Hungerkrise im Land – Machthaber gibt Misserfolge seiner Regierung zu
Kim Jong Un kritisiert «leere Rhetorik» seines Regimes

Beim Besuch eines Milchviehbetriebs wählt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un überraschend selbstreflexive Töne. Er spricht angesichts der Wirtschaftslage und Hungerkrise in seinem Land von leeren Parolen seines Regimes. Zugleich präsentiert er sich als Innovator.
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Machthaber Kim Jong Un bei der Eröffnung eines Milchviehbetriebs im ländlichen Nordwesten Nordkoreas.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Kim Jong Un spricht beim Besuch eines Milchviehbetriebs über Missstände seines Regimes.
  • Nordkorea kämpft mit Hungerkrise, jeder Zweite ist unterernährt.
  • Präsentiert die Vision einer nationalen und innovativen Viehwirtschaft.
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Kim Jong Un (42) streichelt Kälbli, füttert Geissen und probiert Joghurt. Bei der Eröffnung eines neuen Milchviehbetriebs im ländlichen Nordwesten Nordkoreas präsentiert sich der nordkoreanische Machthaber als volksnah mit der ländlichen Bevölkerung und auf Augenhöhe mit der landwirtschaftlichen Arbeit.

Vor dem Hintergrund der katastrophalen Hungerkrise in Nordkorea wirken die Fotos stark von Propaganda geprägt. Hinzu kommt: Kim Jong Un wählte in einer Rede während des Besuchs auffallend selbstreflexive Worte, um die Rolle des kümmernden Staatsoberhaupts zu unterstreichen. Er räumt Versäumnisse seiner eigenen Regierung ein und stellt Pläne vor, wie die nordkoreanische Bevölkerung mit Fleisch- und Milchprodukten versorgt werden soll.

Kim Jong Un plant nationale Viehwirtschaft

In seiner Rede präsentierte Kim Jong Un seine Vision einer nationalen Viehwirtschaft. Das Ziel: Die ganze Bevölkerung soll stets mit verarbeiteten Fleisch- und Milchprodukten versorgt werden.

Ein Bericht der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zeigte 2021: Nordkorea schien Schätzungen zufolge rund 860'000 Tonnen Nahrungsmittel zu fehlen – damit Nahrungsmittel für zwei Monate.

Seither hat sich nicht viel verändert – im Gegenteil, die prekäre Versorgungslage hat sich noch mehr zugespitzt. Bereits im Sommer 2023 war die Versorgung der nordkoreanischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aufgrund wetterbedingter Ernteausfälle und jahrelanger Isolation durch die Corona-Massnahmen so prekär, dass Experten die Lage mit der bisher schwersten Hungersnot des Landes in den 1990ern verglichen, heisst es in einem Bericht der Hilfsorganisation Welthungerhilfe.

Kritik an «leerer Rhetorik» seiner Regierung

Wie Uno-Zahlen aus dem März 2025 zeigen, ist bereits jeder zweite Mensch in Nordkorea mangel- oder unterernährt. Kim Jong Un hat nun seinen Ton verändert. Er räumt verstärkt Missstände in der eigenen Regierung ein. Während seines Besuchs des Milchviehbetriebs spricht er über die schlechte Wirtschaftslage des Landes, die grösstenteils auf «leere Rhetorik» und Parolen seines Regimes zurückzuführen sei. Es habe keine Taten gegeben, betont er.

Dass Kim Jong Un wirtschaftliche Fehlschläge zugibt, ist nicht neu. So wetterte er etwa 2021 gegen seine Regierung und warf seiner Partei einen Mangel an Innovation bei der Ausarbeitung des Fünf-Jahres-Plans für die Wirtschaft vor. Experten sehen darin auch eine Strategie des selbstreflexiven Auftretens und des Selbstvertrauens, etwas ändern zu können.

Vision einer innovativen Entwicklung

Kim Jong Un präsentiert sich bei seinem Besuch auf der Farm auch als Innovator.

Die Lage in Nordkorea ist weiterhin prekär. Zwar sind nach der Corona-Krise die Grenzen zu China wieder geöffnet, doch die Importe liegen unter denen vor 2019. Hinzu kommen zahlreiche auferlegte Sanktionen. Auch die neue Partnerschaft mit Russland garantiert Nordkorea keine Versorgungssicherheit. Zusätzlich lehnt Nordkorea Hilfsangebote aus dem Kreml immer wieder ab, mit der Aussage, dass sich das Land allein aus der Krise befreien könne.

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