Saudi-Arabien: «Wir behalten uns das Recht vor, militärisch einzugreifen»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Es war ein Knall mit Ansage: Am Mittwoch bombardierte der Iran mehrere Industrieanlagen in der Golfregion an. Besonders mit der Attacke auf ein Flüssiggasfeld in Katar habe man «rote Linien» überschritten hiess es in der Nacht aus dem Emirat. An der Gasanlage Ras Laffan wurden erhebliche Schäden verzeichnet.
Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden Evakuierungsanordnungen für mehrere Anlagen in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien herausgegeben.
Der saudische Aussenminister Faisal bin Farhan Al Saud, hat den Iran davor gewarnt, dass die Duldung der Angriffe auf sein Land und die benachbarten Golfstaaten begrenzt sei. Er forderte Teheran auf, seine Strategie umgehend «neu zu bewerten». Ansonsten könnte Saudi-Arabien auch bald in den Krieg einsteigen.
Mit dem Hinweis, dass Saudi-Arabien und andere Golfstaaten über «sehr bedeutende Kapazitäten und Fähigkeiten» verfügten, auf die sie zurückgreifen könnten, «wenn sie sich dazu entscheiden», erklärte der Aussenminister am frühen Donnerstag auf einer Pressekonferenz, dass der Iran seine Angriffe auf regionale Nachbarn sorgfältig geplant haben muss.
«Die Präzision, mit der einige dieser Angriffe durchgeführt wurden – das lässt sich sowohl bei unseren Nachbarn als auch im Königreich beobachten –, deutet darauf hin, dass es sich um etwas handelt, das vorsätzlich, im Voraus geplant, organisiert und gut durchdacht war», sagte Prinz Faisal.
Iranische Staatsmedien berichteten, dass Einrichtungen im Zusammenhang mit dem riesigen Offshore-Gasfeld South Pars – vor der Küste der südlichen iranischen Provinz Buschehr gelegen – angegriffen worden seien. Mein Kollege Mattia Jutzeler hat das Ereignis im Ticker abgedeckt.
«Alles in die Luft sprengen»: Trump droht Mullahs mit Zerstörung von Gasfeld
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Der Krieg im Nahen Osten scheint eine neue Eskalationsstufe erreicht zu haben. US-Präsident Donald Trump verschärfte in der Nacht auf Donnerstag den Ton gegenüber dem Iran nochmals deutlich droht massiv.
Auslöser der jüngsten Eskalation ist ein Angriff Israels auf das bedeutende iranische South-Pars-Gasfeld – eines der grössten Gasfelder der Welt. Mein Kollege Mattia Jutzeler hat dieses Ereignis am Mittwochabend im Ticker beleuchtet. Laut Trump sei dabei jedoch nur ein kleiner Teil der Anlage getroffen worden. Die USA hätten von diesem Angriff keine Kenntnis gehabt, ebenso wenig wie Katar, das «in keiner Weise involviert» gewesen sei.
Infolge dieses Angriffs habe der Iran jedoch fälschlicherweise Katar ins Visier genommen und Teile einer LNG-Gasanlage attackiert. Trump bezeichnete diesen Gegenschlag als «ungerechtfertigt und unfair».
Trump warnte den Iran vor weiteren Angriffen. Die USA würden – notfalls auch ohne Zustimmung Israels – das gesamte Gasfeld «mit einer Stärke und Kraft in die Luft sprengen, wie sie der Iran noch nie gesehen hat. Ich werde nicht zögern.»
In den vergangenen Stunden berief sich Donald Trump mehrfach auf die «unglaubliche Stärke», die seine Armee im Nahen Osten demonstriere. Besonders nach der Absage der Nato-Staaten, die USA bei der Sicherung der Strasse von Hormus zu unterstützen, haben sich Trumps Äusserungen nochmals verschärft. In diesem Text meines Kollegen Guido Felder kannst du erfahren, wie sich Trump möglicherweise an Europa rächen könnte.
Angriff am Nachmittag angekündigt: Gasanlage in Katar brennt
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Der Iran hat die Ölraffinerie Ras Laffan im Katar angegriffen. Das teilt das Innenministerium des Golfstaates auf der Plattform X mit. Der Zivilschutz des Landes war Einsatz, um einen Brand zu bekämpfen, der infolge des Angriffs entstanden war. Um 20:30 Uhr gab das Innenministerium bekannt, dass der Brand unter Kontrolle sei.
Das staatliche Energieunternehmen Qatar Energy bestätigt den Angriff ebenfalls und teilt mit, dass ein hoher Sachschaden entstanden sei. Laut dem TV-Sender Al Jazeera befindet sich in Ras Laffan die grösste Flüssiggas-Produktionsanlage der Welt.
Später am Mittwochabend gab das Verteidigungsministerium Katars einen weiteren iranischen Angriff auf die Gasanlage bekannt. Zwei ballistische Raketen seien erfolgreich abgefangen worden. Katar hat infolge der Angriffe zwei iranische Diplomaten dazu aufgefordert, das Land zu verlassen. Das berichtete unter anderem die BBC.
Das Mullah-Regime hatte schon am Nachmittag angekündigt, mehrere Ziele in den Golfstaaten angreifen zu wollen. Die Ölraffinerie Ras Laffan stand ebenfalls auf dieser Liste, wie meine Kollegin Janine Enderli in ihrem Ticker-Eintrag beleuchtete.
Der Angriff erfolgt nach einer Attacke US-amerikanischer und israelischer Streitkräfte auf das Erdgasfeld South Pars im Süden des Irans. Die Attacken vom Mittwoch riefen eine heftige Reaktion der iranischen Medien hervor. Staatsnahe Behörden drohten mit Angriffen auf Ölanlagen in benachbarten Staaten.
Laute Explosionen und Handy-Warnungen in Riad
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Genauso wie die anderen Golfstaaten wird auch Saudi-Arabien seit Beginn des Irankrieges immer wieder mit Raketen und Drohnen angegriffen. Laut dem Verteidigungsministerium musste das Land seit dem 28. Februar über 400 feindliche Drohnen und mehr als 30 ballistische Raketen abwehren.
Bis jetzt konzentrierten sich die iranischen Angriffe auf Ziele im Osten des Landes und an der Küste des persischen Golfes. Am Mittwoch wurde aber die Hauptstadt Riad direkt ins Visier genommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, waren am frühen Mittwochabend mehrere laute Explosionen in der Stadt zu hören. Die über 7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Riads erhielten zum ersten Mal per Handy die Warnung einer feindlichen Bedrohung. Bereits zu Beginn des Krieges wurde die US-Botschaft in Riad mit einer Drohne angegriffen.
Kurz nach 18:30 Uhr Schweizer Zeit gab das Verteidigungsministerium bekannt, dass vier ballistische Raketen auf die Hauptstadt abgefeuert wurden. Die Geschosse seien abgefangen und zerstört worden, heisst es in dem Beitrag auf der Plattform X. Später bestätigte der Zivilschutz Saudi-Arabiens, dass vier Personen durch Trümmer der abgefangenen Raketen verletzt wurden.
Das Königreich auf der arabischen Halbinsel ist ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region. Es ist für den Iran als Angriffsziel interessant, da Saudi-Arabien wegen der iranischen Blockade der Strasse von Hormus zu einer wichtigen Drehscheibe für Ölexporte wird. Mehr dazu liest du im Text meiner Kollegin Nathalie Benn.
Israel greift grösstes Erdgasfeld der Welt an
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Bisher waren die Armeen der USA und Israels vor allem darauf fokussiert, die militärischen Kapazitäten des Mullah-Regimes zu zerstören. Am Mittwoch melden iranische Nachrichtenagenturen nun einen gezielten Angriff auf die Energie-Infrastruktur des Landes. Laut CNN wären das die ersten Attacken auf iranische Öl- und Erdgasförderanlagen in diesem Krieg.
Unter anderem sollen Teile des Erdgasfeld South Pars im Süden des Landes beschossen worden sein. Dabei handelt es sich um das grösste Erdgasfeld der Welt. Mehrere iranische Nachrichtenagenturen melden, dass die Anlage infolge der Angriffe in Flammen stehe. Ausserdem sollen in weiteren Raffinerien in derselben Region heftige Explosionen zu hören gewesen sein. Mehrere israelische Quellen bestätigen die Angriffe ausserdem gegenüber CNN. Auf nicht verifizierten Videos des Angriffs in den sozialen Medien ist zu sehen, wie in der Ferne Rauch über der Anlage aufsteigt.
Die Attacken vom Mittwoch riefen eine heftige Reaktion der iranischen Medien hervor. Staatsnahe Behörden drohten mit Angriffen auf Ölanlagen in benachbarten Staaten. Auch das Nachbarland Katar, das sich das Erdgasfeld South Pars mit dem Iran teilt, verurteilte die israelischen Angriffe. Der katarische Aussenminister nannte die Attacke «gefährlich und unverantwortlich», wie die «Times of Israel» berichtete.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian verurteilte den Angriff auf X. «Solche aggressiven Aktionen werden die Situation verschärfen und könnten zu unkontrollierbaren Folgen führen, die die ganze Welt betreffen», schrieb er.
Atomanlage im Iran entdeckt
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Jetzt also doch! Der Chef der internationalen Atombehörde, Rafael Grossi, hat bestätigt, dass eine neue iranische Urananreicherungsanlage in Isfahan entdeckt worden sei. Sie befinde sich unterirdisch in einem Nuklearkomplex, wird Grossi von verschiedenen Medien zitiert.
Schon zuvor gab es Spekulationen über eine mögliche, neue Anlage. Grossi gab zunächst jedoch an, der Status der Anlage werde überprüft. Diesen kenne man nicht. «Wir haben die Anlage noch nicht besucht», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Grossi.
Seit Kriegsbeginn sind die bekannten Anlagen massiv unter Beschuss. «Der Iran darf nie eine Atomwaffe haben.» Mit diesem Credo sind US-Präsident Donald Trump und US-Vize J. D. Vance in den Iran-Krieg eingestiegen. Zuvor fanden Verhandlungen statt, die jedoch zu keinem Ergebnis geführt haben.
Iraner rufen zur Evakuierung von Golfstaat-Gebieten auf
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Es ist eine bedrohliche Nachricht für die Golfstaaten. Die iranischen Revolutionsgarden haben laut «Tehran Times» Evakuierungsanordnungen für mehrere Gebiete in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar herausgegeben. Insgesamt sei mit Angriffen auf vier Energieanlagen zu rechnen, «die bisher als sicher galten».
Laut einem Sprecher der Revolutionsgarden soll es «in den nächsten Stunden» zu Angriffen kommen.
Die Golfstaaten gerieten bereits an Tag eins zwischen die Fronten des Krieges. Es gab Angriffe auf Hotels, Botschaften und bekannte Ausflugsziele. Hier kannst du nachlesen, wie sich das Leben in den betroffenen Ländern in den letzten Wochen verändert hat.
Nach Wut-Auftritt: Trump droht weiter
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Am Tag nach seinem Wut-Auftritt hat sich US-Präsident Donald Trump erneut zum Iran-Krieg und der Rolle der Europäer geäussert. «Ich frage mich, was passieren würde, wenn wir den iranischen Terrorstaat endgültig ausschalten und die Länder, die sie nutzen – wir tun das nicht –, für die sogenannte Strasse verantwortlich machen würden. Das würde einige unserer unkooperativen Verbündeten auf Trab bringen, und zwar schnell!!!», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Bei einem Auftritt im Weissen Haus warf Trump den Nato-Staaten vor, die USA im Stich zu lassen. Hintergrund ist die Lage in der Strasse von Hormus. Die USA versuchen bereits seit einigen Tagen eine Koalition aus Ländern zu schmieden, die Amerika dabei helfen könnten, die Meerenge zu schützen. Die Nato-Staaten erteilten Trump eine klare Absage.
Israelischer Offizieller: Nächster Iran-Minister ist tot
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Der nächste Mullah wurde eliminiert. Wie ein israelischer Offizieller gegenüber «Fox News» verrät, starb Nachrichtenminister Esmaeil Chatib in der Nacht auf Mittwoch bei einem Luftangriff Israels. Später bestätigten sowohl Israel als auch der Iran offiziell den Tod Khatibs.
Chatib unterstehen rund 30'000 Geheimdienstmitarbeiter. «Dieser Mann hatte amerikanisches Blut an den Händen. Sein Netzwerk hatte es gezielt auf amtierende und ehemalige US-Beamte abgesehen, darunter auch Präsident Donald Trump», erklärte ein Beamter gegenüber «Fox News». Die US-Regierung hatte eine Belohnung für Hinweise auf Chatib ausgesetzt.
Israel und die USA versuchen, die oberste Riege des iranischen Regimes gezielt auszuschalten. US-Präsident Donald Trump betonte mehrfach, dass die Führung nach und nach erodiert werde. Am Dienstag starb der iranische Sicherheitschef Ali Laridschani. Ein Porträt zu seiner Rolle als Schlüsselfigur hat mein Kollege Daniel Macher verfasst.
«Ich weiss nicht, warum die Amerikaner das einfach nicht begreifen»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Mullahs werden von den USA und Israel weiter ins Visier genommen. Nach dem Schlag gegen Irans Sicherheitschef Ali Laridschani fragen sich viele: Bricht die Mullah-Kommandozentrale nun völlig zusammen?
In einem Interview mit dem TV-Sender Al Jazeera äusserte sich der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi jetzt zur Machtfrage. Er betonte, dass der Wegfall von Laridschani dem iranischen System keinen Abbruch tun werde. «Ich weiss nicht, warum die Amerikaner und die Israelis diesen Punkt immer noch nicht begriffen haben: Die Islamische Republik Iran verfügt über eine starke politische Struktur mit etablierten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen.» Die Abwesenheit einer Person werde daran nichts ändern.
«Natürlich haben Einzelpersonen Einfluss, und jeder spielt seine Rolle – manche besser, manche schlechter, manche weniger –, aber entscheidend ist, dass das politische System im Iran eine sehr solide Struktur aufweist.» Auch nach dem Verlust von Ali Chamenei (†86) habe man es geschafft, das System weiter aufrechtzuerhalten. «Das System stellt sofort einen Ersatz bereit.» Man habe nie eine Person gehabt, die wichtiger sei, als der Führer selbst. Und selbst diesen Verlust konnten die Strukturen überwinden.
«Wird eine andere Person zum Märtyrer, ist es dasselbe», so Araghtschi. Auch auf das eigene Risiko zu sterben wird der Iraner angesprochen. Araghtschi dazu: «Sollte der Aussenminister zum Märtyrer werden, wird es unweigerlich jemanden geben, der sein Amt übernimmt.»
Mein Kollege Mattia Jutzeler hat das Hydra-Modell des iranischen Staates in diesem Artikel erklärt. Dabei sticht heraus: Jede Position hat vier Nachfolger.