Trump kündigt Vergeltung an
Nach dem Angriff auf die US-Botschaft in Riad kündigt US-Präsident Donald Trump Vergeltung an. In einem Inteview mit Kellie Meyer von News Nation sagte er, man werde «bald erfahren, welche Vergeltungsmassnahmen für den Angriff auf die US-Botschaft in Riad und für die getöteten US-Soldaten ergriffen werden».
Gegenüber Meyer sagte Trump weiter, er halte einen Einsatz von Bodentruppen für unnötig. Diese würden «nur im Notfall» eingesetzt.
Er mache sich keine Sorgen über mögliche weitere Angriffe auf US-Einrichtungen. «Das gehört zum Krieg dazu», so Trump. Seinen Zielen im Iran komme er «sehr nah». Und weiter: «Wir richten grossen Schaden an, wir werfen sie weit zurück.»
Abschliessend fragte Meyer Trump in ihrem Interview: «Wer hat derzeit die Kontrolle über den Iran?» Die Antwort des US-Präsidenten: «Das werden Sie sehr bald erfahren.»
Das Wichtigste in Kürze
- Am frühen Samstagmorgen haben Israel und die USA dem Iran mit einem gemeinsamen Angriff den Krieg erklärt und den obersten iranischen Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei (†86) getötet
- Hier findest du eine Übersicht, was am Wochenende und am Montag im Nahen Osten passiert ist
- Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Israel, US-Militärbasen in der Region und überzieht zudem die Arabischen Emirate mit Raketenangriffen
Schwere Bombardierungen in Teheran – Offenbar Explosionen in Zentraliran
Die iranische Metropole Teheran wurde erneut von heftigen Bombenangriffen getroffen. Auch in der östlich gelegenen Pendlerstadt Pardis seien nach Angaben iranischer Medien etwa ein Dutzend Raketen eingeschlagen.
Anwohner berichteten von vibrierten Fenstern in Hochhäusern. In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich Videos, die dicke Rauchwolken über den Hügeln am Rande des Alborz-Gebirge zeigen.
In den sozialen Medien gibt es derzeit Hinweise auf neue US-Angriffe auf den Iran: «Explosion in der Provinz Isfahan, Zentraliran», heisst es auf der Plattform X.
In der Provinz Isfahan befindet sich das grösste atomare Forschungszentrum des Landes. Es liegt südlich der Stadt in der gleichnamigen Provinz.
Nach Angriff: US-Botschaft in Riad geschlossen
Alarm in Saudi-Arabien: Die US-Botschaft in Riad hat am Dienstag sämtliche Konsulartermine gestrichen. Grund ist der Angriff auf das Botschaftsgelände in den frühen Morgenstunden. Nach Angaben der Vertretung wurde die Einrichtung von mutmasslich iranischen Drohnen getroffen.
Das saudische Verteidigungsministerium bestätigte den Vorfall. Demnach kam es zu einem «begrenzten Feuer und geringfügigen Sachschäden». Verletzte habe es nach ersten Erkenntnissen nicht gegeben. Eine mit dem Vorgang vertraute Quelle sagte gegenüber CNN, dass zunächst keine Berichte über Verletzte vorlägen.
Die US-Botschaft teilte auf X mit: «Alle regulären und dringenden Termine der US-Bürgerdienste sind abgesagt.» Die Sicherheitsanweisung für die Städte Riad, Dschidda und Dhahran bleibe bestehen. US-Bürger im Königreich würden dringend aufgefordert, sich weiterhin in Sicherheit zu bringen.
Zudem rief die Botschaft alle Amerikaner dazu auf, «einen persönlichen Sicherheitsplan zu erstellen» und das Botschaftsgelände bis auf Weiteres zu meiden.
Nach Angaben des saudischen Verteidigungsministeriums fing das Militär am Dienstagvormittag acht Drohnen in der Nähe von Riad sowie bei der zentral gelegenen Stadt Al-Kharj ab und zerstörte sie. Ob es dabei zu weiteren Schäden oder Opfern kam, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
ISF: Israel startet «zeitgleiche Angriffe in Teheran und Beirut»
Der vierte Tag beginnt mit neuen Angriffen auf Iran und Libanon. Nach Angaben der israelischen Luftwaffe richten sich die Operationen gegen militärische Einrichtungen des iranischen Regimes sowie gegen Stellungen der Hisbollah. Die Mitteilung wurde am Dienstagmorgen veröffentlicht.
Zuvor hatte das Militär erklärt, man habe iranische Raketenwerfer und Luftabwehrsysteme ins Visier genommen, die gegen Flugzeuge der israelischen Luftwaffe eingesetzt würden.
Weiter hiess es, israelische Kampfflugzeuge würden auch künftig Massnahmen gegen die Ausrüstung und Bewaffnung von Raketenwerfern ergreifen sowie Schiessanlagen, Abschussrampen und ballistische Raketen angreifen.
Bereits Stunden zuvor hatte das United States Central Command (Centcom) über die Plattform X mitgeteilt, US-Streitkräfte hätten Kommando- und Kontrolleinrichtungen des Korps der Islamischen Revolutionsgarde, iranische Luftverteidigungssysteme, Startplätze für Raketen und Drohnen sowie Militärflugplätze zerstört.
Trump: USA haben «praktisch unbegrenzte» Munition
Vier Wochen sollen die Angriffe auf den Iran dauern, hiess es. Doch werden die Waffenbestände der USA reichen? Donald Trump gibt Entwarnung: Der US-Präsident bezeichnet die amerikanischen Munitionsbestände als «praktisch unbegrenzt». Die Vorräte auf mittlerem und gehobenem Niveau seien «noch nie so hoch oder in so gutem Zustand» gewesen, schreibt der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social.
Ausserdem würden nach seinen Angaben «weitere hochwertige Waffensysteme» in verschiedenen Staaten im Auftrag der USA eingelagert. Konkrete Angaben dazu machte Trump jedoch nicht. Unterdessen verweisen Analysten auf mögliche Engpässe bei den vorhandenen Munitionsreserven, insbesondere im Bereich der Flugabwehrraketen.
Anzahl der Raketen und Drohnen, die die Golfstaaten bisher abgefangen haben
Der gemeinsame Militärschlag der USA und Israel gegen den Iran hat eine Welle von Vergeltungsangriffen im gesamten Nahen Osten ausgelöst. Betroffen sind auch Staaten mit US-Militärbasen. Die Attacken richteten sich gegen Stadtzentren, Energieanlagen, Flughäfen und Hotels – und erschütterten Regionen, die sich lange in relativer Sicherheit wähnten.
Hier die Zahlen der abgefangenen Raketen und Drohnen seit Kriegsbeginn:
Kuwait:
Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuwait News Agency fing das Land am Montag 178 ballistische Raketen sowie 384 Drohnen ab.
Vereinigte Arabische Emirate:
Die Vereinigte Arabische Emirate (VAE) konnten 169 von insgesamt 182 erfassten Raketen abfangen. Die übrigen schlugen im Meer ein. Zudem wurden laut Verteidigungsministerium 645 Drohnen abgeschossen. 44 davon erreichten jedoch das Staatsgebiet.
Bahrain:
Wie staatliche Medien unter Berufung auf das Generalkommando der Streitkräfte berichteten, fing Bahrain 70 Raketen und 76 Drohnen ab.
Katar:
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur von Katar wurden 101 von 104 registrierten Raketen abgefangen. Zusätzlich schoss das Land 24 von 39 Drohnen sowie zwei iranische Kampfjets vom Typ Sukhoi Su-24 ab.
Saudi-Arabian:
Saudi-Arabien veröffentlichte bislang keine Gesamtzahl der abgefangenen Geschosse. Laut zwei mit dem Vorfall vertrauten Quellen wurde die US-Botschaft in Riad am Dienstag mutmasslich von iranischen Drohnen getroffen. Das Verteidigungsministerium teilte später mit, dass acht Drohnen in der Nähe der Städte Riad und Al-Kharj abgefangen worden seien.
Oman:
Der Oman gilt seit Jahren als Vermittler zwischen Washington und Teheran und hielt sich weitgehend aus direkten Konfrontationen heraus. Am Sonntag wurde jedoch der Handelshafen Hafen Duqm Ziel zweier Drohnenangriffe. Zudem wurde ein Öltanker rund fünf Seemeilen vor der Küste von Masandam attackiert.
USA: Weitere militärische Infrastruktur im Iran zerstört
Die USA ziehen Bilanz: Die US-Streitkräfte haben bei anhaltenden Angriffen im Iran eigenen Angaben nach weitere militärische Infrastruktur ins Visier genommen. Zerstört worden seien Kommando- und Kontrollzentren der iranischen Revolutionsgarden, iranische Luftabwehrkapazitäten, Raketen- und Drohnenabschussbasen sowie Militärflugplätze, wie das für die Region zuständige US-Kommando im Nahen Osten (Centcom) auf X mitteilte. «Wir werden weiterhin entschlossen gegen unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime vorgehen», hiess es.
Merz trifft Trump in Washington
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist in Washington eingetroffen, um sich mit US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus zu treffen. Das klar dominierende Hauptthema wird der Krieg gegen den Iran sein. Trump und US-Verteidigungsminister Hegseth hatten sich zuvor über mangelnde Unterstützung der europäischen Verbündeten beklagt.
Für das Treffen heute Vormittag (Ortszeit, 17.15 Uhr Schweizer Zeit) sind 30 Minuten im Oval Office angesetzt. Erfahrungsgemäss kann es aber deutlich länger dauern. Anschliessend ist ein gemeinsames Mittagessen geplant.
Mehrere Drohnen in Saudi-Arabien abgefangen
Ein Sprecher des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums erklärte auf X, dass allein in der Nähe der Städte Riad und Al-Kharj acht Drohnen abgefangen und zerstört worden seien. Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass ein Drohnenangriff eine Explosion und einen Brand in der US-Botschaft in Riad ausgelöst hatte.
Abkommen mit Iran sei «unmöglich» gewesen
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff sagte gemäss CNN, es sei «unmöglich» gewesen, mit dem Iran ein Atomabkommen zu schliessen. «Es war schon nach dem zweiten Treffen klar, dass es unmöglich sein würde», zitiert ihn der US-Sender. «Aber wir sind dann noch einmal zum dritten Treffen gegangen, um es ein letztes Mal zu versuchen.» Auch das dritte Treffen sei nicht positiv verlaufen. Dieses fand noch kurz vor den Angriffen statt.
Laut Witkoff schlug die US-Delegation dem Iran einen zehnjährigen Stopp der Urananreicherung vor. «Sie lehnten das ab, was uns in diesem Moment zeigte, dass sie keine andere Absicht hatten, als die Anreicherung zum Zweck der Waffenentwicklung beizubehalten.»
Netanjahu spricht von «schneller und entschlossener Aktion»
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Angriff auf den Iran mit dem angeblichen Bau neuer Bunker zum Schutz der iranischen Raketen- und Atomprogramme gerechtfertigt. «Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten», sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und seiner Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau «neuer Anlagen, unterirdischer Bunker» begonnen habe, sagte Netanjahu dem US-Sender Fox News. Das Raketen- und «Atombombenprogramm» wäre sonst «innerhalb von Monaten» unangreifbar gewesen, behauptete Netanjahu.
Wenn man jetzt nicht gehandelt hätte, «hätte man in Zukunft nichts mehr tun können», sagte Netanjahu dem Sender weiter. Israel hatte den Iran bereits im Juni vergangenen Jahres angegriffen. Das US-Militär hatte sich knapp eine Woche später Israel angeschlossen und Irans Atomanlagen bombardiert. «Man könnte meinen, sie hätten ihre Lektion gelernt, aber das haben sie nicht, denn sie sind unverbesserlich. Sie sind völlig fanatisch, was ihr Ziel angeht, Amerika zu zerstören», sagte der israelische Ministerpräsident dem US-Fernsehsender.
Es werde jedoch kein «endloser Krieg» werden, so Netanjahu weiter. «Es kann einige Zeit dauern, aber es wird keine Jahre dauern.» Er sprach von einer «schnellen und entschlossenen Aktion». Man müsse dem iranischen Volk ermöglichen, seine eigene demokratisch gewählte Regierung zu bilden.
Eine bisherige Bilanz zur neuen Eskalation im Nahen Osten findest du hier.