ZKB-Chef Urs Baumann
«Grosskunden zahlen Negativzinsen»

Der CEO sorgt sich um die tiefen Zinsen, die Bank belastet Grosskunden bereits teilweise mit Negativzinsen, nicht aber Privatkunden.
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ZKB-Chef Urs Baumann ist trotz tiefer Leitzinsen optimistisch.
Foto: Keystone
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Holger Alich und Melanie Hobi
Handelszeitung

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat das Jahr 2025 mit guten Zahlen abgeschlossen. Die ZKB fuhr 2025 einen Gewinn von 1,24 Milliarden Franken ein, das sind deutliche 10,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Unterschied zu anderen Kantonalbanken konnte die zweitgrösste Bank der Schweiz das Zinsergebnis stabil halten trotz gesunkener Leitzinsen. Die Eigner der Bank, der Kanton Zürich und die 160 Gemeinden, profitieren vom guten Abschluss, denn die ZKB schüttete ihnen den Rekordbetrag von 581 Millionen Franken aus. Im Gespräch mit der Handelszeitung blickt Bank-Chef Urs Baumann nach vorn und beschreibt seine Pläne und Herausforderungen für das laufende Jahr. 

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Das Zinsergebnis blieb im vergangenen Jahr überraschenderweise konstant. Das wird Ihnen in diesem Jahr aber kaum gelingen ...
Das wird eine Herausforderung. Im Jahr 2025 hatten wir noch ein halbes Jahr lang einen positiven Leitzins. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Im aktuellen Zinsumfeld werden die Margen im Passivgeschäft nochmals zurückgehen. Wir hoffen aber, dass wir das Zinsergebnis mit weiterem verantwortungsvollem Volumenwachstum halten können.  

Das Zinsergebnis konnten Sie 2025 aber nur halten, weil Sie die Vorsorge runtergefahren haben. Das können Sie so in diesem Jahr aber nicht wiederholen.
Wir haben die Vorsorge nicht reduziert. Einzig die Wertberichtigungen für erwartete Verluste sind aufgrund technischer Faktoren geringer ausgefallen. Diese sind davon abhängig, ob sich unsere Kundinnen und Kunden eher kurz- oder langfristig finanzieren möchten. Darauf haben wir keinen Einfluss. Die einzige Möglichkeit, das Zinsergebnis aktiv zu stabilisieren, ist daher mit einer Kompensation oder Überkompensation durch verantwortungsvolles Wachstum.

Aber ihr Bilanzwachstum ist doch politisch begrenzt – wächst die Bilanz stärker als die Wirtschaft im Kanton, bekommen Sie Ärger im Parlament.
Wir müssen gar nicht schneller wachsen als der Kanton. Die Wirtschaft in Zürich wächst pro Jahr um 1 bis 3 Prozent. Das ermöglicht uns, mit unseren Kreditengagements zu wachsen. Und mit dem können wir das auffangen. Zudem besteht die Möglichkeit, steigende Refinanzierungskosten an die Kunden weiterzugeben.

Das heisst: Es wird teurer für die Kunden?
Dies hängt davon ab, wie sich die Refinanzierungskosten entwickeln, und diese entwickeln sich unabhängig vom Leitzins.

Sind die Zinsen null, drückt das die Marge. Sind damit die Gratisangebote in Gefahr, wie beispielsweise das kostenlose Lohnkonto?
Nein. Wir bei der ZKB sind stolz auf unseren Leistungsauftrag, der uns auch gegenüber unseren Kundinnen und Kunden verpflichtet. Daran ändert auch das Nullzinsumfeld nichts. Unser kostenloses Angebot für Privatkunden bleibt bestehen.

Urs Baumann ist seit September 2022 CEO der ZKB.
Foto: keystone-sda.ch

Erheben Sie bereits Gebühren auf hohe Sichtguthaben?
Seit der Leitzins bei null ist, bezahlen wir auf Guthabenbestände bei der Schweizerischen Nationalbank über einer definierten Freigrenze Negativzinsen von 25 Basispunkten. Diesen negativen Zins wenden wir im Interbankenmarkt, im institutionellen Geschäft und differenziert bei Grosskunden mit hohen Liquiditätsbeständen an. Privatpersonen sowie KMU sind heute nicht betroffen. 

Aber wenn die SNB die Zinsen tiefer ins negative Terrain drücken sollte, kommen auch die Strafzinsen für Privatleute wieder?
Hier gibt es eine klare Reihenfolge. Privatkunden und KMU mit kleineren Guthaben werden, wenn überhaupt, zuletzt belastet. Diese Kunden müssen sich also keine Sorgen machen. 

Seit Jüngstem arbeitet Susanne Thellung für die ZKB als Chefin der neuen Sparte Retailbanking. Was genau ist ihr Job?
Susanne Thellung ist die Chefin der Geschäftseinheit Privatkunden, die aus dem erfolgreichen Zusammenschluss zweier grosser Bereiche im November entstanden ist und unser Kerngeschäft repräsentiert. Frau Thellung ist erfolgreich unterwegs und bringt Elan und Drive ins Privatkundengeschäft, das einen Grossteil unseres Geschäfts ausmacht. Wir sehen weiteres Potenzial in diesem Bereich, um unser Leistungsversprechen noch konsequenter einlösen zu können.

Gehts ein bisschen genauer? Heisst das, Frau Thellung soll den kleineren Kunden mehr Geld aus der Tasche ziehen?
Sie sollen umfassender beraten werden.

Aber beim Verkauf von Hypotheken und den meisten anderen Produkten sind sie schon Marktführer, da wird doch weiteres Wachstum schwierig? Welche Möglichkeiten sehen Sie da noch?
Überall. Vor der Umorganisation war der Privatkundenbereich von Frau Thellung den Bereichen Products and Services sowie Private Banking zugeteilt. Mit dem Zusammenschluss entstand eine neue Geschäftseinheit, die sich ganzheitlich um genau dieses Kundensegment kümmert. Alleine dadurch entstehen neue Wachstumsmöglichkeiten. Wir sprechen von der Stärkung der Service- und Beratungsqualität sowie von neuen Produktangeboten.

Zuletzt hat es einige Veränderungen in der Geschäftsleitung gegeben. Ist das Absicht oder Zufall?
Das hat mehrere Gründe. Wir haben einerseits geplante Wechsel in der Generaldirektion. So gab es eine Reihe Mitglieder, die in den 60er-Jahren geboren sind und die nun nach und nach pensioniert werden. Daniel Previdoli, Leiter Products & Services, ist der Letzte aus dieser Management-Generation. Diese Pensionierungen wurden systematisch nachbesetzt. Hinzu kamen strategische Entscheidungen, allen voran die Gründung des neuen Geschäftsbereichs für Privatkunden. Dafür haben wir gezielt mit Susanne Thellung eine passende Persönlichkeit rekrutiert.

Ein Wachstumsbereich ist die Vermögensverwaltung. Haben Sie im Privatebanking die Schwelle von 100 Milliarden Franken Kundenvermögen bereits überschritten?
Noch nicht ganz.

Geht es auch hier etwas genauer, bitte?
Wir legen das nicht im Detail offen, ganz einfach, weil es uns nichts bringt. Wir sind eine Bank, mit Assetmanagement, Private Banking und Retail-Geschäft, und alle Bereiche arbeiten gemeinsam am Erfolg. Wer wo gebucht ist, ist irrelevant.

Im Private Banking sind sie längst schweizweit unterwegs. Aber Sie haben keine Büros in Genf, Lugano oder Basel. Warum eigentlich nicht?
Ausserhalb unseres Heimatmarktes in Zürich wachsen wir im Private Banking vor allem im Bereich der Ultra-High-Net-Worth-Kunden. Und dafür brauchen wir keine Filialen, diese Kunden kommen sehr gerne zu uns nach Zürich, oder wir reisen zu ihnen in die Westschweiz. Im Pensionskassen-Geschäft dagegen, wo sehr intensive Beratung nötig ist, haben wir uns entschieden, in Lausanne ein Vertriebsbüro aufzumachen.

Aber die Beratung von UNHWI-Kunden ist doch mindestens so komplex wie die einer Pensionskasse?
Die Private-Banking-Kundschaft ist reisewilliger, daher sehen wir hier die Notwendigkeit nicht.

Wollen Sie im Privatebanking das Auslandsgeschäft ausbauen? So gibt es ja jetzt neu den erleichterten Marktzugang nach Grossbritannien ...
Derzeit bedienen wir britische Kunden nur passiv, sprich, wenn sie von sich aus nach Zürich kommen. Aber wir prüfen derzeit, ob der britische Markt für uns möglicherweise als aktiver Markt eine Opportunität darstellen könnte.

Sie sind stolz auf ihre hohe Eigenkapitalquote, aber eigentlich enthalten Sie dem Kanton doch damit einige Millionen, mit denen er noch mehr Velowege bauen könnte ...
Der Kanton ist vor allem an einer sicheren Bank interessiert. Und diesem Wunsch kommen wir mit einer hohen Eigenmittelausstattung entgegen, die weit oberhalb der regulatorischen Anforderungen liegt. Der Kanton ist zudem zufrieden mit der Höhe der Ausschüttung – hier wollen wir vor allem vermeiden, dass die Ausschüttung von Jahr zu Jahr schwankt. Sprich, die Stabilität und Sicherheit werden höher gewichtet.

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