Darum gehts
- Magdalena K. lebte 30 Jahre isoliert in Krakauer Familienwohnung
- Eltern vertuschten Selbstverletzungen ihrer Tochter mit Perücke statt Hilfe
- Isolation endete am 28. Mai nach Nachbarn-Hinweis
Drei Jahrzehnte lang sperrten ein Lehrer und eine Sekretärin aus Krakau ihre eigene Tochter Magdalena K.* (51) in der Familienwohnung weg. 30 Jahre sah die psychisch kranke Frau kein Tageslicht.
Das erste Foto von ihr zeigt das ganze Ausmass der Tragödie – sie trägt darauf eine Perücke, die die Spuren jahrelanger Selbstverletzung vertuschen sollte, wie die polnische Zeitung «Fakt» berichtet.
Riss sich vor Verzweiflung über Jahre die Haare aus
Magdalena K. wurde von ihrer eigenen Familie seit den späten 1990er-Jahren von der Aussenwelt abgeschottet. Nach Abschluss der Grundschule ging sie nicht mehr zur Schule. Ihre Eltern – ein Lehrer und eine Sekretärin – unternahmen absolut nichts, um ihrer ältesten Tochter zu helfen.
Bei Magda, wie sie genannt wird, manifestierten sich schwere psychische Probleme. Sie verlor fast alle Zähne und riss sich über Jahre die Haare aus.
«Sie hatte die Angewohnheit, sich die Haare auszureissen. Wir haben ihr eine Perücke gekauft ... denn sobald die Haare nachgewachsen waren, hat sie wieder daran gezupft», sagt Mutter Krystyna K.* zur polnischen Zeitung «Fakt».
«Es ist unsere Schuld»
Arzt? Psychiatrie? Fehlanzeige. Die Eltern kauften Magda lieber eine Perücke, um die brutalen Spuren der Selbstverletzung zu vertuschen, statt die Ursache zu behandeln. Vater Kazimierz K.* gibt heute kleinlaut zu: «Wir haben unsere Tochter vernachlässigt, es ist unsere Schuld.»
Die Isolation war so lückenlos, dass selbst Sozialarbeiter nichts von Magdas Existenz erfuhren. Diese besuchten eigentlich den jüngsten Sohn der Familie, der mittlerweile 36 Jahre alt und entmündigt ist. Die versteckte Tochter hatte weder gültige Dokumente noch eine Krankenversicherung.
Sie vegetierte nebenan vor sich hin
Erst als Nachbarn Verdacht schöpften, flog das Versteck am 28. Mai auf. Polizei und das Krakauer Sozialamt (MOPS) machten die grausige Entdeckung. Das Wegschauen der Familie macht sprachlos. Agnieszka Pers vom Sozialamt betont: «Es ist unbegreiflich, dass die Geschwister nicht eingegriffen haben, während Magdalena direkt im Zimmer nebenan dahinvegetierte.»
Die einzige bekannte Fotografie von Magdalena K. wurde erst aufgenommen, als die Behörden nach der Befreiung einen Ausweis für sie ausstellten. Auf dem Bild trägt sie besagte Perücke – ein trauriges Symbol für die jahrzehntelange Verleugnung durch ihre Familie.
Zweite Chance auf ein Leben in Würde
Ihre Schwester, eine in Deutschland lebende Krankenschwester, und ihr Bruder, der weiterhin im gemeinsamen Haushalt mit den Eltern lebt, unternahmen über all die Jahre keinen einzigen Schritt, um Magdalena K. zu retten.
Sie befindet sich derzeit in ärztlicher Behandlung und muss das Leben neu erlernen. Die Staatsanwaltschaft in Krakau prüft harte strafrechtliche Konsequenzen für die Familie. Sprecher Tomasz Waszczuk zu «Fakt»: «Das Ermittlungsverfahren läuft noch, wir haben Magdalena K. und ihre Eltern bisher nicht vernommen.» Die Behörden setzen nun alles daran, Magdalena eine zweite Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf fakt.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.