Wegen Krieg im Iran
SNB-Chef Schlegel hat die Wahl zwischen Pest, Cholera und Malaria

Die Weltlage treibt den Ölpreis nach oben, die Zinsen steigen und der starke Franken schadet der Wirtschaft. Die Nationalbank steht vor einer schwierigen Zinsentscheidung.
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Der Konflikt liess den Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel hochschnellen.
Foto: AP

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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Seit zwei Wochen tobt der Krieg gegen den Iran und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Angriffe von Israel und den USA bringen Leid für die Zivilbevölkerung im Nahen Osten – und sie haben die Weltwirtschaft ins Chaos gestürzt. Der internationale Flugverkehr ist massiv gestört, die Lieferketten geraten ins Stocken, die Aktienmärkte taumeln, die Stimmung rasselt in den Keller. Am offensichtlichsten jedoch die rasant steigenden Energiepreise – der Ölpreis kletterte am Freitag auf 103 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent. 

Die Preisspirale an den Rohstoffmärkten schlägt weltweit durch. Als direkte Folge kletterte der Heizölpreis in der Schweiz seit Ausbruch des Kriegs von 96 Franken auf 132 Franken für 100 Liter – eine Steigerung um 37 Prozent. Eine Tankfüllung über 3000 Liter hat sich um über 1000 Franken verteuert. Auch das Benzin hat sich deutlich verteuert, wenn auch prozentual nicht so stark, weil hohe Steuern und Abgaben in die Preisentwicklung in der Schweiz dämpfen. Ein Hauptprofiteur der Krise ist Wladimir Putin (73), dem es täglich 150 Millionen Dollar zusätzlich in die Kassen spült.

Ölpreis verteuert Hypotheken

Die steigenden Rohölpreise haben auch indirekte Folgen. Sie heizen die Inflationserwartungen an, die sofort die langfristigen Zinsen emporschiessen lassen. So haben sich seit Ausbruch des Kriegs die langlaufenden Hypotheken in der Schweiz deutlich verteuert. Am 27. Februar – also einen Tag vor Ausbruch des Kriegs – lag der sogenannte Swap-Satz mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 0,495 Prozent. Letzten Freitag notierte er bereits bei 0,715 Prozent – eine Steigerung um 44 Prozent. Der Swap ist der Basissatz, auf dem Banken den Zins für Festhypotheken berechnen. 

Die Krise am Golf führt aber noch zu weiteren Kollateralschäden. Immer wenn internationale Grosskonflikte ausbrechen, ist der Schweizer Franken als Fluchtwährung gesucht. Auch jetzt nutzen ihn Anleger aus der ganzen Welt als sicheren Hafen. Weil der Franken so stark nachgefragt ist, legte sein Wert gegenüber anderen wichtigen Währungen zu. In diesem Jahr hat er sich zum Euro um 3 Prozent und zum US-Dollar um 2 Prozent verteuert.

Das bringt Schweizer Exporteure in Bedrängnis – die ohnehin mit Lieferkettenproblemen, steigenden Rohstoffpreisen und einer sich verschlechternden Investitionsstimmung zu kämpfen haben. Der starke Franken macht es für sie zusätzlich schwieriger, mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Am Freitag kostete ein Euro noch knapp 90 Rappen – ein Tiefstand. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank im Jahr 2015 hat sich der Kurs vom damaligen Niveau von 1.20 Franken pro Euro deutlich nach unten entwickelt. Der Verlust beträgt rund 35 Prozent.

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SNB-Präsident steckt im Dilemma

Das fordert auch die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Martin Schlegel (49), Präsident des SNB-Direktoriums, steckt in einem Dilemma: Entweder bleibt er untätig und riskiert Schäden für die Exportwirtschaft, oder er versucht, den Höhenflug der Währung mit Interventionen stoppen – und setzt sich damit dem Vorwurf aus, den Wechselkurs zu manipulieren. Die dritte, noch extremere Variante wäre eine Rückkehr zu negativen Leitzinsen. Nichts tun, intervenieren oder negative Zinsen einführen – es ist eine Wahl zwischen Pest, Cholera und Malaria.

Deshalb blicken Ökonomen gespannt auf den nächsten Donnerstag. Dann wird Martin Schlegel seinen geldpolitischen Entscheid bekanntgeben. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Nationalbank von ihrer Nullzinspolitik nicht abrückt. Reto Cueni, Chefökonom der Bank Syz, erwartet, dass die SNB ihren Leitzins 2026 unverändert lassen wird. Cueni sieht die Lage nicht nur düster. Die Schweiz sei im Vergleich zur Eurozone besser gegen steigende Energiepreise geschützt, sagt er. Selbst bei einem längeren Konflikt dürften die Preise hierzulande nur verzögert steigen – auch weil ein stärkerer Franken importierte Inflation dämpft.

Möglicherweise versucht die Nationalbank bereits, den Wechselkurs zu beeinflussen. Eine Marke von rund 90 Rappen pro Euro scheint eine rote Linie zu sein. Gleichzeitig weiss die SNB aus Erfahrung, dass Deviseninterventionen nur begrenzt wirken. Hinzu kommt ein politisches Risiko: Ein gezieltes Abschwächen des Frankens könnte in den USA als Währungsmanipulation interpretiert werden. Die Spannungen sind ohnehin hoch, seit US-Präsident Donald Trump (79) der Schweiz wegen ihres Handelsüberschusses Strafzölle androhte. Fast ein Fünftel der Schweizer Exporte geht in die Vereinigten Staaten.

Bleiben Interventionen wirkungslos, könnte die Nationalbank als allerletzte Massnahme eben einen negativen Leitzins einführen. Die Schweiz lebte zwischen 2015 und 2021 mit einem Zinssatz von minus 0,75 Prozent. Eine Wiederholung würde bei Sparern auf grossen Widerstand stossen, Pensionskassen und Banken unter Druck setzen, die wieder weniger verdienen.

Die SNB hat wiederholt gesagt, dass sie diesen Schritt möglichst vermeiden will. «Wir mögen negative Zinsen nicht», sagte SNB-Präsident Martin Schlegel im Dezember. Er sagte aber auch: «Natürlich wären wir bereit, sie bei Bedarf wieder einzuführen.» Bei einem offiziellen Zinssatz von null Prozent gibt es geldpolitisch eigentlich nur noch eine Richtung. Die Verantwortlichen im Spitzengremium der Nationalbank haben derzeit kaum andere Optionen, um die Frankenstärke in den Griff zu bekommen.

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