Rabatte für Engadiner geplant
Auswärtige zahlen bald mehr für den Vereina-Autoverlad

Wer im Engadin wohnt, soll künftig weniger für die Fahrt durch den Vereinatunnel zahlen. Das Bündner Parlament hat einem entsprechenden Vorstoss zugestimmt – gegen den Willen der Regierung. Der verantwortliche Ex-Grossrat Rico Kienz sagt: «Wir Engadiner sind benachteiligt.»
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Der 19 Kilometer lange Vereinatunnel verbindet Klosters im Prättigau mit Sagliains im Engadin.
Foto: PD

Darum gehts

  • Kantonsregierung Graubünden muss günstigere Vereina-Fahrten für Einheimische prüfen
  • Sie warnt vor jährlichen Mehrkosten von mindestens 200'000 Franken
  • Die RhB erwartet, dass ihr mögliche Einnahmeausfälle entschädigt werden.
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Am Dienstag fällte das Bündner Kantonsparlament einen brisanten Entscheid. Mit 65 zu 42 Stimmen überwies es einen entsprechenden Vorstoss eines ehemaligen Grossrats an die Regierung. Die Forderung: Einheimische sollen künftig günstiger durch den Vereinatunnel fahren können. Die «Südostschweiz» berichtete zuerst darüber.

Der Autoverlad der Rhätischen Bahn (RhB) verbindet Klosters GR mit Sagliains im Engadin. In 18 Minuten gehts mit dem Auto auf dem Zug durch den 19 Kilometer langen Tunnel. Die Verbindung ist ganzjährig in Betrieb und besonders im Winter wichtig, wenn der alternative Flüelapass gesperrt ist. Eine Fahrt kostet im Sommer 36, im Winter regulär 41 Franken.

Vergünstigungen gibt es bereits – allerdings nicht speziell für Einheimische. Engadiner Gemeinden verkaufen sogenannte Reseller-Tickets für 28 Franken, die RhB bietet aufladbare Wertkarten mit 16 bis 35 Prozent Rabatt. Nun muss die Bündner Regierung prüfen, wie sich zusätzliche Vergünstigungen für Einheimische umsetzen lassen.

«Wir Engadiner sind benachteiligt»

Hinter dem Vorstoss steckt Rico Kienz (67), der bis im Sommer 2026 für die FDP im Grossen Rat sass. Dass Einheimische keinen Spezialrabatt erhalten, findet er unfair: «Wir Engadiner sind benachteiligt, weil wir im Winter nur kostenpflichtig in das übrige Kantonsgebiet gelangen können», sagt der in Ramosch GR wohnhafte Ex-Grossrat zu Blick.

Auch die bestehenden Angebote überzeugen ihn nicht. Ein Reseller-Billett zu kaufen sei umständlich: «Immer muss man von neuem auf die Gemeinde», sagt Kienz zu Blick. Für Vielfahrer wie ihn seien die Wertkarten der RhB attraktiver. Deshalb fordert Kienz, dass der Kanton die Autoverlad-Fahrten für Einheimische zusätzlich verbilligt. Mit einem Rabatt von 25 bis 30 Prozent wäre er zufrieden. Ganz gratis soll die Fahrt aber nicht werden, stellt er klar.

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Rabatte würden 200'000 Franken kosten

Doch wer soll das bezahlen? Die Regierung hatte den Vorstoss zur Ablehnung empfohlen. Sie rechnet mit mindestens 200'000 Franken Mehrkosten pro Jahr – möglicherweise auch mehr.

Kienz lässt das Kostenargument nicht gelten. «Der Kanton kann sich das aus meiner Sicht problemlos leisten», sagt er. Den Einheimischenrabatt will er über die kantonale Strassenrechnung finanzieren. Weil der Flüelapass im Winter geschlossen bleibt, spare der Kanton Geld. Kienz ist überzeugt, dass ein Winterbetrieb der Passstrasse ein Vielfaches der geschätzten Rabattkosten verschlingen würde.

Und was sagt die Rhätische Bahn zum angenommenen Auftrag? «Bei der Überweisung handelt es sich um einen politischen Entscheid», gibt sich eine Sprecherin zurückhaltend. Eines macht die RhB aber deutlich: Auf den Kosten will sie nicht sitzen bleiben. Man gehe davon aus, dass entstehende Kosten entschädigt werden, teilt die Sprecherin weiter mit. Wie das konkret funktionieren könnte, müsse nun die Bündner Regierung ausarbeiten.

Für Kienz ist der Entscheid ein Erfolg. Nun erwartet er, dass die Exekutive vorwärtsmacht. Er hält die Einführung der Rabatte innerhalb von zwei Jahren für realistisch.

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