Darum gehts
- US-Vizepräsident Vance ist für Iran-Verhandlungen in der Schweiz angekommen
- Erste diplomatische Direktkontakte zwischen USA und Iran seit Jahrzehnten
- Vance reist mit seiner hochschwangeren Frau Usha
Die Verhandlungen um die Absichtserklärung (MoU) zwischen Washington und Teheran zogen sich Wochen in die Länge. Auch das auf Freitag geplante Treffen zwischen den US- und iranischen Delegationen auf dem Bürgenstock NW musste verschoben werden. Am späten Samstag kurz vor Mitternacht MESZ machte sich US-Vizepräsident J. D. Vance (41) endlich auf den Weg in die Schweiz.
Mit an Bord: seine hochschwangere Frau Usha (40). Die Second Lady der Vereinigten Staaten erwartet im Juli das vierte Kind der Familie – einen Sohn.
Bühne der Weltpolitik
Am frühen Sonntagmorgen bestätigte ein Sprecher der US-Regierung dem französischen Sender BFMTV: Vance ist in der Schweiz eingetroffen. Leserreporter fotografierten gegen 6.30 Uhr morgens einen US-Konvoi in Emmen LU, Fürigen NW und Stansstad NW, der sich auf dem Weg zum Bürgenstock befand. Eine Leserreporterin aus Stansstad meldete zur Vorbeifahrt des US-Vizepräsidenten: «Alle Strassen waren vorübergehend gesperrt. Wir durften auch nicht zur Strasse.»
«Wir begrüssen die Ankunft der Delegation der Vereinigten Staaten in der Schweiz», schrieb das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf X. Die Delegation sei auf dem Weg zum Bürgenstock.
Ebenfalls am Sonntagmorgen in der Schweiz gelandet ist der pakistanische Armeechef Syed Asim Munir, der wohl wichtigste Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Das berichtet Al Jazeera.
Am Sonntag wird die Zentralschweiz nach dem Ukraine-Gipfel vor zwei Jahren somit einmal mehr zur Bühne der Weltpolitik werden. Hoch über dem Vierwaldstättersee starten heikle Gespräche zwischen den USA und dem Iran.
Iran kommt in fliegendem Mahnmal in die Schweiz
Die Iraner waren schon am Samstag angereist. «Wir begrüssen die Ankunft der iranischen Delegation in der Schweiz», teilte das Schweizer Aussenministerium auf X mit.
Auf dem Bild verdeckt: Die Maschine der Iraner trug auf dem Bug die grosse Aufschrift «Minab168» – als fliegendes Mahnmal für 168 primär Schulkinder und Lehrkräfte, die Ende Februar bei einem US-Angriff auf eine Schule im südiranischen Minab getötet wurden.
Vor Mitternacht war in Stansstad ein grosser Autokonvoi auf der Durchfahrt zum Bürgenstock zu sehen – offenbar die vielköpfige iranische Delegation, der laut «Tehran Times» Parlamentssprecher und Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf (64), Aussenminister Abbas Araghtschi (63) und Zentralbankchef Abdolnaser Hemmati (69) angehören.
Erzfeinde am selben Tisch
Auch weitere Akteure werden im hermetisch abgeschirmten Resort erwartet – Vertreter aus Pakistan und möglicherweise aus Golfstaaten, die grünes Licht für einen 300-Milliarden-Dollar-Sonderfonds für den Iran gaben, um Teheran zum Einlenken zu bewegen.
Die Gespräche gelten bereits deshalb als Erfolg, weil die USA und der Iran seit Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Jetzt setzen sie sich an den gleichen Tisch – in der Schweiz, die seit 1980 offiziell als Schutzmacht der USA im Iran fungiert.
Fragile Lage
Die Erwartungen sind gedämpft. Die Lage im Nahen Osten ist weiterhin äusserst fragil. Die Strasse von Hormus bleibt Spannungsherd, und Waffenruhen zwischen Israel und dem Libanon – eine Hauptbedingung für den Iran – sind so zahlreich wie brüchig.
Vor seiner Abreise in die Schweiz zeigte sich US-Verhandlungsführer Vance zuversichtlich. Er hoffe auf Fortschritte sowohl im Atomstreit als auch bei der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Die Lage im Libanon habe sich zuletzt etwas entspannt. Ziel sei es, die fragile Waffenruhe zu stabilisieren und die Region sicherer zu machen.
Drohung Trumps
US-Präsident Donald Trump (80) wies am späten Samstag iranische Drohungen einer Schliessung der Strasse von Hormus zurück: Die Durchfahrt bleibe offen. Gebühren würden höchstens als Entgelt für Schutzleistungen für den US-«Schutzengel» erhoben – sollte kein Abkommen zustande kommen.