US-Deal wegen Trump geplatzt
Bündner Nusstörtli-Hersteller gibt nicht auf – und liefert jetzt nach China

US-Präsident Donald Trump hat Reto Schmid aus Sedrun GR mit seinen Zöllen einen Mega-Deal vermiest. Der Konditor hat aber neue Abnehmer in Indien und China gefunden. Er hat sogar 10 neue Mitarbeiter angestellt.
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Reto Schmid ist bekannt für seine Nusstorten-Kreationen.
Foto: KARL-HEINZ HUG

Darum gehts

  • Bündner Nusstorten-Hersteller verliert US-Deal, findet neue Märkte in Asien
  • Trump-Zölle und Wechselkurse verhindern geplantes Geschäft mit Costco
  • Firma beschäftigt 55 Mitarbeiter, zehn davon neu eingestellt
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Konditor Reto Schmid (51) aus Sedrun GR ist bekannt für seine Bündner Nusstorten. Er beliefert mit seiner Firma «La Conditoria» die meisten grossen Detailhändler in der Schweiz. Und stand kurz vor einem ganz grossen Deal in den USA. US-Gigant Costco – dank der neuen Filiale nahe der Schweizer Grenze auch der hiesigen Bevölkerung nun ein Begriff – wollte seine Nusstörtli ins Sortiment aufnehmen. Eineinhalb Jahre arbeitete Schmid darauf hin. Er hat verschiedene Anpassungen gemacht, die Grösse und das Gewicht der Bündner Spezialität geändert.

Dann hat ihm US-Präsident Donald Trump (79) mit seinen Zöllen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Und den Deal platzen lassen. Selbst mit den derzeit angedachten 15 Prozent Zöllen lohnt sich das Geschäft für Schmid schlicht nicht. «Zusammen mit der Wechselkursentwicklung seit Jahresbeginn haben wir Mehrkosten in der Höhe von 30 Prozent. Für uns ist das schlicht zu viel», sagt Schmid zu Blick. Zwei Container mit Nusstörtli konnte er noch verschiffen. Jetzt ist der Deal mit Costco gestoppt.

Zollfrei nach China und Indien

Doch Schmid hat seit dem verhängnisvollen 1. August mit Trumps 39-Prozent-Zollhammer hinter den Kulissen gewirbelt. Und neue Märkte gefunden, wie RTR zuerst berichtet hat. Er liefert seine Bündner Nusstörtli nach China und nach Indien. Und zwar zollfrei! Internationale Messeauftritte in Köln (D), Amsterdam oder Dubai hätten sich ausgezahlt, sagt Schmid zu Blick. Und weiter: «Wir mussten die indischen Firmen nicht suchen, sie sind auf uns zugekommen.»

Auch Chinesen seien schon in Sedrun gewesen. «Sie haben umgehend eine erste Bestellung platziert», sagt Schmid. Er habe nach dem Zollschock nicht den Kopf in den Sand gesteckt. Sondern eine «Strategieanpassung im Export» vorgenommen, wie es Schmid nennt. Denn: «Wenn was nicht funktioniert, so gibt es andere Möglichkeiten, dann gehen anderer Türen auf», glaubt der Konditor.

Rezept für Indien angepasst

Bei den internationalen Kunden seien Mini-Törtchen in verschiedenen Varianten besonders gefragt. So auch in Indien. Die kleinen Nusstorten werden als «Alpine Nut Cake» verkauft, also als alpiner Nusskuchen. Nicht nur der Name wurde angepasst, auch das Rezept. «Da geht es vor allem um die Haltbarkeit. In der Schweiz sind die Törtli 6 Monate haltbar, im Export müssen es 12 Monate sein – wegen des deutlich längeren Transports.»

In Sedrun läuft die Produktion dieser Tage auf Hochtouren – trotz Zollschock. «Wir haben sehr viel zu tun und wachsen sehr stark», freut sich Reto Schmid, der den Betrieb seit 2004 führt. Auf Ende Jahr hin hat er 10 neue Mitarbeiter einstellen müssen. Auch wegen der neuen Aufträge. Schmid bleibt aber bescheiden. «Wir liefern aber noch nicht im grossen Stil nach Asien», sagt er.

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