Darum gehts
- Deutsche Bahn-Züge nach der Schweiz oft verspätet oder fallen komplett aus
- Meteorologe zweifelt an Blitzeinschlag als Grund für Störungen
- 2024 waren nur 62 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich
Wer mit dem Zug von Deutschland in die Schweiz reist, der braucht Nerven aus Stahl. Reisende müssen Verspätungen eigentlich fix einplanen. Kaum ein Zug aus dem nördlichen Nachbarland kommt pünktlich bei uns an. Das sorgt auch bei den SBB für Ärger.
Die nervigste Verbindung ist die von München (D) nach Zürich. Immer wieder kommt es dort zu Verspätungen von 20 und mehr Minuten. Dieses Jahr soll es wegen einer Baustelle noch schlimmer werden. Auch in Schaffhausen ist man nicht gut auf die DB zu sprechen. Der Kanton Schaffhausen wollte die ständigen Verspätungen und Zugausfälle der Deutschen Bahn nicht länger akzeptieren. Er hat an höchster Stelle interveniert.
Am vergangenen Wochenende ist die Situation in Basel aus dem Ruder gelaufen. Gleich mehrere Züge waren massiv verspätet oder sind komplett ausgefallen, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Die SBB mussten die fehlenden deutschen Züge auf dem Schweizer Netz ersetzen. Die Begründung für das Chaos tönt so dramatisch wie einleuchtend: Blitzeinschlag! Es habe am Samstag gegen 4 Uhr morgens zu einer Oberleitungsstörung bei Herbolzheim (D), auf der Strecke zwischen Offenburg (D) und Freiburg (D) geführt. Und die Strecke stundenlang unbefahrbar gemacht.
Weit und breit kein Gewitter in Sicht
Dumm nur: Bald schon meldeten Bahn-Freaks in einschlägigen Internet-Foren, dass das gar nicht sein kann. Es gebe keine Hinweise auf Gewitter. Meteorologe Jörg Kachelmann (67) schaut sich für die «Aargauer Zeitung» die Wettermodelle ganz genau an. Er kommt zum Schluss: «Zu jenem Zeitpunkt gab es nicht mal einen Schauer über Herbolzheim.» Einen Blitzeinschlag schliesst er praktisch aus.
Lügt die Deutsche Bahn beim Grund für die Verspätungen? Im Artikel steht ein entsprechender Verdacht im Raum. Denn: Laut der EU-Bahngastrechteverordnung müssen Bahnunternehmen bei «höherer Gewalt» keine Entschädigungen zahlen. Ein Blitz würde darunterfallen. Die Deutsche Bahn hat sich gegenüber der «Aargauer Zeitung» nicht dazu geäussert.
Bei grossen Verspätungen haben Zugreisende Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung. Dabei gelten in der Schweiz und in Deutschland ähnliche Regeln, da sich die Schweiz teilweise an EU-Richtlinien orientiert: Ab einer Verspätung von 60 Minuten erhalten Reisende 25 Prozent des Fahrpreises, bei einer Verspätung von 120 Minuten oder mehr gibt es 50 Prozent.
«Zug fällt wegen Verbesserung der Statistik aus»
Mit der Pünktlichkeit hat die Deutsche Bahn immer mehr zu kämpfen. 2024 waren nur noch 62 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich unterwegs. Dabei gilt ein Zug in Deutschland ohnehin erst ab einer Verspätung von sechs Minuten als verspätet, in der Schweiz hingegen bereits ab drei Minuten.
Offenbar schönt die DB ihre Verspätungsstatistik auch noch mit einem Buebetrickli. Sie soll Züge sogar komplett ausfallen lassen, weil diese dann nicht in die Statistik fliessen. Das berichtete der «Spiegel» unter Berufung auf interne Vermerke. «Zug fällt zur Verbesserung der Statistik ab Köln aus», zitierte das Magazin etwa aus einem Chat, in dem es um den Fernzug ICE 616 aus München geht, der eigentlich nach Hamburg hätte fahren sollen.
Mit der Blitzeinschlag-Ausrede hat sich die Deutsche Bahn nun eine neue Schlaumeierei einfallen lassen.