Horror-General soll Hauptstadt kalt stellen
Mit diesen Kriegsverbrechen will Putin den Kiew-Kollaps erzwingen

Nicht mal mehr die Präsenz von westlichen Politikern schreckt Putin vor Terrorattacken auf Kiews Innenstadt ab. Der russische Krieg ist so rücksichtslos wie nie. Dabei setzt Putin offenbar neuerdings wieder auf einen altgedienten Schlächter.
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Bürgermeister Vitali Klitschko bittet jene Bewohner, die Verwandte oder Bekannte ausserhalb der Stadt haben, Kiew temporär zu verlassen.
Foto: AFP

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Samuel Schumacher, Ausland-Reporter Blick
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Vitali Klitschko (55) bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Jetzt aber spricht der einstige Box-Champion und heutige Bürgermeister von Kiew eine ernste Warnung aus:

Wer Freunde und Bekannte ausserhalb der Stadt habe, solle sich überlegen, temporär wegzuziehen. Kiew müsse mit dem Schlimmsten rechnen, sagte Klitschko der Nachrichtenagentur AFP. Der Grund: Wladimir Putin (74) will die Menschen mit einer neuen Taktik zur Massenflucht aus der Stadt bewegen und das gesamte ukrainische System damit zum Erliegen bringen.

Die Methode dazu ist so einfach wie brutal: mehr Angriffe auf immer mehr zivile Ziele, seit Neuem vor allem auch auf die für Kiew überlebenswichtigen Brücken über den teils fast zwei Kilometer breiten Dnjepr-Fluss. Mehrfach in den vergangenen Tagen haben russische Geschosse die Brücken beschädigt. An mehreren Tagen haben die Sirenen und Raketenalarme in Kiew kaum je aufgehört.

«Es ist viel schlimmer als je zuvor», sagt Yevhen Semekhin (41), Journalist und Familienvater in Kiew gegenüber Blick. «Die Dauerangriffe sorgen für massive Stromausfälle. Bald könnten die Wasserpumpen und die ganzen Abwassersysteme nicht mehr funktionieren.»

Weltuntergangs-General auf Kiew angesetzt

Jetzt schon wird in weiten Teilen der einstigen Millionenmetropole für jeweils mehrere Stunden der Strom abgeschaltet – wenn er wegen der Angriffe auf die Umspannwerke nicht sowieso schon wegfällt. Für die Menschen in den oft auch über 20-stöckigen Hochhäusern heisst das: kein fliessendes Wasser, kein Lift, keine Heizung.

Selbst die Rolltreppen in die teils mehr als 100 Meter unter der Erde liegenden U-Bahn-Stationen, in denen jede Nacht Tausende Menschen Schutz vor Putins Terror suchen, stehen still.

Die Ukraine setzt alles daran, dem Kiew-Kollaps entgegenzuwirken. Spezialisten bauen Ponton-Brücken, stellen Dieselgeneratoranlagen auf und richten erste «Unbesiegbarkeitspunkte» ein: geheizte Bunker, in denen sich Schutzsuchende jederzeit aufwärmen und etwas zu essen abholen können.

Den vergangenen, harten Winter hat Kiew auch dank dieser Notfall-Bunker überstanden. Jetzt aber hat Putin laut dem gut informierten britischen Ex-Militär und Kriegsexperten Hamish de Bretton-Gordon (63) einen neuen Mann als obersten Kiew-Zerstörer eingesetzt: «Weltuntergangsgeneral» Sergei Surowikin (59).

Surowikin hatte zu Beginn des Krieges die russischen Streitkräfte in der Ukraine kommandiert, wurde dann degradiert und schliesslich aus nebulösen Gründen verhaftet. 2024 ist er plötzlich in Afrika aufgetaucht und jetzt – laut Bretton-Gordon – zurück in seinem alten Wirkungsfeld. Wie rücksichtslos der mutmassliche Kriegsverbrecher agiert, hatte er vor langer Zeit schon als Befehlshaber im Tschetschenien-Krieg und beim Flächenbombardement der syrischen Stadt Aleppo gezeigt.

Das Konzept Aleppo soll er jetzt also auf Kiew anwenden. In einer Zeit, in der es der Ukraine an den nötigen Abwehrwaffen gegen russische Raketen fehlt. In einer Zeit, in der Russland mit seinen neuen, jetbetriebenen Highspeed-Drohnen jedes Ziel in der Ukraine relativ ungestört ins Visier nehmen und abschiessen kann (die Abschussquote der neuen Geran-5-Drohnen liegt bei rund 50 Prozent).

Dass Russland dabei nicht mal mehr Rücksicht auf diplomatische Gepflogenheiten nimmt, zeigte sich diese Woche, als Putins Raketen-Offiziere selbst dann noch direkt auf Kiews Innenstadt feuerten, als der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (70) mit einer Delegation da auf offener Strasse stand. Ähnlich provokativ waren in den vergangenen Wochen die russischen Angriffe auf Zuglinien in der Westukraine, auf denen kurz zuvor ausländische Würdenträger wie Ex-Briten-Premier Boris Johnson (62) oder die einstige finnische Regierungschefin Sanna Marin (40) unterwegs waren.

Putins unglaubwürdiges Angebot

Putin behauptet nun, er sei bereit, über einen Stopp der Angriffe – mindestens jene auf die Energieversorgung – zu reden, wenn die USA all ihre Russland-Sanktionen aufheben. Natürlich ist es wenig ratsam, den Versprechungen des Kriegsherrn im Kreml nach viereinhalb Jahren Terror gegen die Ukraine auch nur im Geringsten zu trauen. Vor allem, wenn man sich anschaut, was seine Logistik-Abteilung im Hintergrund grad zusammenstellt.

202 Milliarden Dollar will Russland im kommenden Jahr in sein Militär stecken, alleine 12 Milliarden in die Produktion der gefürchteten Jet-Drohnen. Zudem hat Putin (natürlich erst kurz nach den Parlamentswahlen) Ende September ein Dekret unterzeichnet, das eine erneute Vergrösserung der russischen Armee auf neu 2'441'630 Soldaten vorsieht.

Das ist aus seiner Sicht dringend nötig, wenn man sich die aktuellsten Front-Zahlen anschaut. Laut ukrainischen Angaben sind in der Ukraine allein im September 46'230 Russen entweder getötet oder verwundet worden. Zudem hat Russland diese Woche eine seiner prominentesten Kriegsstimmen verloren. Der russische Kriegsblogger Rybar, der wohl einflussreichste Pro-Kriegs-Influencer im Riesenreich, ging den Behörden in Montenegro in die Fänge.

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