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Im Januar 2025:Lara Stoll steht in riesiger Schlange für Wohnungsbesichtigung

Weil Wohnungen fehlen
Auszug zu teuer – Junge werden zu unfreiwilligen Nesthockern

Der Wunsch nach der ersten eigenen Wohnung lebt. Doch immer mehr junge Erwachsene müssen wegen des knappen Angebots damit warten, wie das neue Immo-Monitoring von Wüest Partner zeigt.
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Meterlange Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen sind längst keine Seltenheit mehr.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Wegen Wohnungsknappheit bleiben viele junge Schweizer länger bei den Eltern oder ziehen in WGs
  • Besonders ausgeprägt ist der Trend in Kantonen mit sehr angespannten Märkten wie Zürich
  • Laut Wüest Partner wurden in den letzten drei Jahren schätzungsweise 20'000 bis 30'000 Haushaltsgründungen aufgeschoben
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Freie Wohnungen sind in der Schweiz ein rares Gut. Längst nicht mehr nur bezahlbare. Der überhitzte Wohnungsmarkt trifft zwei Bevölkerungsgruppen besonders hart: Seniorinnen und Senioren und junge Menschen. Letztere mutieren wegen des knappen Angebots und der hohen Mieten zunehmend zu Nesthockern, wie das am Donnerstag veröffentlichte Immo-Monitoring von Wüest Partner zeigt.

«Die Menschen rücken zusammen, statt eigene Haushalte zu gründen», fasst die Studie den Befund zusammen. Besonders deutlich zeigt sich das bei den 15- bis 34-Jährigen: Zwischen 2018 und 2022, als der Wohnungsmarkt noch vergleichsweise entspannt war, stieg der Anteil der Alleinlebenden in dieser Altersgruppe von 12,7 auf 14 Prozent. Seither geht es wieder bergab: 2025 lebten nur noch 13,7 Prozent der Jungen alleine in einer eigenen Wohnung.

Je knapper der Wohnraum, desto mehr Nesthocker

Besonders stark ist der Rückgang dort, wo Wohnungen besonders knapp sind: In Zürich sank der Anteil der allein lebenden Jungen seit 2022 um einen Prozentpunkt, im Kanton Schwyz um 0,9 und in Zug um 0,8 Prozentpunkte. In den Kantonen mit einem grösseren Wohnraum-Angebot – etwa Neuenburg, dem Tessin oder dem Jura – nahm der Anteil der Jungen mit eigener Wohnung dagegen weiter zu. Für die Immobilienexperten ist das kein Zufall: «In angespannten Märkten leben junge Menschen somit häufiger als Paar, in Wohngemeinschaften oder bei ihrer Familie.» Dass dahinter ein freiwilliger Lifestyle-Wandel steckt, bezweifelt Wüest Partner: Ausschlaggebend dürften vielmehr die Marktbedingungen sein, heisst es im Bericht. Heisst: Junge Menschen wünschen sich weiterhin eine Wohnung für sich, finden aber zunehmend kein passendes Angebot.

Dafür spricht ein weiteres Ergebnis: Die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation ist in den vergangenen Jahren gesunken, während der Wunsch nach einem Umzug gestiegen ist – auch hier stechen die Jungen hervor. Tatsächlich gezügelt wird aber immer seltener: Zwischen 2015 und 2019 wechselten jährlich durchschnittlich 10,1 Prozent der Bevölkerung den Wohnort, 2023 und 2024 waren es nur noch 9,3 Prozent.

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Wunsch nach der eigenen Wohnung bleibt

Dass immer weniger Einzelpersonen eine eigene Wohnung suchen, zeigt sich auch an der Haushaltsgrösse: Zwischen 2019 und 2021 trugen Ein- und Zweipersonenhaushalte klar am meisten zum generellen Haushaltswachstum bei. Die Einpersonenhaushalte machten knapp zwei Drittel aus. Doch der Trend hat unfreiwillig wieder gedreht: Seit 2023 legen Haushalte mit drei oder mehr Personen deutlich stärker zu.

Wie stark die Wohnungsknappheit die Gründung neuer Haushalte bremst, lässt sich noch weiter beziffern: Hätten sich in den vergangenen drei Jahren gleich viele Menschen wie zwischen 2013 und 2022 für eine eigene Bleibe entschieden, gäbe es in der Schweiz heute 20'000 bis 30'000 Haushalte mehr – vorsichtig geschätzt, wie Wüest Partner betont. Die tatsächliche Zahl könnte deutlich höher liegen.

«Die Nachfrage ist nicht weg – sie wartet», warnt die Studie. Etwa in Form von jungen Erwachsenen, die länger im Hotel Mama bleiben. Oder von WG-Bewohnern und Paaren, die eigentlich lieber allein wohnen würden.

Diese aufgestaute Nachfrage birgt weiteren Zündstoff für den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Denn die aufgeschobenen Haushaltsgründungen dürften früher oder später nachgeholt werden – und damit den Druck auf den Wohnungsmarkt noch länger hochhalten.

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