Unterwegs in Litauen: Kurische Nehrung Erholsame Idylle an der Ostsee

Kultur, Geschichte und vor allem die Natur locken immer mehr Touristen nach Litauen. Der Baltenstaat punktet mit Hunderten von Seen, Schlössern und romantischer Landidylle. Lohnenswert ist aber auch der Besuch der Kurischen Nehrung, eines 100 Kilometer langen Landstreifens an der Ostsee.

Tipp für Ferien an der schönen Ostsee: Kurische Nehrung in Litauen play

Am Ostseestrand auf der Kurischen Nehrung kann man romantische Sonnenuntergänge geniessen.

Christian Bauer

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Die Fährfahrt hat alles zu bieten, was man sich von einer Seereise erträumt: Wellengang, zerzauste Haare an der Reling und Möwengeschrei – und das alles in nur vier Minuten. Die Strecke vom litauischen Klaipėda auf die Kurische Nehrung ist die wahrscheinlich kürzeste Fährverbindung der Welt. Und es ist der Übergang zwischen zwei Welten, von Industriehafen-Chic zu einem der grössten Naturwunder Nord-Ost-Europas.

Litauen ist eine Destination für Insider

Litauen, der südlichste der drei baltischen Staaten ist noch immer eine Reisedestination für Insider. Etwas grösser als die Schweiz, bei nur 2,8 Millionen Einwohnern, ist Litauen besonders bei Geschichts- und Kulturreisenden beliebt. Die Hauptstadt Vilnius ist ein architektonisches Schmuckstück, und im Land verteilt finden sich viele mittelalterliche Burgen wie die romantische Burg Trakai bei Vilnius sowie Überbleibsel aus der Sowjetzeit. Auch Outdoorfans kommen auf ihre Kosten: In dem eher flachen Land gibt es viele Möglichkeiten für Velotouren, Kanufahrten und Wanderungen.

Die Kurische Nehrung an Ostsee ist ein Naturwunder

Uns zieht es in der herbstlichen Sonne allerdings ans Meer, auf die Kurische Nehrung, die sich nicht entscheiden kann, ob sie wie Italien oder doch lieber wie Schweden sein will. Die Kurische Nehrung ist ein knapp 100 Kilometer langer und nur etwa 2 Kilometer breiter Streifen, der die Ostsee vom Süsswassersee «Kurisches Haff» trennt.

Wind und Wasser haben in wenigen tausend Jahren eine Sandbank erschaffen, deren Dünen sich teilweise bis zu 60 Meter über das Meer erheben – das ist ein europäischer Spitzenwert. Allerdings fühlt man sich nur an wenigen Stellen auf dem Sandfinger wie in der Sahara: Meist sind die Dünen mit Kiefernwald bedeckt, der als natürlicher Erosionsschutz dient.

 

Dazwischen hocken fünf farbenfrohe Fischerdörfer, die trotz Tourismus noch ihren alten Charme bewahrt haben. Diesen Mix aus historischen Dörfern und der einzigartigen Naturlandschaft hat die Unesco im Jahr 2000 konsequenterweise zum Weltkulturerbe erhoben.

Wir machen es wie die Litauer in den Sommerferien: Wir haben uns in einem typischen Fischerhäuschen mit Schilfdach, einem sogenannten Reetdach, eingenistet, das keine fünf Meter vom Haff entfernt steht. Ausser zwei Restaurants, einem Imbiss, einem Veloverleih und einem Tante-Emma-Laden gibt es hier im Dörfchen Preila nichts: kein Rambazamba, keine Party, der perfekte Ort, um zu entspannen und die Sorgen fahren zu lassen. Während wir im Liegestuhl relaxen, schauen uns Kormorane zu, die auf der Kaimauer ihre Federn trocknen. Abends lullt uns sanftes Wellengeplätscher in den Schlaf.

Das Programm heisst hier Burnout-Prophylaxe durch Entspannung

Kein Wunder, hat die Nehrung Künstlern einen Kreativitätsschub verpasst: Die Maler Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff waren hier, und auch der deutsche Schriftsteller-Titan Thomas Mann hat sich im Ort Nida in den 30er-Jahren gar ein Ferienhäuschen gebaut. Die Sehenswürdigkeiten der Halbinsel, die sich Litauen zu 50 Prozent mit Russland teilt, hat man zugegebenermassen an einem Tag abgeklappert: das Thomas-Mann-Museum, ein paar Ausstellungen zur Kultur der Nehrung und die grossen Dünen. Ansonsten heisst das Programm hier: Burnout-Prophylaxe.

Etwas Velo fahren, nichts tun und gut essen. Für das Picknick am Strand kaufen wir etwas Fisch, frisch aus der Räucherkammer – die Spezialität der Insel. Jeder hier scheint die Delikatesse in seinem Garten zu produzieren und sie unter der Hand zu verkaufen. Ein weiterer Gaumenschmaus, der derzeit in Massen auf den Moosteppichen der Wälder spriesst, sind Pilze – die Leibspeise der Litauer. Pilzsammlerin Olga ist extra vom Festland herübergekommen. «Hier gibt es die feinsten Pilze Litauens», schwärmt sie, in der Hand einen Eimer voller Maronenröhrlinge. Ob sie diese an die lokalen Restaurants verkauft, möchten wir wissen. «Nein, ich sammele fürs Familienfest.» Uns schenkt sie allerdings zwei Hand voll.

Am Ostsee-Strand nach Bernstein suchen

So sanft das Leben am Haff ist, so dramatisch ist es nur knapp zehn Velominuten entfernt auf der anderen Seite der Halbinsel: Hier donnert die Ostsee an diesem Tag mit voller Wucht auf den Sandstrand. Wind ist aufgekommen. Am Ende der Saison haben wir den Sandstrand für uns – doch auch in der Hauptsaison sind die bewirtschafteten Strände meist nicht überlaufen. Hier ist es herb und rau, es schmeckt nach Salz und Ferne. Der Wind peitscht nicht nur das Meer auf, er pustet auch den letzten Kummer weg. Der Mini-Sturm kommt wie gerufen. Bei Wellengang spuckt das baltische Meer nämlich seine Schätze aus: Bernstein.

Das versteinerte Harz ist das Gold des Baltikums. Kein Strassenhändler, der nicht Bernsteinschmuck verkauft, allerdings handelt es sich bei den billigen Stücken oft um Plastikimitate. Daher versuchen wir am Spülsaum unser Bernstein-Glück – leider ohne Erfolg. Egal, als Trost beschenkt uns der Himmel mit einem Sonnenuntergang der Superlative. Man müsse die Kurische Nehrung unbedingt ein Mal im Leben gesehen haben, sagte der Naturforscher Wilhelm von Humboldt einst, «wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll». Wie wahr!

Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Kommunikationsleiterin, Hotelplan ZVG

Experten-Tipp: Baltische Staaten an der Ostsee

Litauen, Lettland, Estland – die drei kleinen Länder erfreuen sich seit einigen Jahren immer grösserer Beliebtheit. Aus gutem Grund: Die baltischen Staaten an der Ostsee haben enorm viel zu bieten. Quirlige Hauptstädte, alte Schlösser und mittelalterliche Provinzstädtchen ziehen nicht nur Kulturfreunde in den Bann.

Sei es für eine Städtereise, eine Mietwagenrundreise oder einen Kulturausflug: Das Baltikum bietet für jeden Besucher etwas. Sie möchten die Region auf eigene Faust erkunden, haben aber keine Lust darauf, täglich eine Unterkunft zu suchen? Dann ist ein Mietwagen- oder Motorhome-Rundtrip das Richtige für Sie.

Wer noch etwas Abenteuer sucht, dem empfehlen wir eine Rundreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Oder Sie treten in die Pedale und entdecken das Baltikum per Velo. www.travelhouse.ch

 

Informationen zu den Ferien an der Ostsee in Litauen

Hinkommen

Für Individualreisende empfiehlt sich der Flug mit der Billigfluglinie Germania Air. Seit neustem fliegt die Airline immer montags und donnerstags von Zürich direkt nach Vilnius. www.germania.ch

Herumkommen

Wer ausserhalb von Vilnius das Land entdecken will, sollte sich ein Fahrzeug mieten. Die Strassen sind in gutem Zustand. Allerdings scheint riskantes Überholen ein Nationalsport zu sein. Auf Landstrassen sollte man deshalb vorausschauend fahren!

Einreise

Litauen ist ein EU-Land.

Geld

EC- und Kreditkarten werden selbst für kleine Beträge akzeptiert.

Sprache

In den touristischen Zentren sprechen die Menschen Englisch, zum Teil auch Deutsch.

Bernstein

An jeder Ecke wird Bernstein-Schmuck angeboten. Allerdings hat echter Bernstein auch in Litauen seinen Preis. Billige Stücke sind meist Fälschungen (Kunstharz, zusammengeschmolzene Steine). Bernstein sollte also nur in Spezialgeschäften gekauft werden, wo es auch ein Echtheitszertifikat gibt. Einen schönen Überblick über die grosse Vielfalt des Bernsteins und verschiedene Verarbeitungstechniken gibt das Bernsteinmuseum in Vilnius. www.ambergallery.lt

Informationen

www.lithuania.travel

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Publiziert am 05.10.2016 | Aktualisiert am 06.01.2017
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