieren bei Minusgraden

Die Lage in Kiew bleibt prekär: Russische Angriffe auf Wohnhäuser, Wärmekraftwerke und Stromversorgung setzen die Bevölkerung bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad extremer Kälte aus. Mehr als 450 Wohnblöcke sind aktuell ohne Fernwärme, im besonders betroffenen Stadtteil Trojeschtschyna konnten zwar 100 Häuser wieder an die Wärmeversorgung angeschlossen werden, doch die meisten Häuser bleiben ungeheizt.

Auch die Wasserversorgung fällt immer wieder aus. Beobachter warnen vor dem härtesten Kriegswinter für die Ukraine. Deutschland stockte seine Winterhilfe angesichts der russischen Angriffe auf Strom- und Wärmeinfrastruktur um 15 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro auf.

Verhandlungen für Sonntag geplant

Die Initiative für die Waffenruhe kam laut Selenski von den USA, ein direkter Kontakt zwischen Moskau und Kiew fand bislang nicht statt. In der Vergangenheit hatte der Kreml immer wieder Hoffnungen auf ein Kriegsende geweckt, griff dann aber weiter an. Erst im Januar setzte Russland mehrfach die neue, atomwaffenfähige Hyperschallrakete Oreschnik ein, unter anderem in der Westukraine – eine klare Warnung an die Nato-Staaten.

Allein am Dienstag und Mittwoch starben durch russische Angriffe in Kiew 16 Menschen, sechs weitere kamen bei einem Drohnenangriff auf einen Passagierzug in Charkiw ums Leben.

Die Fortsetzung der von Washington vermittelten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi ist für Sonntag geplant, wobei Datum und Ort noch Änderungen unterliegen können. Millionen Menschen in der Ukraine müssen weiter unter den Angriffen ohne Strom und Heizung ausharren.

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