Darum gehts
- Ex-FiBL-Chef Urs Niggli distanziert sich vom heutigen Bio-Anbau
- Bio kann die Welt keineswegs ernähren, so der Experte
- Niggli beanstandet das Nein zur Genomeditierung der Bio Suisse
Urs Niggli (73) ist der Vordenker der Schweizer Bio-Szene. Viele Jahre lang leitete der Solothurner Agronom das renommierte Bio-Forschungsinstitut FiBL im aargauischen Frick. Doch jetzt wendet sich der Bio-Papst vom Ökolandbau ab. Mit einem neuen Buch. Und deutlichen Worten in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
«Eine wachsende Menschheit lässt sich mit Bio nicht ernähren», stellt der Experte im «FAZ»-Interview klar. Und der Bio-Pionier gesteht ein: «Ich stehe nicht mehr ganz hinter dem Bio-Anbau, wie er heute praktiziert und geregelt ist.» Und: «Bio bringt fürs Klima nichts.»
Urs Niggli (73) gehört zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet des biologischen Landbaus. Von 1990 bis 2020 leitete er das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG. Er ist Präsident des von ihm gegründeten Instituts Agroecology.science.
Urs Niggli (73) gehört zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet des biologischen Landbaus. Von 1990 bis 2020 leitete er das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG. Er ist Präsident des von ihm gegründeten Instituts Agroecology.science.
Bio-Obst wird heftig gespritzt
Ein Grund für Nigglis Meinungsumschwung: Hinter den makellosen Bio-Äpfeln im Detailhandel steckt ein intensiver Pflanzenschutz mit Mitteln wie Kupfer und Schwefel. «Sie verschlechtern die Ökobilanz», bestätigt Niggli gegenüber Blick. Und schiebt nach: «Das Bild, das sich Konsumentinnen und Konsumenten machen, ist deshalb etwas geschönt.»
Ein zentraler Kritikpunkt: Die Bio-Szene verwehre sich moderner Methoden. Neue Verfahren wie gentechnisch veränderte Lebensmittel würden «aus ethischen oder irgendwelchen anderen Gründen abgelehnt», beanstandet Niggli in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Für ihn ein Fehler, auch hierzulande. Bio-Bauern seien weiterhin wichtige Hüter von traditionellen Anbaumethoden, sagt Niggli zu Blick. «Aber das reicht nicht, um die grossen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Mehr Offenheit gegenüber Technologien wäre sehr wichtig.»
Frühere Euphorie ist verflogen
Noch vor wenigen Jahren war Niggli ein euphorischer Öko-Prediger. «Bio ist immer noch sexy», sagte er 2022 im Gespräch mit dem SonntagsBlick. Heute fällt seine Bilanz deutlich nüchterner aus. «Die Euphorie, dass Bio stetig wächst, ist in den vergangenen Jahren verflogen, in Europa und weltweit», sagt Niggli nun gegenüber Blick. «Selbst in der reichen Schweiz reagieren Konsumentinnen und Konsumenten auf gesellschaftliche Unsicherheiten und sparen beim Essen.» Heisst: Bio ist out.