Darum gehts
- Hug wirft der Migros vor, das Verpackungsdesign seiner Wernli-Butterherzli kopiert zu haben
- Auf Linkedin spottet Hug mit süffisanter Bastelanleitung
- Die Migros weist den Kopiervorwurf zurück
Die Migros mag es nicht, wenn die Konkurrenz bei ihren Verpackungsdesigns abkupfert – und geht manchmal sogar juristisch dagegen vor. 2016 mahnte der orange Riese den Discounter Lidl mit einer Unterlassungserklärung ab, weil dessen Eistee-Flaschen stark an den kultigen Migros-Ice-Tea erinnerten. 2018 zog Migros wegen Coops Country-Riegeln gar vors Aarauer Handelsgericht – und errang im Streit um die Farmer-Verpackung einen Teilsieg.
Jetzt dreht Guetzli-Riese Hug aus Malters LU den Spiess um. Und feuert auf Linkedin eine Breitseite gegen die Migros, die selbst als Kopierkönigin gilt, ab.
«Liebe Migros-Gruppe, wir helfen doch gernli», beginnt der Post des Familienbetriebs. Der Grund für die süsse Retourkutsche: Migros hat die Verpackung ihrer Créa-d'Or-Herzli überarbeitet. Seither sehen sie den bekannten Butterherzli der Hug-Marke Wernli noch ähnlicher.
Bei Hug fühle man sich wegen der Kopie «ein wenig geschmeichelt», heisst es im Linkedin-Post. Damit sich die Migros bei der nächsten Verpackungsüberarbeitung Arbeit sparen kann, liefert das Unternehmen gleich die Druckvorlage des Originals mit. Nur das Rezept könne man leider nicht beilegen. Deshalb der gut gemeinte Rat an den Grossverteiler: einfach die echten Wernli-Butterherzli ins Sortiment nehmen.
«Tut schon ein bisschen weh»
Ganz so humorvoll, wie die Retourkutsche online präsentiert wird, ist die Angelegenheit für den Luzerner Familienbetrieb allerdings nicht. Bereits 2024 hatte der Hersteller die Lancierung der Migros-Butterherzli kritisiert. Gegenüber dem Branchenportal Persoenlich warnt Mitinhaberin und Co-Geschäftsleiterin Anna Hug (54) vor einer möglichen Verwechslung. Kunden könnten glauben, sie kauften Wernli-Guetzli – und seien dann vom Geschmack enttäuscht.
Dass Hug viel Geld in den Aufbau und die Pflege seiner Marke investiere, mache die Sache nicht angenehmer. «Das tut schon ein bisschen weh», sagt Hug.
Und was sagt die Migros zum Seitenhieb? Eine Sprecherin weist den Kopiervorwurf zurück: «Die Eigenmarke Créa d'Or hat ihre eigene Geschichte. Seit 1930 produziert die Migros in Meilen ZH Schweizer Biscuit-Spezialitäten», sagt sie. Mit dem neuen Verpackungsdesign wolle man diese Tradition stärker hervorheben. Rot sei dabei eine Farbe, die von verschiedenen Schweizer Traditionsmarken verwendet werde.
Die Kopiermaschine Migros
Auch Kleiderlabel nahm Migros per Linkedin auf die Schippe
Hug ist nicht das erste Schweizer Unternehmen, das dem orangen Riesen öffentlich eine Kopie vorwirft. Im September 2025 staunte Nicholas Hänny (34), Chef des nachhaltigen Aargauer Modelabels Nikin, über ein neues Migros-Pyjama. Auf dessen Oberteil prangen Tannenbäume, die ihn stark an das geschützte Logo seiner eigenen Marke erinnerten.
Hänny überlegte, rechtliche Schritte gegen den Detailhändler einzuleiten, wie er gegenüber der «Aargauer Zeitung» erzählt. Doch letztlich entschied er sich ebenfalls für einen Post auf der Netzwerkplattform. Auf Linkedin veröffentlichte er eine Collage mit der Botschaft: «Merci, Migros. Wir nehmen die Kopie als Kompliment.» – eine Anspielung auf die «Merci»-Kampagne zum 100. Migros-Geburtstag. Die Migros bestritt auch damals, sich beim Konkurrenten bedient zu haben.