Darum gehts
- Russland plant trotz Ressourcenmangel mehr Truppen an Nato-Grenzen zu stationieren
- Geheimdienst: Putins Berichte verzerren die Realität der hohen Verluste
- Russische Gleitbomben töten zwei Zivilisten, sieben weitere verletzt in Donezk
Russland sei nicht in der Lage, die Nato im nächsten oder übernächsten Jahr anzugreifen, doch der Westen müsse wachsam bleiben – diese Position vertritt Kaupo Rosin, Leiter des estnischen Auslandsgeheimdienstes, bei einem Austausch mit Journalisten. Zuerst berichtete die Nachrichtenagentur AP.
«Derzeit hat Russland nicht genug Ressourcen», sagte Rosin demnach. Dennoch bedeute das keine Entwarnung: Russland plane neue Militäreinheiten und wolle seine vor dem Krieg stationierten Truppen an der Nato-Grenze verdoppeln oder verdreifachen.
Drahtseilakt für Putin
Gleichzeitig müsse Moskau einen «signifikanten Teil» seiner Streitkräfte innerhalb der besetzten Gebiete der Ukraine und im eigenen Land behalten, um zukünftige ukrainische Gegenaktionen zu verhindern.
Rosin glaubt: Putin ist weiterhin fest von einem Sieg in der Ukraine überzeugt. «In seinem Kopf denkt er, dass er die Vereinigten Staaten überlisten kann.» Laut Rosin hat der Kremlchef keine Absichten, die fast vier Jahre andauernde Invasion in seinem Nachbarland zu stoppen.
Zwar hätten russische Beamte öffentlich Verhandlungen mit den USA und der Ukraine angekündigt, die Kompromissbereitschaft sei jedoch äusserst gering. Laut Rosin sind die Gespräche ein taktisches Manöver, um Zeit zu gewinnen.
Diese Erkenntnisse basieren laut dem Esten auf von Estland gewonnenen Geheimdienstdaten über interne russische Gespräche.
Wird Putin von Berichten beeinflusst?
US-Präsident Donald Trump hat den Kriegsparteien ein Ultimatum gesetzt – den Krieg bis im Juni zu beenden. Rosin betonte jedoch: Frühere Deadlines seien ohne Konsequenzen verstrichen.
Währenddessen eskaliert die Gewalt in der Ukraine weiter. Am Dienstagmorgen töteten russische Gleitbomben ein elfjähriges Mädchen und ihre Mutter in der Region Donezk. Sieben weitere Menschen, darunter ein siebenjähriges Mädchen, wurden verletzt.
Doch auch Russland hat mit hohen Truppenverlusten zu kämpfen. Putin werde von Berichten beeinflusst, die «viel optimistischer» seien als die Realität vor Ort, sagte Rosin. «Je tiefer man in der Nahrungskette ist, desto mehr versteht man, wie schlecht es tatsächlich läuft», sagte er.