Darum gehts
- Ein Zugbegleiter starb nach Angriff eines Schwarzfahrers in Rheinland-Pfalz
- Angreifer, ein Grieche (26), soll in Luxemburg Probleme mit der Polizei gehabt haben
- 2025 meldete die Deutsche Bahn rund 3000 Übergriffe auf Mitarbeiter
Der Fall sorgte deutschlandweit für grosses Entsetzen: Ein Zugbegleiter wurde von einem Fahrgast angegriffen, der kein Ticket hatte und daher des Zuges verwiesen werden sollte. Dabei erlitt Serkan C. (†36) so schwere Kopfverletzungen, dass er in einer Klinik verstarb. Der mutmassliche Angreifer, ein 26-jähriger Grieche, sitzt in Untersuchungshaft. Was ist über ihn bekannt?
Wie «Bild» berichtet, wurde die Tat von Überwachungskameras aufgezeichnet. Der Täter wird dabei als grosser, hagerer Mann mit langem, pechschwarzem Haar beschrieben. Bei der Attacke trug er demnach eine Kapuze.
«Aggressiver Typ»
Die Eltern des Täters sollen aus Albanien kommen. Er wohnte in Luxemburg. Mitbewohner behaupten gegenüber «Bild», der griechische Staatsbürger habe immer wieder Probleme mit der Polizei gehabt.
«Ioanni war ein aggressiver Typ, hinter seiner Tür war es immer laut. Er hat sich mit einem anderen Mitbewohner angelegt, da bin ich dazwischengegangen», sagt einer seiner WG-Mitbewohner.
Bodycams auf freiwilliger Basis
Die Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla (53), will unterdessen noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausstatten.
Das ist eine der Sofortmassnahmen zum Schutz der Bahnbeschäftigten, die Palla auf einem von ihr einberufenen Sicherheitsgipfel in Berlin bekannt gemacht hat, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Die Bahn verwies auf Nachfrage auf eine Pressekonferenz am Nachmittag.
Weitere Massnahmen des Sicherheitsgipfels
Zudem soll ein bereits vorhandener Hilferufknopf weiterentwickelt werden. Mit diesem können die Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren, so dass diese etwa Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann. Weiter will die Bahn 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen, welche die bislang vorhandenen 4000 unterstützen sollen.
Weiter können Zugbegleiter ab dem 1. März nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie neben dem Ticket auch den Personalausweis kontrollieren. Dies ist im Moment noch vor allem beim sogenannten Deutschlandticket gängige Praxis. Dadurch dass die Zugbegleiter nun selbst entscheiden können, ob sie den Ausweis kontrollieren, sollen potenzielle Konfliktsituationen mit Fahrgästen vermieden werden.
An dem Sicherheitsgipfel nehmen seit dem Morgen Vertreter von Bund und Bundesländern sowie Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für den öffentlichen Nahverkehr teil.
Deutsche Bahn-Angestellte werden immer wieder angegriffen
Palla nimmt mit der Massnahme eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. Diese fordert flächendeckend den Einsatz von Bodycams auch mit Tonaufnahme. Damit sollen auch verbale Übergriffe auf Mitarbeiter besser dokumentiert und nachverfolgbar werden. Schon jetzt können Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regionalverkehr Bodycams erhalten und tragen.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt zudem darauf, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer.
Den Angaben der Deutschen Bahn zufolge kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt rund 3000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Jahr davor. Doch das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft habe sich deutlich verschlechtert, betonte die EVG. Sie verweist auf eine eigene Umfrage unter rund 4000 Mitarbeitenden aus dem vergangenen Jahr.