Darum gehts
- Der 800 Jahre alte Schädel der heiligen Zdislava wurde in Tschechien gestohlen
- Der Verdächtige goss den Schädel in Beton und wollte ihn versenken
- 2017 stahl ein Mann eine Reliquie mit einem Stück eines Heiligenhirns und versteckte sie in einem Kochtopf
Die katholische Gemeinde im tschechischen Ort Jablonne v Podjestedi steht unter Schock. Aus der Basilika des heiligen Laurentius wurde eine der bedeutendsten Reliquien Europas gestohlen: der fast 800 Jahre alte Schädel der heiligen Zdislava von Lämberg (etwa 1220–1252). Der Dieb ging beim Raub der Reliquie besonders perfide vor.
Am Dienstagabend schlich sich der Mann in die Basilika ein und nutzte die Gelegenheit, dass der Alarm wegen der nahenden Abendmesse ausgeschaltet worden war, berichtet der tschechische Sender CT24. Unbemerkt gelangte der Dieb zur Glasvitrine, in der der Schädel aufbewahrt wurde, und durchschlug innert Sekunden zwei Schichten Schutzglas – vermutlich mit einem kleinen Nothammer, wie lokale Medien berichten. Eine Überwachungskamera filmte die Tat und die anschliessende Flucht des Diebes.
Dieb giesst Schädel in Beton, um ihn im Fluss zu versenken
Am Donnerstag gelang es der Polizei schliesslich, den 35-jährigen Mann festzunehmen. Bei ihm fanden sie auch die wertvolle Reliquie. Der Verdächtige hatte den Schädel in Beton eingegossen und wollte ihn nach Angaben der Polizei in einen Fluss werfen. Laut der Polizei glaubte der Mann, die sterblichen Überreste der Heiligen «würden nicht ihren Frieden finden», wenn sie weiter in der Basilika ausgestellt würden. Experten versuchen nun, den Schädel aus dem Beton zu lösen und seinen Zustand zu überprüfen.
Die heilige Zdislava von Lämberg war eine böhmische Adelige. Im 13. Jahrhundert gründete sie zahlreiche Klöster und Spitäler. 1995 wurde sie vom damaligen Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Der historische Wert des Schädels sei unschätzbar, teilten die Ermittler mit. Durch den Heiligenschädel ist der kleine tschechische Ort Jablonne v Podjestedi ein bedeutender Wallfahrtsort für Pilger.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine bedeutende Reliquie gestohlen wird. Immer wieder kommt es zu makabren Vorfällen auf sakralem Boden.
Gestohlenes Heiligenhirn landet in Kochtopf
Im Juni 2017 wurde aus der Basilika von Castelnuova bei Turin eine Reliquie mit einem Stück des Gehirns des heiligen Johannes Bosco (1815-1888) gestohlen. Bosco war ein italienischer katholischer Priester und Gründer des Salesianerordens. Wie der «Telegraph» berichtete, fanden die Ermittler Fingerabdrücke auf der Rückseite des Altars sowie Schuhabdrücke rund um die Glasvitrine, in der die Reliquie aufbewahrt worden war.
Die Spur führte die Polizei zu einem 42-jährigen Mann. In seiner Wohnung in Pinerolo, nördlich von Turin, fanden sie schliesslich die Reliquie – versteckt in einem Kupferkessel. Glücklicherweise war das wertvolle Heiligenstück unversehrt. Der Mann gestand den Ermittlern, dass er geglaubt habe, die Reliquie sei aus Gold und könne gewinnbringend verkauft werden.
800 Jahre alte Mumie geköpft
Ein besonders makabrer Diebstahl ereignete sich im Februar 2019 in der St.-Michan-Kirche in Dublin. Wie «The Irish Times» berichtete, wurden die Krypten der Kirche damals auf groteske Weise verwüstet. Die schwere Stahltür der Krypta war aufgebrochen, einer der Särge geöffnet worden. Dabei entfernten die unbekannten Vandalen den Kopf einer 800 Jahre alten Mumie eines Kreuzritters und stahlen ihn. Der Kopf einer 300 Jahre alten Mumie einer Nonne wurde um 180 Grad gedreht, eine weitere Mumie auf die Seite geworfen.
Schon 1996 waren die Krypten der St.-Michan-Kirche geschändet worden. Jugendliche waren damals eingedrungen und hatten mit Schädeln von Skeletten Fussball gespielt, erzählte Erzdiakon David Pierpoint der «Irish Times».
21 Schädel aus Kirchenkrypta gestohlen
Diese Diebe schienen sich ihre eigene makabre Sammlung aufbauen zu wollen. Im Juli 2018 brachen Unbekannte in die Krypta der St. Leonard's-Kirche im britischen Kent ein. Dort ist die vermutlich grösste Sammlung von Schädeln in ganz Grossbritannien erhalten, berichtete die BBC. Die über 1000 Schädel sind um die 700 Jahre alt und stammen von den Einwohnern des Ortes, die dort im 13. Jahrhundert begraben wurden. Unbemerkt gelang es den Dieben jedoch, 21 Schädel aus der Gruft zu entwenden. Pfarrer Andrew Sweeney bezeichnete das Verbrechen gegenüber dem Sender als «schockierend und beunruhigend».