VO Studentenproteste in Albanien eskalieren
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Brennende Geschäfte und Mülltonnen:Videos zeigen die heftigen Studentenproteste in Albanien

Ausschreitungen in Albanien – Augenzeugen geschockt
«Polizisten erhoben Schlagstöcke sogar gegen Minderjährige»

In Tirana protestieren Zehntausende Studierende gegen steigende Bildungskosten und Korruption. Nach Eskalationen und einem Brand vor dem Amtssitz von Premier Edi Rama fürchten lokale Geschäftsleute weitere Gewalt und Schäden.
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Altin P. ist der Inhaber eines Restaurants in der Nähe der Altstadt von Tirana.
Foto: z.V.g. / Altim P.

Darum gehts

  • In Tirana protestieren Zehntausende gegen hohe Lebenshaltungskosten und Korruption
  • Der Amtssitz von Premier Edi Rama fing Feuer
  • Wirte melden Gewalt und Risiken, einer betont Demokratie
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Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk

Die albanische Hauptstadt Tirana steht derzeit Kopf: Es demonstrieren Zehntausende Studierende gegen steigende Bildungskosten und Korruption. Die Protestaktionen erreichten am Mittwoch einen neuen Höhepunkt, bei dem vor dem Amtssitz des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama (62) Flammen loderten. Auch am Donnerstag strömten die jungen Menschen wieder durch die Strassen. Blick hat mit drei lokalen Beizern über die zugespitzte Situation gesprochen.

«Die Gewalt in unserer unmittelbaren Nähe steigt»

Der Besitzer einer Bar in dem Ausgehviertel Blloku ist nahe am Zentrum der Demonstrationen. Er betont, dass die Proteste seit letztem Dienstag ein neues Ausmass angenommen haben und sich teilweise bereits auf andere Städte ausweiten würden. «Den ganzen Sommer über bestand die Menge hauptsächlich aus älteren Menschen, da die Jungen für saisonale Jobs im ganzen Land verteilt waren», erklärt der Mann gegenüber Blick. Nun hätten die Studenten wieder die Spitze der Proteste übernommen – seit Donnerstag seien auch minderjährige Schüler dazugekommen. Er zeigt sich äusserst besorgt um die jüngsten Demonstranten: «Bedauerlicherweise wurden wir Zeugen davon, wie die Polizisten ihre Schlagstöcke sogar gegen Minderjährige erhoben hatten.»

In seiner Position steht er mit vielen Demonstranten in engem Kontakt, viele seiner täglichen Gäste und Mitarbeiter seien selbst Studierende. Die Eskalationen durch die Demonstranten seien allein gegen staatliche Institutionen und öffentliche Infrastruktur gerichtet. Dennoch trifft er bestimmte Vorsichtsmassnahmen. «Die Gewalt steigt derzeit in unserer unmittelbaren Nähe, daher haben wir unter anderem unsere Gasheizstrahler im Aussenbereich geräumt.» Der Barbesitzer appelliert an die Regierung, dass diese unverzüglich Massnahmen ergreift und den Menschen Gehör schenkt. Nur so könne die Krise friedlich entschärft werden.

«Ein unkontrollierter Brand wäre das Schlimmste für mich»

Blick spricht noch mit einem weiteren Barbesitzer aus dem Stadtzentrum – dieser spürt bereits massive Auswirkungen auf seinen Betrieb. «Wir befinden uns direkt im Mittelpunkt der Proteste und unsere Gäste kommen nicht mehr hierher, um etwas zu trinken oder Räumlichkeiten zu buchen», sagt er im Gespräch mit Blick. «Auf unserer Strasse haben die Demonstranten Ampeln zerstört und Steine gegen Glasfenster geworfen», erzählt er.

Die Entwicklung bereitet ihm Sorgen: «Die Proteste schreiten auch jetzt noch in derselben Intensität fort wie bei ihrer ersten Eskalation am Dienstag.» Sowohl die Polizei als auch die Demonstranten seien immer mehr zu Kollateralschaden bereit. Der Besitzer macht sich Sorgen darum, dass auch seine Bar bei einer Ausschreitung ungewollt Schaden davontragen könnte. «Es wäre das Schlimmste für mich, wenn es zu einem Brand kommen würde, der sich unkontrolliert ausbreitet.»

«Die Menschen vertreten demokratische Ansichten»

Altin P.* betreibt das Restaurant Mrizi i Zavane in der Nähe der Altstadt von Tirana. Die aktuelle Lage ist für ihn in erster Linie ein Beweis dafür, dass die Menschen starke, demokratische Ansichten vertreten. «Ich bin der Meinung, dass Proteste ein gesunder Bestandteil jedes demokratischen Landes sind», und weiter: «Meiner Ansicht nach sollten wir uns Sorgen um Länder machen, in denen es überhaupt keine Proteste gibt.» An seinem Standort spürt er derzeit noch keine direkten Auswirkungen durch die teils eskalierenden Demonstrationen. «Wir haben bislang keine Beeinträchtigungen in unserem Unternehmen», gibt er gegenüber Blick an. Auch in Zukunft rechne er aktuell höchstens mit finanziellen Einbussen.

*Name bekannt

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