Darum gehts
- Ein Erdrutsch in Niscemi, Sizilien, isoliert die Stadt seit Sonntag
- Die Klippe am Stadtrand misst vier Kilometer und 40 Meter Höhe
- 1500 Personen evakuiert, weitere 300 könnten laut Behörden folgen
Der Alptraum nimmt für die Bewohnerinnen und Bewohner von Niscemi kein Ende. Am Sonntag lösen die starken Unwetter der letzten Tage in der sizilianischen Stadt einen Erdrutsch aus. Die furchteinflössende Klippe, die daraus entstand, schneidet die Stadt und ihre 30'000 Bewohner fast vollständig von der Aussenwelt ab, berichtet die Nachrichtenagentur «Ansa».
Seit dem ersten Abrutschen am Sonntag hat sich die Lage der Stadt deutlich verschlimmert. Weitere Erdrutsche am Montag und Dienstag haben die Höhe und Länge der Abbruchkante drastisch erweitert. Mittlerweile ist die Klippe am Stadtrand vier Kilometer lang und teilweise über 40 Meter hoch!
Bewohner können «nie wieder» zurückkehren
Bisher wurden 1500 Personen aus der Gefahrenzone evakuiert. Weitere werden folgen, ist sich der Leiter des sizilianischen Katastrophenschutzes sicher. «Mit jedem weiteren Erdrutsch erreicht die Erdrutschfront die Stadt, und es wird immer wichtiger, die Zahl der Evakuierten zu erhöhen», sagt er gegenüber «Ansa». Der Einsturz der Häuser an der Klippe, die teilweise schon jetzt deutlich über der Kante hängen, sei unausweichlich. «Wenn sich das Haus auf dem Erdrutsch befindet, können die Bewohner nicht nur nicht zurückkehren, sondern nie wieder.»
Auch die Lokalzeitung «Giornale di Sicilia» berichtet, dass die Häuser in der Gefahrenzone wahrscheinlich nicht mehr zu retten sind. Grund dafür ist, dass die Erdwand am Stadtrand ihr Gleichgewicht noch nicht gefunden hat. «Der Winkel der Wand kann der gegenwärtigen Neigung nicht standhalten», erklärt ein Geologe der Lokalzeitung. «Das bedeutet, dass der Erdrutsch unaufhaltsam weiter vorrücken und die Gebäude gefährden wird, bis er ein Gleichgewicht erreicht.»
Situation konstant überwacht
Noch ist unklar, wo die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Gebäude in Zukunft wohnen sollen. Aktuell finden viele von ihnen Unterschlupf bei Verwandten oder in der städtischen Turnhalle. «Es muss ein Plan für die dauerhafte Umsiedlung der Bewohner entwickelt werden», sagt der Leiter des Katastrophenschutzes dem «Giornale di Sicilia».
Die Situation in Niscemi wird aktuell konstant von den Behörden beobachtet und neu evaluiert. Unter anderem werden mehrere Drohnen zur Überwachung der Erdrutschfront eingesetzt. «Wir werden entscheiden, ob wir die bestehende rote Zone ausweiten oder beibehalten und gegebenenfalls weitere 300 Personen evakuieren», sagt der Bürgermeister der Stadt am Dienstagmorgen.