Mehrere Explosionen in der iranischen Hauptstadt Teheran
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Video zeigt riesige Rauchwolke:Mehrere Explosionen in Teheran

Geopolitik-Experte Klemens Fischer zur Iran-Eskalation
«Angriff musste erfolgen, ansonsten hätten die USA ihr Gesicht verloren»

Die Situation im Nahen Osten ist nach wochenlangen Spannungen eskaliert. Geopolitik-Experte Klemens Fischer erklärt, wie es dazu kam, unter welchen Bedingungen mit US-Angriffen auf iranische Atomanlagen zu rechnen ist und was die Situation für Europa bedeutet.
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Klemens Fischer ist Geopolitik-Experte an der Universität in Köln.
Foto: Universität Köln

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • USA und Israel greifen am 28. Februar 2026 den Iran an
  • Experte warnt vor einem möglichen Flächenbrand im Nahen Osten
  • Erste iranische Gegenschläge betreffen Israel und US-Basen in der Region
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Natalie ZumkellerRedaktorin News

In den frühen Samstagmorgenstunden hallten Explosionen durch die Strassen von Teheran. Die USA starteten zusammen mit Israel einen Grossangriff auf den Iran – die Operation «Löwengebrüll». Klemens Fischer, Geopolitik-Experte und Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Köln, sieht in der momentanen Situation vor allem eine Demonstration der amerikanischen Militärmacht, wie er gegenüber Blick erklärt.

«Der gemeinsame Angriff von Israel und den USA zeigt, dass Amerika absolut gewillt ist, seine Militärmacht dann einzusetzen, wenn Verhandlungen zu nichts mehr führen», so Fischer. Die Vereinigten Staaten seien anscheinend trotz laufender Gespräche um ein Atomabkommen zum Schluss gekommen, dass der Iran nicht ehrlich verhandelt – viel mehr würde das Mullah-Regime wohl versuchen, Zeit zu schinden.

«Iran versucht, seine Ressourcen noch zu schonen»

«Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Atomaufsichtsbehörde IAA Bildmaterial ausgewertet hatte, das zeigt, dass der Iran um Isfahan bei den Atomanlagen wieder Bewegungen macht, die man nicht orten konnte. Dementsprechend musste ein Angriff erfolgen, ansonsten hätten die USA ihr Gesicht verloren und das Sicherheitsrisiko für Israel wäre zu gross geworden.»

Die Länge der Auseinandersetzung hänge von den militärischen Kapazitäten des Irans ab. Sollten diese schnell minimiert sein, könnten die USA das Regime zum Einlenken zwingen. Sollte das nicht der Fall sein, könnte es auch zu US-Angriffen auf iranische Atomanlagen kommen. Iranische Gegenangriffe liessen nicht lange auf sich warten – mehrere Militärstützpunkte in der Region wurden bereits attackiert.

«Die ersten Gegenschläge des Iran sind zwar breit gestreut gewesen, also nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen amerikanische Basen in dieser Region gerichtet, sind aber nicht allzu massiv gewesen. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass der Iran entweder versucht, sein Gesicht zu wahren, aber noch Verhandlungen zu ermöglichen, oder aber, dass bereits jetzt die Rückschlagsquote die Kapazität des Iran massiv geschwächt ist. Man kann aber eigentlich eher davon ausgehen, dass der Iran versucht, seine Ressourcen derzeit noch zu schonen.»

Kommt es zum Flächenbrand?

Überraschend findet Fischer den Angriff nicht – die Region sei bereits zu lange instabil, eine nächste Auseinandersetzung sei seit dem Zwölftagekrieg im Juni 2025 nur eine Frage der Zeit gewesen. Dass der Iran sich fortlaufend weigert, sein Atomprogramm einzustellen, würde Israel immer wieder aufs Neue in seinen Sicherheitsbedenken bestätigt sehen. Dass es nun zu einem Flächenbrand kommen kann, wäre möglich.

«Das, was wir jetzt erleben, kann dann zum Flächenbrand führen, wenn nicht nur der Iran gegen Israel und amerikanische Basen zurückschlägt, sondern die noch verbleibenden Kapazitäten der Huthi-Milizen im Jemen, der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gaza-Streifen sich gegen Israel und seine Verbündeten richten. Dann könnte es zu einem Flächenbrand kommen, der möglicherweise das erfordert, was die USA auf jeden Fall zu verhindert versuchen: Der Einsatz von Bodentruppen.»

Europa ist erneut nur Zuschauerin

Wie bereits betont, sieht Fischer in dem Angriff eine Demonstration der amerikanischen Militärmacht. «Trump zeigt die Bereitschaft, nicht nur von Macht zu reden, sondern sie auszuüben.» Was das aber auch zeige: «Die Europäer sind auch in diesem Konflikt nur Zuschauer.»

Jegliche Vorwarnungen an europäische Staaten soll ausgeblieben sein – dies, obwohl Israel den Angriff bereits seit Monaten plante. Wie laut die Kritik am Handeln der USA wird, bleibt für Fischer offen.

«Im Westen wird man sich sehr, sehr schwer tun, die Aktion der Amerikaner zu kritisieren, denn das ist eigentlich das, was alle von Trump verlangt hatten, dass er einen Militärschlag gegen den Iran setzt, vor allem gegen das Mullah-Regime, um einen Regimewechsel zumindest zu unterstützen und herbeiführen zu lassen. Auf der anderen Seite wird man natürlich wieder kritisieren, dass die USA sich nicht mit den Verbündeten abgesprochen haben, aber das muss die USA nicht und sie tut es nicht.»

Zu erwarten sind nun auch Reaktionen von den Iran-Verbündeten China und Russland. «Beide sprechen bereits von einer Eskalation, die nicht notwendig gewesen wäre. Für Russland bedeutet es die Schwächung eines der wichtigsten Verbündeten. China wird ohnehin auf seine übliche Reaktion zurückfallen: Interventionen von aussen entsprechen nicht dem, was China unterstützt.»

Die kritischen Stimmen dürften Washington jedoch herzlich egal sein. «Die USA werden auf diese internationalen Reaktionen kaum reagieren müssen, denn sie sind derzeit eindeutig in der Lage, damit nicht nur leben zu können, sondern auch ihren eigenen Willen durchsetzen zu können.»

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