Abfall, Lärm, Einbrüche – Besitzerin will durchgreifen
Instagram-Touristen bringen Schwyzer Älpler im Muotatal zur Weissglut

Wildcamper und Touristen sorgen auf einer Alp im Muotatal für mächtig Ärger. Jetzt hat die Grundbesitzerin genug – und will ein schärferes Verbot durchsetzen. Auch andere Schweizer Bergorte kämpfen mit dem Problem.
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Ein Naturparadies auf rund 2000 Metern: Rupperslaui im Muotatal mit dem zugehörigen Alp-Teich. Im Hintergrund: der Achslenstock.
Foto: Instagram / @schneeracer

Darum gehts

  • Wildcamper verursachen auf Rupperslaui im Muotatal SZ Abfall, Diebstähle und beschädigte Schutzzäune
  • Die Grundeigentümerin, OAK Schwyz, prüft deshalb ein richterliches Campingverbot
  • Auch andere Schweizer Bergregionen kämpfen mit Wildcampern und greifen zu strengeren Massnahmen
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Jeden Sommer bringt Älpler Oskar Gwerder seine 400 Schafe auf die Alp Rupperslaui im Muotatal SZ. Jahrelang konnte er die Alpsaison in seiner Hütte beim idyllischen Bergteich in Ruhe verbringen. Doch spätestens seit dem Corona-Jahr 2020 ist es damit vorbei. Seit Rupperslaui einmal in den sozialen Medien viral ging, machen rücksichtslose Touristen dem Älpler das Leben schwer.

«Wir werden von Instagram- und Tiktok-Leuten belagert», klagt Gwerder gegenüber dem «Boten der Urschweiz». Regelmässig schlagen Touristen aus dem In- und Ausland ihre Zelte beim kleinen Teich auf rund 2000 Metern auf. Und das, obwohl mehrere Schilder ausdrücklich auf das Campingverbot hinweisen. «Fast täglich» muss Gwerder die Wildcamper zurechtweisen.

Camper klauen Zaunpfähle und brechen in Hütte ein

Doch die Touristen sorgen nicht nur mit ihren Zelten für Ärger. Sie hinterlassen Abfall, klauen Zaunpfähle, um damit Feuer zu machen und beschädigen Herdenschutzzäune. Sogar in eine Alphütte wurde bereits eingebrochen. Für Gwerder hat das gravierende Folgen: Der kleine Teich ist im Sommer die einzige Wasserquelle für seine Schafe. Wegen der Camper trauen sich die Tiere teilweise nicht mehr ans Wasser. Und durch beschädigte Herdenschutzzäune sind sie Raubtieren schutzlos ausgeliefert.

Auch bei der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz, der das Gebiet gehört, ist der Ärger gross. «Es ist bedauerlich, dass ein respektvoller Umgang mit der Natur und fremdem Grundeigentum heute offenbar nicht mehr selbstverständlich ist», sagt eine OAK-Sprecherin zu Blick. «Grundeigentum wird teilweise behandelt, als wäre es frei verfügbar.» Die Kosten für die Schäden bleiben an den betroffenen Älplern hängen. «Das ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung», so die Sprecherin.

Weil die bisherigen Verbotsschilder keine Wirkung zeigen und rechtlich nicht durchsetzbar sind, prüft die OAK ein schärferes Vorgehen. Nun steht ein offizielles richterliches Campingverbot zur Diskussion. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Der Verwaltungsrat soll sich noch in diesem Jahr mit dem Thema befassen.

Mit den Problemen sind die Betroffenen im Muotatal nicht allein. Der wachsende Touristenansturm auf kleine Schweizer Bergorte macht immer mehr Gemeinden zu schaffen. Mit Campingverboten, Gebühren und speziellen Übernachtungszonen versuchen sie gegenzusteuern. In Regionen wie Obergoms VS, Zermatt VS oder dem Alpstein AI sind zudem sogenannte Alpenranger unterwegs, die Besucher auf die Regeln aufmerksam machen und Wildcamper zurechtweisen.

Wie unterschiedlich die Verantwortlichen gegen die Probleme vorgehen, zeigen zwei weitere Fälle, die jüngst für Wirbel sorgten:

Muttenkopf GL: Vom Naturparadies zur Zeltstadt

Auch der Glarner Muttenkopf mit seiner spektakulären Aussicht auf den Limmerensee wurde durch Social Media zum Touristenmagneten. Bei schönem Wetter schlagen dort zahlreiche Wildcamper ihre Zelte auf und verwandeln die Gegend in eine kleine Zeltstadt. Sie hinterlassen Abfall und nutzen ungefragt Toiletten und Wasser der nahegelegenen Muttseehütte. Die Gemeinde Glarus Süd reagierte: 2024 wurden am Panixerpass und am Oberblegisee offizielle Campingverbote eingeführt. Seit 2025 gelten auch am Muttenkopf Einschränkungen.

Seewlisee UR: Campieren kostet jetzt 20 Franken

Einen anderen Weg geht die OAK Uri am Seewlisee. Auch dort sorgten Wildcamper zunehmend für Abfall, Hygieneprobleme und Ärger mit der Älplerschaft. Im Juni 2026 führte die Grundeigentümerin deshalb neue Regeln ein. Seither darf am Bergsee nur noch mit vorgängiger Bewilligung gezeltet werden. Diese kostet 20 Franken pro Person und Nacht. Zudem dürfen die Zelte nur auf einer dafür vorgesehenen Fläche stehen, und die Anzahl Plätze ist beschränkt.

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