Viele Berufsleute zahlen für ihr Werkzeug selbst – das geht ins Geld
Coiffeure schneiden schlecht ab

In vielen Branchen ist es üblich, dass die Angestellten ihr Material selbst mitbringen. Das kann teuer werden.
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Coiffeure brauchen ihre eigene Schere.
Foto: Shane Wilkinson
Moritz Kaufmann

Haare schneiden ist ein schönes Handwerk, reich wird man damit aber selten. Umso schmerzhafter ist es für viele Coiffeure, dass sie ihre Arbeitsutensilien selbst bezahlen müssen. Zwar will es die Tradition der Branche, dass jeder seine eigene Schere hat. Doch immer häufiger müssen Coiffeure für sämtliche Werkzeuge aufkommen, die sie benutzen: Maschinen, Föhne, Rasiermesser. Und das geht ins Geld. Nur schon eine anständige Schere kostet zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Franken.

«In der Coiffeurbranche ist es leider Usanz, dass die Arbeitnehmer Scheren, Kämme und – wie mir mittlerweile von verschiedener Seite bestätigt wurde –, auch die Haarschneidemaschinen selber beschaffen», sagt Irene Darwich, Zentralsekretärin der Gewerkschaft Syna.

Schon Lehrlinge müssen tief in die Tasche greifen

Besonders schmerzhaft ist das für die Lehrlinge. Schon sie brauchen eigene Werkzeuge. Bei der Lehrabschlussprüfung gibt es Abzug, wenn am Kamm ein Zacken fehlt oder ein einziges Haar in der Bürste zu sehen ist. Deshalb kaufen angehende Coiffeure ihr Material für die Prüfung oft ganz neu – in der Regel geht das nicht ohne finanzielle Unterstützung der Eltern. Aber auch nach der Lehre sind die Materialkosten eine Belastung. Das Coiffeurgeschäft gilt als Tieflohnbranche. Mit Lehrabschluss hat man laut GAV Anspruch auf monatlich 3800 Franken. Ein 13. Monatsgehalt ist nicht üblich. Da seien die Arbeitsutensilien im «Verhältnis zum Lohn ein erheblicher Ausgabenblock, was wir aus Gewerkschaftssicht klar kritisieren», sagt Gewerkschafterin Darwich.

Verbandspräsident sieht keinen Handlungsbedarf

Keinen Handlungsbedarf sieht Damien Ojetti (52), Präsident des Verbands Coiffuresuisse. «Jeder hat seine eigenen Hände. Deshalb benötigt auch jeder sein eigenes Werkzeug!» Und: «Wer sich für den Coiffeurberuf entscheidet, dem ist bewusst, dass er für das Material aufkommen muss.» Ojetti selbst führt einen Salon in Genf. Dort komme er zum Beispiel für die Haartrockner auf. «Mir ist wichtig, dass wir einheitliche Föhne haben.» Ansonsten bezahlen auch seine Angestellten für ihre Werkzeuge selber.

Für die Coiffeure wird sich jedenfalls so schnell nichts ändern. Die Verhandlungen zum neuen GAV wurden gerade beendet. Er soll nächstes Jahr in Kraft treten. Von Scheren und Föhnen steht darin nichts.

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